Kernen

Abriss-Zeitplan, Kosten, neues "urbanes Dorf": Wie es mit der Hangweide in Kernen weitergeht

Hangweide
Die Hangweide im Oktober 2020. © ZVW/Benjamin Büttner

Ein Wohngebiet der Zukunft, ein Vorzeige-Quartier, ein „urbanes Dorf“: Das Millionenprojekt Hangweide der Gemeinde Kernen „nimmt Fahrt auf“, sagte Bürgermeister Benedikt Paulowitsch in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Der Gemeinderat hat einstimmig ein Projektbudget für das Jahr 2021 in Höhe von 705 000 Euro für die Hangweide verabschiedet, mit dem die Projektpartner entsprechend arbeiten können.

Ein Referent der Kommunalentwicklung Stuttgart (KE) stellte den finanziellen Stand des Projekts vor und erklärte, welche Maßnahmen mit dem aktuell verabschiedeten Projektbudget abgedeckt werden sollen.

Hangweide-Projekt kostet 48 Millionen Euro

Insgesamt kostet das Projekt rund 48 Millionen Euro. Die Summe setzt sich zusammen aus Grunderwerb (18 Millionen Euro), Planungs- und Gutachterkosten (800 000 Euro), Gebäuderückbau (vier Millionen Euro), Erschließungskosten (16 Millionen Euro), projektspezifischen Entwicklungskosten wie Hochwasser, Lärm (2,2 Millionen), Infrastrukturfolgekosten (3,8 Millionen) und Vergütung der Projektpartner (drei Millionen).

Bei dem Gebäuderückbau gibt es laut dem Projektteam „aktuell keine neueren Erkenntnisse“. Deshalb geht es davon aus, dass es hierbei bei den kalkulierten vier Millionen Euro bleibt.

Bislang wurden in den vergangenen Jahren Ausgaben für die Bürgerbeteiligung und die Rechtsberatung zu den Verträgen mit der Diakonie Stetten (Kauf- und Kooperationsvertrag) getätigt. Hinzu kamen Gutachterkosten, die im Zusammenhang mit dem Kaufvertrag erstellt werden mussten. Im Jahr 2020 wurden die Kosten der Wettbewerbsdurchführung, der Rückbauplanung sowie für Gutachten zum Artenschutz abgedeckt. Auch wurden die Projektpartner honoriert. Insgesamt seien ungefähr 450 000 Euro ausgegeben worden.

Aktuell werden 1,8 Millionen Euro benötigt - 705.000 Euro übernimmt Kernen

Im aktuellen Jahr sollen die Planungen für den Rückbau abgeschlossen werden, so dass gegen Ende des Jahres mit den Arbeiten begonnen werden kann. Weiterhin muss das Grundstück unterhalten und die Honorare der Projektpartner müssen gezahlt werden. „Für diese Themen benötigen wir auf der Hangweide rund 1,8 Millionen Euro“, sagte der Referent von der KE. Durch die Aufteilung Gemeinde (40 Prozent), Kreisbau und KE jeweils 30 Prozent, zahlt die Gemeinde 705.000 Euro auf das guthabengeführte Projektkonto. Jeder Projektpartner überweist seinen Anteil auf das Konto, das im April 2020 eröffnet wurde. Die drei Projektpartner als Projektgemeinschaft haben der Gemeindevorlage zufolge dafür zu garantieren, dass immer ein Mindestbetrag in Höhe von 500 000 Euro auf dem Projektkonto „Hangweide“ vorhanden ist.

Nach derzeitigem Stand rechnet das Projektteam damit, dass die Höhe der Gesamtkosten von 48 Millionen Euro stabil bleibt. Alles andere werde sich im Laufe des Projektes zeigen. „Rund 60 000 Quadratmeter netto Baulandflächen“ gibt es auf dem Gelände des ehemaligen Diakonie-Dorfs. „Die haben wir ursprünglich mit 900 Euro pro Quadratmeter kalkuliert“, sagte der KE-Referent. Wenn das städtebauliche Entwurfskonzept abgesegnet ist und es einen Bebauungsplan gibt, werden die Baugrundstücke neu durchkalkuliert.

Hangweide soll ein urbanes Dorf werden

Allen Beteiligten sei es wichtig gewesen, das ganze Projekt im Rahmen der Internationalen Bauausstellung zu platzieren, so Bürgermeister Paulowitsch. Bei dem Konzept wurde die Idee des „urbanen Dorfs“ stärker ausgearbeitet. Wenn es um innovativen Städtebau geht, stünden häufig Großstädte im Fokus, so der Kernener Bürgermeister. „Aber eine Gemeinde wie Kernen ist weder das eine noch das andere. Wir sind keine Großstadt, aber wir sind eben auch kein Dorf“, sagte er.

„Die Lage im unmittelbaren Speckgürtel ist an sich eine Region, in der ein Großteil der Bevölkerung bundesweit lebt.“ Zwar sei es ein typisches Wohngefüge, aber es werde selten beleuchtet. „Die Leute schaffen sehr viel in Stuttgart oder Esslingen, sind bei großen Industrieunternehmen tätig. Sie sind das Tempo der Stadt gewohnt, und gleichzeitig herrscht die große Sehnsucht nach dem Dörflichen, dem Ruhigen, nach der Nachbarschaft.“

Deshalb soll die Hangweide dem Leitbild des urbanen Dorfes folgen. Bei einer Gegenstimme wurde das Leitbild vom Gemeinderat angenommen. Auf der Hangweide soll unter anderem städtebaulich an ein Dorf erinnert werden sowie durch Hofläden mit lokalen Erzeugnissen. Ein weiterer Aspekt, der ein Dorfleben ausmacht, sei „sicherlich das Zusammenleben“, sagte der Bürgermeister. In einem Dorf kennt man sich, man hält zusammen, man unterstützt sich gegenseitig. „Wir haben uns Gedanken gemacht, wie man so ein neues Quartier organisatorisch vielleicht anders fassen kann, dass dort Gemeinschaft und ein freundliches Miteinander gefördert werden können.“

Zentren dieses neuen Quartiers und Ort der Begegnung sollen unter anderem das Ufer des wieder entstandenen Egelsees, die Dorfpromenade oder das Anna-Kaiser-Haus werden, das zugleich als Begegnungsstätte zwischen Menschen mit und ohne Behinderung wirken soll.

„Dorfgenossenschaft“ wird von TU München begleitet

Die Bewohner der Hangweide sollen nicht nebeneinanderher, sondern miteinander leben. Geplant ist auch eine sogenannte Dorfgenossenschaft. Die Genossenschaft soll in die Gebietsinfrastruktur investieren, Rechte für die Gemeinschaft halten und den dauerhaften Betrieb sicherstellen, so die Verwaltung.

Sie soll sich etwa um für das „Urban Gardening“ vorgesehene Flächen kümmern, um gemeinschaftlich genutzte Bereiche wie Bibliothek, Gemeinschaftsraum und Dorf-Café. Deren Bewirtschaftung soll sie mit Unterstützung von weiteren Partnern organisieren.

Die durch die Dorfgenossenschaft erzielten Erträge sollen dem Gebiet zugutekommen, um zum Beispiel das Quartiers- beziehungsweise Sozialmanagement im urbanen Dorf zu organisieren. „Die gemeinschaftlichen Bereiche sollen, ähnlich wie früher beim Dorfkern, überwiegend in dem Quartier der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft errichtet werden“, so die Verwaltung. Das Konzept der Dorfgenossenschaft wird durch ein Forschungsseminar der TU München wissenschaftlich begleitet.

IBA 2027: Kernen möchte Egelsee fertig machen

Kernens Bauamtsleiter Peter Mauch sagte: „Wir wollen zur IBA 2027 auch etwas zeigen können.“ Das „ehrgeizige Ziel“ der Gemeinde sei, den Egelsee fertig zu machen und im Winter mit dem Rückbau zu beginnen.

Ein Wohngebiet der Zukunft, ein Vorzeige-Quartier, ein „urbanes Dorf“: Das Millionenprojekt Hangweide der Gemeinde Kernen „nimmt Fahrt auf“, sagte Bürgermeister Benedikt Paulowitsch in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Der Gemeinderat hat einstimmig ein Projektbudget für das Jahr 2021 in Höhe von 705 000 Euro für die Hangweide verabschiedet, mit dem die Projektpartner entsprechend arbeiten können.

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