Kernen

Aktivistinnen sprechen im Bürgerhaus Rommelshausen

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Schüler streiken jeden Freitag in Stuttgart gegen den Klimawandel. © Laura Steinke
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Nisha Toussaint-Teachout (links) und Charlotte von Bonin bei einer „Fridays for Future“-Demo in Stuttgart.

Kernen-Rommelshausen. Aufbruchsstimmung und frischen Wind haben die Organisatorinnen der Stuttgarter „Fridays for Future“-Demo ins Bürgerhaus Rommelshausen gebracht. Am Mittwochabend hielten die jungen Frauen vor rund 50 Besuchern einen Vortrag darüber, wie sie sich mit Tausenden Schülern für den Klimaschutz engagieren.

„Zu wenig passiert, die Zeit sie rennt. Lasst uns jetzt handeln, bevor die Welt brennt. Die Luft wieder sauber, die Erde geheilt. Wir treten in den Klimastreik“, formulierte Charlotte von Bonin ihre Forderung in einem Poetry-Slam-Beitrag. Die 22-Jährige ist Organisatorin der Stuttgarter „Fridays for Future“-Bewegung. Jeden Freitag streiken Schüler in der Stuttgarter Innenstadt gegen den Klimawandel und die Untätigkeit der Politik.

„Wir sind der Wecker“: So sehen es von Bonin und ihre Mitstreiterin Nisha Toussaint-Teachout. Mit ihren Streiks wollen sie darauf aufmerksam machen, was in dem Pariser Klimaabkommen von 2015 beschlossen wurde: Die Temperaturen sollen nicht mehr als 1,5 Grad ansteigen. „Es gibt dieses Ziel, und es wird nicht eingehalten. Wir fordern, dass der Staat konsequente Klimapolitik betreibt.“

„Wir lernen vor allem: Wir können was bewegen“

An anderen Orten der Welt seien die Auswirkungen des Klimawandels schon längst zu spüren. „Wir hier in Deutschland haben das Privileg, dass wir das nicht so merken“, sagt sie. „Doch mit Privilegien kommt Verantwortung.“ Die 19-Jährige macht auf die Verpflichtung des Staates aufmerksam, die im Grundgesetz steht. In Artikel 20a heißt es: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere.“

In einem Schauspiel zeigen die Aktivistinnen, welche Vorwürfe ihnen Erwachsene machen. Sie sollten lieber zur Schule gehen und sie seien ja eh keine Profis. Ihre Antwort: „Wir sehen keine andere Möglichkeit – das ist ein Hilferuf“. Außerdem würden sie jeden Tag lernen: Planung, Technik, Rhetorik, Kommunikation, Finanzen – all das gehöre schließlich zur Organisation dazu. „Wir lernen vor allem: Wir können was bewegen“, fasst Toussaint-Teachout zusammen. Das ist diesen Freitag in Stuttgart wieder möglich:

Jeder kann täglich Aktivist sein

Die Aktivistinnen sprechen während des Vortrags auch über Ess- und Konsumverhalten. Denn schließlich könne jeder täglich Aktivist sein: Regionale Lebensmittel kaufen und seinen Fleischkonsum reduzieren könnten der Umwelt bereits helfen. Sie regen an: „Lasst uns einfach losgehen und die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen.“

Der Vortrag war eine Wahlveranstaltung des Parteifreien Bündnisses (PFB) Kernen und vor allem für Erstwähler gedacht. „Die PFB will sich mit ,Fridays for Future‘ solidarisieren und alle Aktiven unterstützen“, erklärt Annalena Volk aus Stetten. Die 20-Jährige ist eine von 22 Kandidaten und Kandidatinnen, die für die PFB bei der Gemeinderatswahl am 26. Mai antritt.


Fridays for Future

Entstanden ist „Fridays for Future“ durch Greta Thunberg. Die 16-jährige Schwedin fing im vergangenen Jahr an zu streiken. In Stuttgart starteten die Demos am 30. November. Am vergangenen Freitag streikten 4000 Menschen in der Stuttgarter Innenstadt.

23 000 Wissenschaftler unterstützen die Forderungen der Schüler als „Scientists for Future“.