Kernen

Bahnhof Rommelshausen bleibt gefährlich

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Durch die Kurvenlage am Bahnhof in Rommelshausen fällt es Fahrgästen oft schwer, in die S-Bahn ein- und auszusteigen. (Symbolfoto) © Gabriel Habermann

Kernen-Rommelshausen.
Weil am Bahnhof Rommelshausen immer wieder Personen in den Spalt zwischen Bahnsteigkante und S-Bahn fallen, soll eine Sicherheitsmaßnahme her: Der Bahnsteig soll mit Videokameras und Monitoren ausgestattet werden. Jüngst setzten sich dafür zwei Landtagsabgeordnete ein, auch Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) befürwortet diese Lösung. Rund 250 000 Euro könne eine solche Investition kosten. Doch es scheint, als würde die Sicherheit erst mal hinten anstehen.

Mit einem Schreiben haben sich die Landtagsabgeordneten Claus Paal (CDU) und Jochen Haußmann (FDP) an den Verkehrsminister Winfried Hermann gewandt. Sie schlagen vor, dass die Bahnsteige mit Kameras und Monitoren ausgestattet werden sollen, damit der Lokführer eine bessere Übersicht über den gesamten Zug hat. Dadurch soll verhindert werden, dass der Zug losfährt, obwohl jemand möglicherweise im Spalt feststeckt.

10-Jähriger fällt in Spalt zwischen Bahnsteig und Zug

Im April dieses Jahres gab es einen von vielen gefährlichen Vorfällen am Bahnhof Rommelshausen: Ein 10-Jähriger war in den Spalt zwischen Bahnsteig und S-Bahn gefallen. Er hatte versucht, den Türöffner zu drücken, und rutschte dabei an der feuchten Bahnsteigkante ab. Sein Schulranzen verhinderte, dass er bis auf den Boden des Gleises fiel. Zum Glück bekam das ein Fahrgast mit, der ihn aus dem Spalt herauszog, bevor die Bahn weiterfuhr.

Seit vielen Jahren ist das Problem am Bahnhof Rommelshausen bekannt. Mehrere Menschen stürzten und verletzten sich dabei: Beckenprellung, Kreuzbandriss, Schürfwunde – über solche und weitere Verletzungen berichtete unsere Zeitung bereits. Die Landtagsabgeordneten und die Gemeinde Kernen fordern die Deutsche Bahn schon lange zum Handeln auf – jetzt auch Verkehrsminister Hermann. In seiner Antwort an Paal und Haußmann schreibt er: „Offenbar besteht hier ein Gefahrenschwerpunkt“ – und verweist auf Berichte unserer Zeitung über Unfälle im April dieses Jahres und Januar 2015. „Handeln muss aus meiner Sicht ausschließlich der Eisenbahninfrastrukturbetreiber“, schreibt Hermann. Heißt: die Deutsche Bahn. Sie solle „das Gebotene tun, um diese gefährliche Situation so schnell wie möglich zu entschärfen“. Die Bahn plant einen Neubau der Bahnsteige, jedoch sollen die Arbeiten erst im Februar 2022 starten.

Hermanns Kollege aus dem Verkehrsministerium, Ministerialdirektor Uwe Lahl, hat die Briefe der Landtagsabgeordneten Paal und Haußmann an die Deutsche Bahn weitergeleitet – mit den Worten: „Wir bitten Sie, das genannte Problem zeitnah anzugehen.“ Es sei nicht nachvollziehbar, warum ein Umbau erst 2022 erfolgen könne.

Deutsche Bahn: Ein schnellerer Umbau ist nicht in Sicht

Knapp drei Wochen später kommt die Antwort vom Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn in Baden-Württemberg, Thorsten Krenz: „Eine Beschleunigung des aktuell geplanten Vorhabens ist leider nicht möglich.“ Momentan laufe das Planrechtsverfahren beim Eisenbahn-Bundesamt. Danach müsse noch eine baubetriebliche Anmeldung erfolgen.

Technische Maßnahmen als Übergangslösung können einen sicheren Ein- und Ausstieg am Bahnhof nicht verbessern, heißt es in dem Antwortschreiben. Spiegel beispielsweise würden aufgrund der Zuglänge und Bahnsteigkrümmung keine hilfreichen Bilder für den Zugführer geben. Auch eine sogenannte „Einheitstechnische Abfertigungsanlage“ (ETA), die aus Kameras und Monitoren besteht, sei hier nicht angebracht, schreibt Krenz. Diese zeigt dem Lokführer über Kamerabilder, ob alle Fahrgäste eingestiegen sind. Dann kann er alle Türen zentral verriegeln. Dieses System werde aber nur genutzt, um Züge schneller abzufertigen. Gerade das solle aber ja in Rommelshausen nicht passieren. Denn: ETA gibt keine Gewähr, dass beispielsweise ein Fahrgast, der noch im Gleis steckt, gesehen wird.

„Die größte Hilfe wird der Umbau sein“, sagt ein Bahnsprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Doch auch wenn der Bahnsteig 2022 angepasst wird, bleibt die schwierige Einsteigesituation bestehen, gibt er zu. Dadurch, dass der Bahnhof in einer Kurve liegt, wird sich die Situation nicht gravierend ändern. Ein höhengleicher Einstieg von Bahnsteig zum Zug könne nicht garantiert werden, sagt der Bahnsprecher. Zumindest an den mittleren Türen der S-Bahn, die nicht extrem von der Neigung der Kurve betroffen sind, soll das Einsteigen dann aber leichter fallen.

Konzernbevollmächtigter Krenz schreibt in seinem Brief, dass die Deutsche Bahn weiterhin für Gespräche offen sei, um eine Übergangslösung zu finden. Zu Beginn des kommenden Jahres planen die Landtagsabgeordneten Paal und Haußmann deshalb ein Treffen. Bürgermeister Benedikt Paulowitsch hat ebenfalls seine Zusage gegeben.

Paulowitsch: „Bahn muss ihrer Verpflichtung nachkommen“

Wer eine Übergangslösung finanzieren soll, ist unklar. „Eine Finanzierungspflicht des Landes besteht jedoch nicht“, schreibt Hermann. Auch die Gemeinde Kernen, die zu Zeiten von Bürgermeister Stefan Altenberger überlegt hatte, 100 000 Euro für den Umbau des Bahnhofs beizusteuern, müsse sich nicht beteiligen. Lediglich die Deutsche Bahn sei in der Pflicht. Denn nach dem Grundgesetz ist allein der Bund für die finanzielle Ausstattung der Eisenbahn zuständig. Bürgermeister Benedikt Paulowitsch stimmt Hermann zu: „Es kann nicht sein, dass die Kommunen den Investitionsstau der Bahn mittragen.“ Wenn die Bahn aber ein Gespräch „finanzieller Natur“ suchen würde, stelle er sich nicht quer. Aber: „Erst mal muss die Bahn ihrer Verpflichtung nachkommen, für einen sicheren Bahnsteig zu sorgen.“