Kernen

Barber kämpfen gegen die Coronakrise: Kann ein Laden, der im März eröffnet hat, den zweiten Lockdown überstehen?

Barbershop
Nozad Younes (rechts) betreibt einen Barbershop in Rommelshausen. Sein Bruder Malik Younes (links) arbeitet mit ihm zusammen. © Benjamin Büttner

Auf dem dunklen Tisch im Barbershop „Nozad“ liegen übereinandergestapelt viele Flyer. Die hat der Inhaber Nozad Younes noch vor einer Woche erstellen lassen, um auf sich und seinen Laden in der Karlstraße aufmerksam zu machen. „Der Laden ist noch nicht so bekannt“, sagt der 29-Jährige. „Ich habe am 10. März aufgemacht“,erzählt er, „und am 20. März musste ich wieder schließen.“ Zehn Tage nach der Neueröffnung den Betrieb wieder herunterfahren zu müssen, habe ihn hart getroffen. „Es war eine schwierige Zeit“, sagt Younes.

Täglich fährt er von Plüderhausen nach Rommelshausen

Umso mehr habe er sich darauf gefreut, dass er im Mai wieder seiner Tätigkeit nachgehen und seinen für Männer konzipierten Friseursalon öffnen konnte. Auch wenn er dafür täglich von Plüderhausen nach Rommelshausen mehr als 20 Kilometer hin und wieder zurück pendeln musste. Doch nun steht ihm die zweite Schließung bevor. Wie geht er damit um?

"Nach jedem Kunden wird alles desinfiziert"

„Ich hoffe, dass das alles gut ausgeht“, sagt er. „Für mich ist es blöd, aber die Gesundheit geht vor.“ Bislang hätten sie die vorgeschriebenen Corona-Hygienevorschriften ohnehin bei der Arbeit befolgt und angewendet, sagt er. „Nach jedem Kunden wird alles desinfiziert“, erklärt der Barbershop-Inhaber. Nicht selten komme neben dem gängigen Desinfektionsmittel auch das Allheilmittel „Kolonya“ zum Einsatz, das seinen Namen vom Kölnisch Wasser hat - und in der Regel einen hohen Alkoholanteil. „Wir versuchen, immer vorsichtig zu sein“, versichert Younes. Regelmäßig wird die Tür geöffnet und der Laden gelüftet.

Finanziell könnte es schwierig werden

Doch bis Anfang Januar muss die Tür zunächst geschlossen bleiben. Fürchtet er um seine Existenz? „Ich habe ein bisschen Geld beiseitegelegt“, sagt er. Ob er damit über die Runden kommt, das bezweifelt Younes und hofft auf Corona-Hilfsmaßnahmen, sofern er berechtigt ist, etwas zu erhalten.

In der ersten Krise hat ihm sein Bruder geholfen

Die erste Krise im Frühjahr habe er dank seines älteren Bruders überstanden, der ihm unter die Arme griff und ihn finanziell unterstützte. Ob er auch dieses Mal auf seinen Bruder zählen kann, ist ungewiss. Schließlich ist auch dieser vom Lockdown betroffen, da er ebenfalls als Barber tätig ist. „Mein Bruder hat einen Barbershop in Schorndorf“, sagt Nozad Younes.

Er kam als Flüchtling nach Deutschland

Dort habe er angefangen zu arbeiten, als er im Herbst 2015 als Flüchtling nach Deutschland kam. Auch in seiner Heimat Irak habe der 29-Jährige einige Jahre lang als Friseur gearbeitet. „Meine Mutter und meine drei Schwestern leben noch dort“, sagt er. Hier hat er seine Brüder und einen Onkel bei sich. Während der älteste Bruder seinen eigenen Laden in Schorndorf betreibt, arbeitet der zweite Bruder, Malik Younes, mit ihm zusammen.

"Der Lockdown hat nicht nur uns getroffen, sondern viele Leute"

Auch Malik Younes äußert seine Sorgen: „Wir haben Angst, unsere Kunden zu verlieren“, sagt der 33-Jährige. „Die Situation ist schon schlimm“, sagt er. „Aber der Lockdown hat nicht nur uns getroffen, sondern viele Leute.“ Ihm sind die Hände gebunden: „Wir warten einfach ab und gucken, was Sache ist.“

Kunden nutzen die letzte Gelegenheit vor der Schließung aus

Die Gelegenheit, sich vor der Schließung noch die Haare schneiden zu lassen, nutzen einige Kunden. Einer von ihnen ist ein 42-jähriger Rommelshausener, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Weihnachten steht an, man muss sich schick machen“, sagt er. Was er zu dem Lockdown sagt? „Schwierige Frage, das hat sicher seine Berechtigung.“

"Meine Mutter ist vergangene Woche an Covid-19 verstorben"

Ein anderer Kunde hingegen findet, „dass alle Maßnahmen zu spät kommen“. Der 66-Jährige, der ebenfalls anonym bleiben möchte, sagt: „Meine Mutter ist vergangene Woche an Covid-19 verstorben.“

Dass die Politik hätte früher strengere Maßnahmen treffen sollen, findet auch ein 70-jähriger Herr. „Im Sommer hätte man den grenzüberschreitenden Verkehr anders regeln müssen.“ Der Rommelshausener, der nicht namentlich erwähnt werden will, findet: „Man ist zu leger und blauäugig mit der Pandemie umgegangen.“

Auf dem dunklen Tisch im Barbershop „Nozad“ liegen übereinandergestapelt viele Flyer. Die hat der Inhaber Nozad Younes noch vor einer Woche erstellen lassen, um auf sich und seinen Laden in der Karlstraße aufmerksam zu machen. „Der Laden ist noch nicht so bekannt“, sagt der 29-Jährige. „Ich habe am 10. März aufgemacht“,erzählt er, „und am 20. März musste ich wieder schließen.“ Zehn Tage nach der Neueröffnung den Betrieb wieder herunterfahren zu müssen, habe ihn hart getroffen. „Es war eine

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