Kernen

Behördendeutsch verständlich machen: Büro der Diakonie Stetten übersetzt in "Leichte Sprache"

Leichte Sprache Diakonie Stetten
„Verständlich genug?“ Linda Liskamm (1. v. l.) und Fabian Dickner überprüfen die Übersetzung von Beate Fischer (3. v. l.) auf Verständlichkeit. Den Auftrag hat das neue Büro von Angela Ehrlich (4. v. l.) vom Fellbacher Projektteam Deutscher Wandertag erhalten. © Diakonie Stetten

Schwere Texte verständlich machen: Das ist die Aufgabe eines neuen Übersetzungsbüros, das die Diakonie Stetten in diesem Jahr eröffnet hat. Es „leistet mit der Übersetzung von Texten aller Art einen Beitrag zur Barrierefreiheit und zur Teilhabe von Menschen mit Unterstützungsbedarf“, so die Diakonie in einer Pressemitteilung. Die Mitarbeitenden seien Menschen mit und ohne Behinderung. Aufträge gibt es laut der Diakonie etwa von den Veranstaltern des „Deutschen Wandertags 2022“ in Fellbach und dem Remstal.

„Behördliche Schreiben, Verordnungen, Verträge, aber auch Infobroschüren und andere Texte aller Art sind oft gespickt mit Fremdwörtern und enthalten kompliziert formulierte Schachtelsätze über mehrere Zeilen hinweg“, begründet die Diakonie ihr neues Angebot. „Eine Form von Sprachbarriere, die es besonders Menschen mit Behinderung erschwert, den Inhalt zu verstehen. Aber nicht nur ihnen. Auch ältere Menschen oder Menschen, für die Deutsch nicht die Muttersprache ist, tun sich oft schwer mit Texten dieser Art.“

Einfache Sprache ist nicht gleich „Leichte Sprache“

Eine große Hilfe sei es für sie, wenn die schwer verständlichen Texte in einfache Sprache übersetzt werden. Dazu gehört auch die „Leichte Sprache“, für die verbindliche Regeln gelten. „So ist zum Beispiel festgelegt, dass Fachworte entweder erklärt oder durch ein gängiges Wort ersetzt werden“, erläutert die Diakonie. „Sätze sollen möglichst kurz sein und keine Formulierungen in der Konjunktiv-, Genitiv- oder Passivform enthalten. Weitere Vorgaben, wie etwa zur Schriftgröße, zum Textaufbau und zum Einsatz von Bildern, sollen das Textverständnis zusätzlich unterstützen.“

Seit der Eröffnung des Büros für Leichte Sprache der Diakonie Stetten im Frühjahr können solche Übersetzungsdienste jetzt auch hier in der Region angeboten werden. Möglich gemacht hat dieses neue Angebot eine Projektförderung der Stiftung Aktion Mensch.

Die Leiterin Beate Fischer erklärt die Arbeitsweise des neuen Büros: „Wir bekommen einen Übersetzungsauftrag, zum Beispiel von einer Behörde, und übersetzen den Text dann für den gewünschten Zweck. Bei Bedarf bieten wir dazu auch eine grundlegende Beratung an. Die Übersetzung wird dann von unserer Prüfgruppe auf Verständlichkeit geprüft und wenn nötig noch mal überarbeitet. Erst wenn von der Prüfgruppe bestätigt wurde, dass der Text gut verständlich ist, bekommt die Kundin oder der Kunde den übersetzten Text von uns zurück.“

Büro-Mitarbeiterin Frauke Jessen-Narr, die gemeinsam mit Beate Fischer, Iris Langheinrich und Yvonne Gehrke im neuen Büro als Übersetzerin tätig ist, ergänzt: „Unsere Prüfgruppe besteht aus insgesamt zehn Menschen mit Behinderung, die in den Remstal-Werkstätten der Diakonie Stetten beschäftigt sind und sich für die Mitarbeit im Team beworben haben. Sie werden eigens für diese Aufgabe geschult und sind als Experten in eigener Sache ein wichtiger Bestandteil unseres Teams.“ Linda Liskamm und Fabian Dickner arbeiten seit kurzem beide in dieser Prüfgruppe mit.

Dass die Übersetzungen wichtig sind, können sie aus eigener Erfahrung bestätigen. „Ich lese zum Beispiel gerne Zeitung, aber die Artikel sind für mich oft schwer zu verstehen“, erzählt Linda Liskamm.

Fellbach nutzt das Büro für den "Deutschen Wandertag 2022"

Für die Übersetzungsdienste gibt es laut der Pressemitteilung auch intern in der Diakonie Stetten einen großen Bedarf. Doch auch mehrere externe Auftraggeber haben sich schon gemeldet. Dazu zählen unter anderem die Veranstalter des Deutschen Wandertags, der im kommenden August in Fellbach und im gesamten Remstal stattfinden wird. „Wir wollen einen ‚Wandertag für alle‘ organisieren, bei dem Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen mitmachen können. Das Thema Inklusion ist uns sehr wichtig“, erläutert Angela Ehrlich, die als Projektmitarbeiterin bei der Stadt Fellbach für die Vorbereitung des Großereignisses zuständig ist. „Wir planen unter anderem barrierefreie Wandertouren, aber wollen auch in der Kommunikation darauf achten, dass die Angebote für alle möglichst gut verständlich sind.

Bei den beteiligten Kommunen haben wir damit offene Türen eingerannt“, wird sie in der Pressemitteilung der Diakonie zitiert. Im Auftrag des Deutschen Wandertags übersetzt das Team jetzt Ausschreibungen für Veranstaltungen, aber auch langfristig nutzbare Inhalte wie die Beschreibung der Stationen des Oeffinger Besinnungswegs. In ähnlicher Weise profitiert laut der Mitteilung auch die Stadt Waiblingen von der Übersetzung einer Stadtführung in Leichte Sprache. Und jüngst habe Fellbachs Erster Bürgermeister Johannes Berner bei seiner Rede anlässlich der Ausstellungseröffnung des Vereins 46plus (für die Wanderausstellung „46plus kocht – voll lecker“) auf die Unterstützung des Büros zurückgegriffen.

Schwere Texte verständlich machen: Das ist die Aufgabe eines neuen Übersetzungsbüros, das die Diakonie Stetten in diesem Jahr eröffnet hat. Es „leistet mit der Übersetzung von Texten aller Art einen Beitrag zur Barrierefreiheit und zur Teilhabe von Menschen mit Unterstützungsbedarf“, so die Diakonie in einer Pressemitteilung. Die Mitarbeitenden seien Menschen mit und ohne Behinderung. Aufträge gibt es laut der Diakonie etwa von den Veranstaltern des „Deutschen Wandertags 2022“ in Fellbach

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