Kernen

Corona-Krise in Kernen: Die "Burgstüble"-Betreiber hoffen auf den Sommer

BurgstuebleCorona
Achilleas Mantelis (l.) und David Klein führen ’s Burgstüble seit Februar 2018. © Gaby Schneider

„Wenn wir nicht leidensfähig und stresserprobt wären, wären wir keine Gastronomen“, sagt Achilleas Mantelis. Gemeinsam mit David Klein führt er die Vereinsgaststätte „’s Burgstüble“ in Stetten. Übernommen haben die beiden Männer das Restaurant im Februar 2018.

Seitdem ist einiges passiert. Die Corona-Pandemie kam und stellte die Betreiber vor neue Herausforderungen. Aktuell gilt im Burgstüble – wie in der gesamten Gastronomie in Baden-Württemberg – die 2G-plus-Regelung, FFP2-Masken-Pflicht und die Sperrstunde. Mantelis und Klein bemerken: „Die Leute sind verunsichert.“ Oftmals wüssten die Gäste gar nicht, welche Regeln gerade für den Restaurantbesuch gelten.

Ob am Telefon oder an der Eingangstür: „Der Gastronom ist Überbringer schlechter Nachrichten“, sagt David Klein. „Doch was der Gesetzgeber uns vorgibt, müssen wir auch ordentlich umsetzen.“ Von den Gästen erfahren sie unterschiedliche Reaktionen: Die einen zeigen Verständnis, die anderen seien eher zum Diskutieren aufgelegt.

„Januar und Februar sind die schlechtesten Monate im Jahr“

Aktuell geht es eher ruhig im Burgstüble zu. Während das Weihnachtsgeschäft und die Zeit bis Silvester für Corona-Zeiten „gut“ für die Vereinsgaststätte liefen, so die Betreiber, sei mit dem neuen Jahr Ruhe eingekehrt. Es kommen weniger Gäste und auch der Liefer- und Abholservice sei eingeschlafen. Diesen haben die Betreiber im ersten Lockdown im März 2020 eingeführt. „Der Januar und Februar sind die schlechtesten Monate im Jahr“, sagt David Klein.

Vor der Pandemie sei das Geschäft um diese Zeit zumindest so gut gelaufen, dass das Restaurant über die Runden gekommen sei. „Es tut schon in der Seele weh, wenn das Telefon weniger klingelt und die Tische weniger besetzt sind“, sagt Klein.

Sperrstunde tut ihnen auch nicht gut

Den Grund für die momentane Durststrecke sehen die Gastronomen in einer Kombination der Umstände: Verunsicherung durch das Regel-Konstrukt, Ferienende und fehlendes Vereinsleben. „Die Sperrstunde von 22.30 Uhr bis fünf Uhr bewirkt natürlich auch, dass sich die Leute zweimal überlegen: Soll ich um 21 Uhr noch ein Bier trinken gehen“, gibt David Klein zu bedenken.

Doch sei die Sperrstunde nur ein Faktor von vielen und „nicht das Zünglein an der Waage.“ Die Sperrstunde treffe Bars und Kneipen wesentlich schlimmer, weil diese ihren Umsatz in der Nacht machen, so Achilleas Mantelis. Auch sei die Willenskraft der Gäste, die Gastronomie zu unterstützen, irgendwann erschöpft: „Wie lange kann man an die Solidarität der Menschen appellieren?“

Ohne Corona-Hilfen wären sie nicht mehr da

Momentan bietet das Burgstüble einen Mittagstisch an, „alle Gerichte für 8,90 Euro zum Abholen und Mitnehmen“, sagt David Klein. In regelmäßigen Abständen gebe es auch eine Aktionskarte mit fünf Gerichten, die so noch nicht auf der Speisekarte stehen. Hier stehe nun die Frage: „Gehen wir damit in die Werbung?“, so Klein. Denn: Werbung koste Geld. Und darauf müssen die Gastronomen während der Pandemie achten.

Nicht zum ersten Mal müssen David Klein und Achilleas Mantelis die Corona-Hilfen in Anspruch nehmen. Auch in der Vergangenheit hätten sie die staatlichen Hilfen beantragt, „sonst wären wir gar nicht mehr da“, sagt Mantelis. Nun überlegen die Betreiber sogar, „einen Kredit aufzunehmen“, so David Klein.

Achilleas Mantelis und David Klein wollen weiter kämpfen

Sie wollen kämpfen, denn schließlich ist die Vereinsgaststätte mit dem rustikal modernen Ambiente und dem großen Biergarten für beide ein wahr gewordener Lebenstraum. Schon als kleines Kind war die Selbstständigkeit das Ziel vom heute 30-jährigen David Klein aus Stuttgart, der sich selbst als „Großstadtschwabe“ bezeichnet.

Und auch sein Geschäftspartner Achilleas Mantelis, der gelernter Augenoptiker ist, findet in der Gastronomie seine Bestimmung. Denn er sei „seit über zwanzig Jahren in der Gastronomie tätig“, sagt der 47-Jährige. Noch bevor er das Burgstüble übernommen hat, sei er Angestellter im Restaurant gewesen. Die Wege der beiden Betreiber kreuzten sich 2011 in einem Ludwigsburger Restaurant, in dem beide beschäftigt waren.

Ein weiterer Corona-Herbst wäre „das Todesurteil“ für „’s Burgstüble“

Nun heißt es: abwarten. „Wir hoffen auf bessere Zeiten“, sagt Mantelis. Das größte Problem sei aber die Ungewissheit. „Wir wissen nicht, worauf wir hinarbeiten“, so David Klein. „Es gibt kein Datum oder Ziel.“ Doch geben die Betreiber die Hoffnung nicht auf: „Wir glauben an den Sommer, wenn die Temperaturen wieder steigen“, so Klein.

Schließlich wollen sie auch ihren Mitarbeitern, zurzeit vier Festangestellte und acht Aushilfen, eine gewisse Sicherheit bieten. Sollte jedoch noch einmal ein Herbst wie in den vergangenen zwei Jahren kommen, sehen die Gastronomen für die Zukunft schwarz. „Wird es wieder so ein Herbst, wäre das für uns ein Todesurteil“, sagt Mantelis. „Zumindest, wenn bis dahin keine Maßnahmen getroffen werden.“

Den Gastronomen juckt es in den Fingern. „Wir wollen unser gastronomisches Angebot der breiten Bevölkerung anbieten und nicht nur eine bestimmte Gruppe bewirten“, sagt Klein. Auch von dem Beruf des Gastwirts bleibe in Pandemie-Zeiten nicht mehr viel übrig. Gäste versorgen, begrüßen, miteinander sprechen – das alles falle weg. „Wir wollen arbeiten und keine Fördermittel beziehen“, sagt Achilleas Mantelis. Was sich die beiden Gastronomen für die Zukunft wünschen? „Dass Corona wieder ein Bier wird.“

„Wenn wir nicht leidensfähig und stresserprobt wären, wären wir keine Gastronomen“, sagt Achilleas Mantelis. Gemeinsam mit David Klein führt er die Vereinsgaststätte „’s Burgstüble“ in Stetten. Übernommen haben die beiden Männer das Restaurant im Februar 2018.

Seitdem ist einiges passiert. Die Corona-Pandemie kam und stellte die Betreiber vor neue Herausforderungen. Aktuell gilt im Burgstüble – wie in der gesamten Gastronomie in Baden-Württemberg – die 2G-plus-Regelung,

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