Kernen

Der erste legale Mountainbike-Trail in Kernen soll nur der erste von vielen sein

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Auch die Allerjüngsten können auf dem Katzenkopf-Trail schon Spaß haben. © Benjamin Büttner

Wo bis vor einem Jahr Mountainbiker eine Waldschneise in eine kerzengerade Downhill-Strecke verwandelt hatten, zieht sich nun ein neuer Trail in vielen Kurven den Katzenkopf über Stetten hinab. Die knapp eineinhalb Kilometer lange Strecke soll für Mountainbiker jedes Alters und Könnensgrads befahrbar sein. Und im Gegensatz zu allen anderen Waldtrails im Rems-Murr-Kreis ist Fahrradfahren hier nicht nur ausdrücklich erlaubt, sondern sogar gewünscht. Die Strecke soll im Kreis noch viele Nachahmer finden, hoffen Mountainbiker und Kreisverwaltung.

Alle anderen Trails sind illegal

In Baden-Württemberg gibt es für Mountainbiker nämlich die sogenannte Zwei-Meter-Regel: Nach Paragraf 37, Absatz drei des Landeswaldgesetzes (LWaldG) ist im Wald das Radfahren auf „Wegen unter 2 m Breite“ ausdrücklich verboten, auch wenn diese als Wanderwege ausgewiesen sind. Mountainbiker müssten also theoretisch auf den breiten Kieswegen bleiben, sämtliche im Kreis vorhandene Trails – also nicht befestigte Trampelpfade, die nicht selten eigens von Fahrradfahrern quer durch ein Waldgebiet angelegt wurden – sind somit illegal.

Weil die Fahrradfahrer diese inoffiziellen Pfade trotzdem weiter nutzen, oft wohl ohne zu wissen, dass es verboten ist, genießen die Freizeitsportler bei vielen Naturschützern, Jägern und Förstern keinen guten Ruf: Die Pfade verlaufen unter Umständen durch die ohnehin immer kleiner werdenden Rückzugsgebiete der beheimateten Wildtiere, drängen diese immer weiter zurück.

Naturschützer, Forstamt und Wanderer waren beteiligt

Gerade dieser Aspekt macht den am Mittwochabend eröffneten „Katzenkopf-Trail“ zu etwas so Besonderem: Um ihn zu entwerfen, haben sich Vertreter des Rems-Murr-Teils der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB), des Mountainbike-Vereins Stuttgart, des Schwäbischen Albvereins, des Forstamts, des Landkreises und der Gemeinde Kernen sowie Naturschützer, Jäger und Förster an einen Runden Tisch gesetzt.

Der Auftakt für den Runden Tisch habe vor rund einem Jahr unter strengen Corona-Beschränkungen und bei strömendem Regen stattgefunden, erinnert sich Landrat Richard Sigel. Dass es nach dieser Veranstaltung dann tatsächlich produktiv weitergegangen sei, grenze deswegen schon fast an ein Wunder, witzelt er. Jetzt ist die Strecke fertig, von den beteiligten Mountainbikern und Ulrich Häußermann, Leiter des Projekts „Mountainbike“ im Forstamt, sorgfältig aus Naturmaterialien wie Erde und unbearbeitetem Holz angelegt.

Radverkehr im Wald steuern

Der Kreis und die Gemeinde Kernen versprechen sich von dem neuen Trail und den weiteren forstrechtlich genehmigten und von der Zwei-Meter-Regel ausgenommenen Strecken, die im Kreis hoffentlich schon bald ausgewiesen werden können, dass sich so der Radverkehr in den Waldgebieten lenken lässt. Illegale Strecken im gleichen Waldgebiet sollen dann konsequent geschlossen werden können. Dann kann sich die Natur diese Gebiete wieder zurückerobern.

Die Mountainbiker freuen sich, dass mit dem neuen Trail der erste Schritt „raus aus der Illegalität“ geschafft ist. „Mit dem Bau hier haben wir auch die Jugendlichen abgeholt“, sagt Patrick Ortwein, Erster Sprecher der DIMB IG Rems-Murr. Eines ihrer jungen Mitglieder fahre wettbewerbsmäßig Rennen und habe die fertige Strecke ausdrücklich gelobt. Gerade für die Kinder und Jugendlichen seien zugelassene Trails so wichtig, sagt Janet Weick, Zweite Sprecherin der DIMB IG Rems-Murr. Mit ihren jungen Kindern fahre sie grundsätzlich keine inoffiziellen Strecken, da man die Kinder in dieser Hinsicht schließlich sensibilisieren und erziehen müsse. „Angebote statt Verbote“ sei hier die Devise.

Andere Kommunen sollen nachziehen

„Es ist ein Kompromiss, und ein Kompromiss ist nichts Schlechtes“, so Bürgermeister Benedikt Paulowitsch bei der Eröffnung am Mittwochabend. Er übergibt die Patenschaft für die neue Strecke an Steffen Rosskopf, Mitglied der Ortsgruppe Fellbach-Kernen des Mountainbike-Vereins Stuttgart. Rosskopf ist von nun an der offizielle Ansprechpartner für alle Belange rund um den Katzenkopf-Trail. „Ich hoffe sehr, dass dieser Trail ein Vorbild sein wird.“ Ein Vorbild, dem andere Kommunen im Kreis folgen werden, und ein Vorbild dafür, wie alle Interessensgruppen im Wald miteinander auskommen können. Auf dem neuen Weg darf nämlich natürlich auch gewandert und gejoggt werden, auch wenn es kein ausgewiesener Wanderweg ist. Radfahrer müssen Rücksicht nehmen. Eines dürfe man aber nie vergessen: „Der Wald gehört eben auch sich selbst“, so der Bürgermeister.

Deshalb sei es eben so wichtig, in die Fläche zu gehen: Die zugelassenen Trails müssen sich über den ganzen Kreis verteilen, könnten sich unmöglich auf ein Waldgebiet konzentrieren, fordert Ulrich Häußermann vom Forstamt. Deshalb hofft er, dass es auf der Gemarkung benachbarter Kommunen auch bald losgehen kann: In Fellbach werde bald im Stadtrat darüber beraten, auch in Winnenden laufen schon Vorbereitungen, der Weinstädter Bürgermeister habe sich auch schon interessiert gezeigt.

Wo bis vor einem Jahr Mountainbiker eine Waldschneise in eine kerzengerade Downhill-Strecke verwandelt hatten, zieht sich nun ein neuer Trail in vielen Kurven den Katzenkopf über Stetten hinab. Die knapp eineinhalb Kilometer lange Strecke soll für Mountainbiker jedes Alters und Könnensgrads befahrbar sein. Und im Gegensatz zu allen anderen Waldtrails im Rems-Murr-Kreis ist Fahrradfahren hier nicht nur ausdrücklich erlaubt, sondern sogar gewünscht. Die Strecke soll im Kreis noch viele

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