Kernen

Ein Imbiss für Rommelshausen: Wie der Fairplay-Wirt seine Gaststätte über den Winter retten will

Imbiss Fairplay
Sportgaststätten-Wirt Ralf Kobald in seinem neuen Imbiss-Wagen vor dem Fairplay in Rommelshausen. © Alexandra Palmizi

Der Grillwagen glänzt in frischer schwarzer Folierung, das Logo der Sportgaststätte Fairplay prangt in flammenden Farben auf den Seiten. Auch im neuen Innenleben setzt sich das Feuer-Motto fort: Der Boden und die Rückwand sind mit entsprechendem Foto-Druck gestaltet. „Es soll schließlich auch nach was aussehen“, findet Betreiber Ralf Kobald. Der Wirt des Fairplays hat den Wagen in wochenlanger Handarbeit selbst umgebaut. Für ihn hängt die Zukunft seiner Gaststätte in der Kelterstraße von diesem Imbiss-Wagen ab.

Zunächst scheint es mutig, gerade jetzt in der Corona-Krise als Gastronom so eine Investition zu wagen. Doch der Fairplay-Wirt hat dafür sehr gute Gründe. „Wir haben sehr großes Glück mit unserem Standort hier, weil wir so eine große Terrasse haben“, sagt Ralf Kobald. Im Sommer nach dem ersten Lockdown sei das sehr hilfreich gewesen: „Die Leute, die bei uns reserviert haben, wollten gezielt nach draußen“, erzählt er. Sei das Wetter schlecht geworden, hätten die meisten lieber abgesagt, als drinnen zu sitzen. „Als wir das beobachtet haben, wurde uns klar: Da müssen wir für den Winter etwas tun.“

Idee: Wintergarten mit Heizpilzen und Grill-Hütte

Es sind sechs lange, kalte Monate – von Oktober bis März –, die die Gastwirte dieses Jahr wegen Corona irgendwie überbrücken müssen. Wie viel Zeit sie davon überhaupt den Gastraum geöffnet haben dürfen, steht aber noch in den Sternen. Das sei ihm schon klar gewesen, bevor der momentane Teil-Lockdown angekündigt wurde, so Ralf Kobald. Seine ursprüngliche Idee war es, die Sportgaststätten-Terrasse in einen Art Wintergarten zu verwandeln: „Das Segeltuch-Dach bleibt diesen Winter aufgespannt. An den Seiten würde ich mit Planen einen zwei Meter hohen Windschutz anbringen, darüber kann die Luft dann immer noch gut zirkulieren“, führt der Wirt seine Pläne aus. Und zwischen den Tischen dann Heizpilze und Heizstrahler, wie in manchen Zelten auf dem Weihnachtsmarkt. Eine Ausschankhütte ist auch schon vorhanden, die Toiletten sind von außen zugänglich. „Es fehlte nur noch eine Grillhütte, die wir in den Wintergarten integriert hätten“ – und da kommt der neue Imbiss-Wagen ins Spiel.

Viel kosten durfte die Grillhütte eigentlich nicht: Mit Einnahmen ist es dieses Jahr wegen Corona nicht weit her – Terrasse hin oder her: „Wir durften ja nur die Hälfte der Tische besetzen.“ Trotzdem ist der Wirt nach langem Nachdenken zu dem Schluss gekommen: Die Investition ist notwendig, auch wenn er dafür noch mehr seiner Rücklagen aufwenden muss. „2020 geht es nicht ums Geldverdienen, sondern ums Überleben“, stellt der Gastronom nüchtern fest.

Ralf Kobald hat schließlich einen Schausteller gefunden, der ihm einen alten Imbiss-Wagen preiswert verkauft hat. Kobald zeigt Bilder auf seinem Smartphone, wie der Anhänger vor der Renovierung aussah: Etwas heruntergekommen, schmutzig-beige lackiert, ein quietschbunter „Leckereien“-Schriftzug außen drauf und innen veraltete und reichlich abgenutzte Geräte und Oberflächen.

Sechs Wochen harte Arbeit am Wagen

„Wir haben den Wagen dann in siebenwöchiger Arbeit komplett ausgeschlachtet und alles neu gemacht“, erzählt der Wirt. Er, seine Frau und das Team der Sportgaststätte haben dafür in Mittagspausen und abends nach Feierabend tatkräftig zusammen geholfen – besonders praktisch war es, dass der Koch ursprünglich einmal Elektriker gelernt hat. So konnten sie fast alles am Umbau selbst erledigen: Nur für die neue Folierung, den Schriftzug und ein paar neue Stoßdämpfer musste der Wagen in eine Werkstatt.

Genau zwei Tage vor dem Teil-Lockdown war das Fairplay-Team fertig mit allem: Aus den Wintergarten-Plänen wird zwar vorerst nichts, aber seit vergangenem Montag steht der Imbisswagen vorn an der Straße vor der Gaststätte und versorgt Hungrige mit Hamburgern, Currywurst, roter Wurst, Gullasch-Suppe und anderen warmen Leckereien. Am Wochenende, wenn die Gaststätte genug Kapazitäten hat, um eine zweite Person im Wagen zu beschäftigen, gibt es sogar Crêpes.

Das Angebot wird gut angenommen: „Es läuft gut, es läuft sogar super“, freut sich Ralf Kobald. In der Mittagspausenzeit herrscht vor dem Imbiss jetzt schon Hochbetrieb. Deshalb plant der Betreiber jeden Tag eine ganze Stunde Vorlauf vor der eigentlichen Öffnungszeit um 12 Uhr ein: „Ich bereite alles gründlich vor, um spätestens halb zwölf ist der Grill voll.“ Schließlich sei nichts blöder als ein Imbiss-Wagen, bei dem man ewig anstehen muss. Vor allem jetzt in Corona-Zeiten.

Optimistisch trotz Teil-Lockdowns

Er habe dieses Jahr eine Menge Glück gehabt: Die wenigsten seiner Branchen-Kollegen haben so viel Platz wie er oder eine Gemeinde im Rücken, die neuen Ideen so wohlwollend gegenübersteht, wie er das in Kernen erlebt hat, glaubt Ralf Kobald. „Auch unsere Kunden unterstützen uns toll.“ Am ersten Öffnungstag habe er am Imbiss bereits einige alte Bekannte bedienen dürfen. Das freut ihn natürlich ganz besonders.

So schwierig das Jahr 2020 auch für die Gastronomie ist: Er hat es verhältnismäßig gut erwischt, findet der Wirt. Der Imbiss-Wagen wird ihn und seine Mitarbeiter durch den Winter bringen, hofft er. Auch nach Corona wird der Wagen nicht beim alten Eisen landen: „Der wird zur Institution werden, glaube ich.“ Im Zweifelsfall kann er die gut ausgerüstete Grill-Küche auf Rädern immer noch vermieten. Auf kurz oder lang wird sich seine Corona-Investition also rechnen.

Der Grillwagen glänzt in frischer schwarzer Folierung, das Logo der Sportgaststätte Fairplay prangt in flammenden Farben auf den Seiten. Auch im neuen Innenleben setzt sich das Feuer-Motto fort: Der Boden und die Rückwand sind mit entsprechendem Foto-Druck gestaltet. „Es soll schließlich auch nach was aussehen“, findet Betreiber Ralf Kobald. Der Wirt des Fairplays hat den Wagen in wochenlanger Handarbeit selbst umgebaut. Für ihn hängt die Zukunft seiner Gaststätte in der Kelterstraße von

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