Kernen

"Eine Generation Nichtschwimmer": DLRG Kernen warnt vor Hallenbad-Schließung

DLRG Kernen
Britta Bartle (54) ist Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Kernen. © Gabriel Habermann

Werden die Hallenbäder wegen der Energiekrise im Winter schließen? Und welche Rolle spielt Corona in den nächsten Monaten? Diese Fragen beschäftigen zurzeit die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Kernen. „Schließt das Hallenbad noch einmal über einen längeren Zeitraum, wird es eine ganze Generation von Nichtschwimmern geben“, sind sich Britta Bartle (54) und Kirstin Franke (29) von der DLRG-Ortsgruppe Kernen einig.

Die beiden Frauen sitzen in der Eingangshalle des Römer Bads in Rommelshausen. Am Vormittag hat dort der erste Tag des Intensivkurses für 19 Kinder stattgefunden. In zehn Tagen zum Seepferdchen, so lautet das Motto. „Auch wenn die wenigsten das Seepferdchen schaffen“, so Vorsitzende Britta Bartle, „werden im Kurs die Grundkenntnisse zum Schwimmen und Tauchen vermittelt.“

Längste Schließzeit des Hallenbads während Corona dauerte sieben Monate

Die Entscheidung darüber, ob die Hallenbäder wegen der hohen Energiekosten geschlossen werden müssen, steht noch aus. Ist das Schwimmen im Bad nicht möglich, kann die DLRG-Ortsgruppe keine Kurse anbieten. Diese Situation gab es bereits während der Corona-Pandemie.

„Die längste Schließzeit war sieben Monate“, sagt Kirstin Franke. Sie leitet den Ausbildungsbereich der DLRG in Kernen. Während der Pandemie seien die Wartelisten für Schwimmkurse immer länger geworden. „Wenn es keine Schwimmer gibt, gibt es auch weniger Rettungsschwimmer“, sagt Britta Bartle. Ihre Vereinskollegin Kirstin Franke ergänzt: „Und wir haben in diesem Sommer schon gesehen, dass so gut wie überall Personal fehlte.“ In der Konsequenz würde das bedeuten: „Keine Schwimmer, keine Rettungsschwimmer, keine offenen Bäder“, zählt Britta Bartle auf.

Hohe Nachfrage bei den Intensivkursen

Der Intensivkurs für Kinder entpuppt sich als Selbstläufer. Die Idee dafür sei vor zwei Jahren entstanden, so Kirstin Franke. „Jetzt findet er zum dritten Mal statt.“ Mit dem zusätzlichen Angebot in den Ferien wolle man die Wartelisten abarbeiten und so vielen Kindern wie möglich das Schwimmen beibringen.

Dabei setzt der DLRG auf einen möglichst hohen Betreuungsschlüssel. Vor den Ferien habe es noch eine Zwei-zu-eins-Betreuung gegeben, sagt DLRG-Mitglied Annika Bartle. Im derzeitigen Kurs liegt die Anzahl der Betreuer zwischen sechs und sieben Personen. Dabei gilt es, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder einzugehen. „Manche finden es ganz toll und sind sofort mit dabei, andere klammern sich noch am Beckenrand oder an der Hand der Betreuer fest“, sagt Britta Bartle.

Der Intensivkurs sorge allerdings dafür, dass die Kinder ihre Ängste gegenüber dem Wasser verlieren. Es sei ein Unterschied, ob man einmal in der Woche oder jeden Tag ins Hallenbad gehe, so die Vorsitzende. Die ersten Erfolgserlebnisse gibt es bereits nach der ersten Schwimmstunde. „Mama, ich kann jetzt tauchen“, ruft ein Junge seiner Mutter entgegen. Es sind aber nicht immer nur Kinder, die schwimmen lernen wollen. Über einen Kontakt in der Gemeinde habe die Vorsitzende eine Anfrage von einer erwachsenen Person erhalten, die das Schwimmen erlernen wollte. So sei ein spontaner Kurs für Erwachsene entstanden, sagt Britta Bartle. „Wie das in der Zukunft weitergeht, müssen wir in der nächsten Vorstandssitzung besprechen.“

Interesse am Rettungsschwimmen ist bei vielen Jugendlichen vorhanden

Aktuell hat die DLRG-Ortsgruppe Kernen genau 300 Mitglieder – darunter viele Kinder und Jugendliche. An einem Trainingstag im Römer Bad schleusen die Verantwortlichen in dem Zeitraum von 16.45 bis 21.30 Uhr um die 150 Personen durch. Auch am Training ist das Interesse groß und die Wartelisten dementsprechend lang. „Wir haben aber nun mal vier Bahnen im Bad“, so Bartle. Die Ortsgruppe wolle sich außerdem auf den Rettungssport fokussieren. „Da sind wir stolz darauf, was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben“, sagt Kirstin Franke.

Für den Landeswettbewerb habe sich ein Mitglied aus Kernen qualifiziert. Zudem besteht noch die Hoffnung, dass zwei Mannschaften in den Wettbewerb nachrücken können. „Beim Rettungssport sind neben dem Schwimmen Elemente aus dem Rettungswesen enthalten“, erklärt die 29-Jährige. Das bedeute, dass ein Schwimmer beispielsweise eine Strecke im Wasser mit einer Puppe zurücklegen müsse. Damit die Ortsgruppe aus Kernen weiterhin Chancen auf die Teilnahme an Wettbewerben hat, müssen die Mitglieder regelmäßig trainieren. „Einmal in der Woche reicht da nicht aus“, sagt Kirstin Franke.

Neben den Schwimmkursen werden die Mitglieder zu Rettungsschwimmern ausgebildet, die dann auch zur Schwimmaufsicht eingesetzt werden. So war Annika Bartle zwei Wochen lang an der Ostsee zur Aufsicht eingesetzt. „Die lokalen Ortsgruppen können gar nicht genügend Personal stellen“, sagt die 20-Jährige. Nur bei der Badeaufsicht - wie beispielsweise im Hallenbad – bekommen die Mitglieder einen kleinen Obolus. „Wir machen das ehrenamtlich und aus Überzeugung“, sagt die DLRG-Vorsitzende Britta Bartle.

Der Verein benötigt für die Zukunft mindestens drei Haupttrainer

In Sachen Mitglieder will sich der Verein auch für die Zukunft rüsten. Aktuell gibt es 14 Haupttrainer. „Für die Zukunft bräuchten wir noch drei weitere Haupttrainer, dann wären wir gut aufgestellt“, sagt die 54-Jährige. Problematisch könne es nur werden, wenn Trainer ausfallen. Alles in allem gibt es in Kernen aber „einen guten Trainingsbetrieb“.

Werden die Hallenbäder wegen der Energiekrise im Winter schließen? Und welche Rolle spielt Corona in den nächsten Monaten? Diese Fragen beschäftigen zurzeit die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Kernen. „Schließt das Hallenbad noch einmal über einen längeren Zeitraum, wird es eine ganze Generation von Nichtschwimmern geben“, sind sich Britta Bartle (54) und Kirstin Franke (29) von der DLRG-Ortsgruppe Kernen einig.

Die beiden Frauen sitzen in der Eingangshalle des Römer

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