Kernen

"Eine Zumutung“: Post in Kernen-Stetten bis zum 30. Mai geschlossen

PostStetten
Die Postfiliale in der Seedammstraße soll bis zum 30. Mai geschlossen bleiben. © Gaby Schneider

Selina Henrich ist auf dem Weg zur Postfiliale in Stetten. Sie will dort ein Paket abgeben – steht aber wie viele Stettener vor verschlossener Tür. Seit dem 29. März ist die Post in der Seedammstraße „aufgrund unvorhergesehener Personalausfälle geschlossen“, sagt eine Pressesprecherin der Deutschen Post.

Es kommt noch dicker: Die Filiale solle bis zum 30. Mai geschlossen bleiben, so die Sprecherin. Das bedeutet: Acht Wochen lang können in Stetten keine Postgeschäfte erledigt werden. Und das, obwohl die Post erst seit Mitte Januar in den Räumen der ehemaligen Kreissparkasse geöffnet hat – und bereits im März zeitweise geschlossen hatte.

Selina Henrich: "Es ist blöd, aber man kann es nicht ändern"

„Ich wollte die Post heute zum ersten Mal nutzen“, sagt Selina Henrich. Seit vier Jahren wohnt die 28-Jährige nun in Stetten. Sie habe sich daran gewöhnt, zur Post nach Rommelshausen zu fahren oder dort die Paketstation zu nutzen. Auch der Container, in dem die Post in Stetten von März 2020 bis Anfang 2022 provisorisch angesiedelt war, sei keine Lösung gewesen – insbesondere mit den „speziellen“ Öffnungszeiten: „Wir waren immer dort, wenn die Post geschlossen hatte.“ Dass die Filiale in Stetten nun so lange zubleibt, nimmt die Stettenerin gelassen. „Es ist blöd, man kann es nicht ändern.“

Auch eine 79-jährige Stettenerin zuckt nur mit den Schultern. Die Schließung mache ihr nichts aus. „Ich kaufe meine Briefmarken immer auf Vorrat“, sagt sie. Dann könne sie trotzdem Briefe und Karten schreiben und sie in den Briefkasten einwerfen.

Deutsche Post sucht nach Mitarbeitern für die Filiale in Stetten

Eine Lösung für die Postfiliale in Stetten ist noch nicht in Sicht. Derzeit sei die Deutsche Post auf der Suche nach geeignetem Personal für den Standort, so die Pressesprecherin. Die Sendungen, die bereits in der Filiale zur Abholung bereitlagen, wurden erneut in die Zustellung gegeben, so die Post. „Für die entstandenen Umstände bitten wir um Entschuldigung“, heißt es seitens des Konzerns.

Das Kernener Rathaus äußert einerseits Bedauern, andererseits aber auch Verständnis für die derzeitige Lage. „Natürlich bedauern wir, dass die Filiale derzeit geschlossen hat“, sagt Bürgermeister Benedikt Paulowitsch. „Jedoch sehen wir mit Blick auf zahlreiche Krankheitsausfälle in Betrieben oder auch im Rathaus, dass die Personalsituation derzeit fast überall sehr angespannt ist.“

Verständnis für einen kurzfristigen Personalengpass zeigt auch Hans-Peter Kirgis, Fraktionsvorsitzender der SPD im Kernener Gemeinderat. Dass die Filiale aber zwei Monate geschlossen bleiben soll, findet Kirgis nicht in Ordnung. Auch er habe vor verschlossener Tür gestanden. Eine Filiale mit zuverlässigen Öffnungszeiten, „so viel Service kann man von der Post erwarten“, sagt er. Gerade für ältere Menschen sei es nicht zumutbar, gar mit dem Bus für die Postgeschäfte nach Rommelshausen fahren zu müssen. „Mit dem Fahrrad oder Auto geht das, mit dem Bus ist es eine Zumutung“, sagt Hans-Peter Kirgis.

Ist die vollautomatische Poststation die Lösung für Stetten?

Die monatelange Schließung der Filiale sieht auch Hans Dietzel als „großes Ärgernis“. Der Fraktionsvorsitzende der UFW im Kernener Gemeinderat erfährt aus seinem Umfeld: „Die Leute sind ordentlich genervt.“ Dietzel sieht auch einen Handlungsbedarf seitens der Verwaltung.

„Die Gemeinde sollte jetzt aktiv werden“, sagt Dietzel. Außerdem fordere er eine rechtliche Überprüfung der aktuellen Umstände der Stettener Postfiliale. Das Dauerbrenner-Thema Post scheint in Stetten kein Ende zu nehmen.

Könnte nun die vollautomatische Poststation Abhilfe schaffen? In seiner Neujahrsrede 2021 hat Bürgermeister Benedikt Paulowitsch eine „zukunftsfähige“ Lösung angekündigt. Die Poststation würde die Postfiliale in der Seedammstraße erweitern. „Wir hoffen im Sinne der Bürgerschaft auf die baldige Umsetzung der vorgesehenen technischen Erweiterungslösung“, sagt die Gemeinde Kernen nun. Der Vorteil: „Damit wären Postdienstleistungen in Stetten rund um die Uhr möglich“, so die Gemeinde.

Der Nachteil: Kommen auch ältere Menschen damit zurecht? Diese Frage stellt sich auch Hans-Peter Kirgis. Er sei durchaus offen für Neues, plädiere aber sowohl für eine Filiale als auch eine Poststation für Stetten. „Gerade ältere Menschen sind auf eine Post im Ort angewiesen“, sagt er.

Selina Henrich ist auf dem Weg zur Postfiliale in Stetten. Sie will dort ein Paket abgeben – steht aber wie viele Stettener vor verschlossener Tür. Seit dem 29. März ist die Post in der Seedammstraße „aufgrund unvorhergesehener Personalausfälle geschlossen“, sagt eine Pressesprecherin der Deutschen Post.

Es kommt noch dicker: Die Filiale solle bis zum 30. Mai geschlossen bleiben, so die Sprecherin. Das bedeutet: Acht Wochen lang können in Stetten keine Postgeschäfte erledigt werden.

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