Kernen

Einweihung der Aussichtsplattform im Harthau

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Viele Gäste waren bei der Einweihung der Aussichtsplattform und der Sonnwendfeier des Deutschen Alpenvereins anwesend. © Ralph Steinemann Pressefoto
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Ausichtspunkt Harthau.pdf © VLP

Kernen. Es ist vollbracht: Kernen hat sein erstes Gartenschau-Projekt! Die Aussichts-Plattform am Harthau, geplant, so wie andere Gartenschau-Bauten, von Peter Cheret. Und der zeigte sich mit Schultes Stefan Altenberger und Beigeordnetem Horst Schaal bei der Einweihung begeistert von der „Chaiselongue in der Landschaft“, die manchen Kritiker überzeugen konnte.

Zuvorderst all die vielen Besucher der Sonnwendfeier, die auf dem Beton der Plattform wie selbstverständlich Platz nahmen. Dort werden, ebenso wie an der jüngst kritisierten Albvereinsbank bereits geschehen, noch Holzbohlen angebracht, um das Sitzen bequemer zu machen und den Ort optisch aufzuwerten.

Ein "gottgesegneter schöner Ort"

Aber schon im vorläufigen Zustand wurde die Plattform bei ihrer Einweihung als Hocketse-Fläche und „genau so genutzt, wie wir uns das gedacht haben“, so der euphorische Architekt, der von einem „gottgesegnet schönen Ort“ sprach.

Professor Cheret findet, dass Feuer etwas Archaisches, Kultisches sei, das nicht einfach nur „ein Loch in der Wiese“ hinterlassen dürfe, sondern auf einen Sockel gehöre, dass es eine Aura verdiene, Form und Fassung, Strenge und Geometrie benötige. Und wenn dazu dann noch das Volk sich einfindet und den hehren Ort ohne Hemmungen in Beschlag nimmt – perfekt!

"Der Ort soll erwandert werden"

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass das Projekt nachhaltig sei, auch nach der Gartenschau noch was hermache. Und fehlende Parkplätze, wie Kritiker anmerkten? „Wollen wir hier nicht. Der Ort soll erwandert oder erradelt werden.“

Beigeordneter Schaal reihte die Plattform, die eine Art Bogen vom Korber Kopf bis nach Kernen schaffe, in die vielen anderen Kernener Gartenschau-Projekte ein. „Mit dem Schwerpunkt Stetten, aber auch Rom hat einiges in petto“, etwa den Bike-Tower, der gerade diskutiert werde, oder die mit Spielplatz und Willkommensgarten aufgewertete Tulpenstraße, oder das stilisierte Wengerter-Häusle 300 Meter weiter oben, beim Dichterblick, um den sich derzeit 16 Architekturbüros im Wettbewerb ihre Gedanken machen: „Besuchen Sie die nächste Gemeinderatssitzung, da wird das diskutiert.“

Musikalischen Begleitung der Eberhard-Nowack-Combo

Auch die Restaurierung und „Trockenlegung“ der Yburg kommt mit Römer Manpower zustande, Albvereins-Chef Hermann Ritter wird diese besorgen, übrigens mit Zuschüssen von der Region Stuttgart.

Auch Ritter, als Vorsitzender der DAV-Sektion Rems-Murr, ließ sich letztlich von der neuen Harthau-Plattform begeistern. „Der Platz ist sehr würdig geworden. Und die Plattform bringt uns zudem ein höheres Feuer als früher, das man im Umkreis noch weiter sehen kann.“

Auch wenn ihm ein Pyramidenstumpf unter der jetzt 1,25 Meter hohen Feuerstelle noch lieber gewesen wäre. Doch als zur musikalischen Begleitung der Eberhard-Nowack-Combo aus Kernen die Gäste das „Tiroler Heimatlied“ anstimmten, huldigten am Harthau so ziemlich alle der Schönheit und Würde eines „genius loci“, der durch die neue Architektur ganz gewiss nicht verliert.

Wegen Brandgefahr ersetzten Fackeln das Sonnewendfeuer

Ein „gottgesegnet schöner Ort“, wie Architekt Cheret schwärmte, war der Harthau freilich schon immer, weswegen der Alpenverein dort stets sein traditionelles Sonnwendfeuer abbrannte. Der Blick runter ins Remstal, der nahe Wald – gefährlich nahe, wegen des Brandschutzes. Von jeher verteuerten die Auflagen das Fest.

Am Samstag deutete sich eine Lösung an: Nachdem schon am Freitag von Ritter, dem Förster und der Feuerwehr, gegen den Willen des Bürgermeisters, beschlossen wurde, das Feuer diesmal wegen erhöhter Waldbrandgefahr – Stufe 5 – ebenso zu verbieten wie auch beispielsweise jedes Grillen, kamen statt des zentralen Feuers zwölf Fackeln zum Einsatz.

Die Feuerwehr, beim Sonnwendfeuer immer präsent, legte eine zusätzliche B-Leitung, für den Ernstfall war also vorgesorgt. Und dann hatte die Albvereins-Jugend die Idee mit den Strahlern. Sobald die Fackeln fast abgebrannt waren, beleuchtete sie den Schauplatz mit Hilfe der Elektronik in allen Regenbogenfarben – für Ritter ein grandioser Eindruck, ein „Lichtspektakel“, das auch in Zukunft die Probleme mit dem Brandschutz lösen könnte. Technik als Lösung, selbst bei Sonnwendfeuern ...

Schade, aber korrekt

Auch Bürgermeister Stefan Altenberger war am Ende zufrieden, obwohl das von ihm so sehr gewünschte Feuer diesmal nicht brannte. „Das gehört für mich einfach dazu.“ Doch natürlich sei das Verbot „eigentlich korrekt“, wegen der Brandgefahr. Am Ende zeigte sich der Schultes dann doch angetan von den zwölf Fackeln und vor allem den Beleuchtungsstrahlern, die womöglich auf dem Harthau eine Zukunft haben.