Kernen

Erster Hauptamtlicher für die Feuerwehr: Die Gemeinde Kernen schafft eine neue Stelle

Kühlmittel ausgelaufen
Damit die Freiwillige Feuerwehr in Zukunft noch effektiver arbeiten kann, bekommt sie bald einen hauptberuflichen Gerätewart. © Benjamin Beytekin

Bei der öffentlichen Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag fiel sofort auf, dass etwas anders war als sonst: Ungewöhnlich viele Mitglieder der Feuerwehr saßen im Publikum. Grund dafür war einer der Tagesordnungspunkte. Der Gemeinderat stimmte in dieser Sitzung darüber ab, ob die Gemeinde eine neue Stelle schaffen sollte – und zwar für einen fest angestellten Feuerwehr-Gerätewart.

Andreas Wersch, Vorsitzender der CDU-Fraktion und Feuerwehr-Kommandant, nutzte die Gelegenheit, um die Arbeit seiner Truppe und vor allem die immer neu dazukommenden Herausforderungen dem Gremium kurz vorzustellen. „Allein dieses Jahr hatten wir 92 Alarmierungen“, berichtet Wersch. Die Feuerwehr Kernen ist keine Berufsfeuerwehr: Die Freiwilligen übernehmen ihre wichtige Aufgabe ehrenamtlich und üben eigentlich andere Berufe aus. Die Entwicklung gehe dahin, dass die Leute nicht mehr unbedingt zu Hause in Kernen arbeiten, sondern weiters weg. „Im Alarmfall sind viele deshalb zu weit weg, um rechtzeitig zu reagieren“, so der Kommandant.

Das Ehrenamt wird immer zeitaufwendiger

„Dabei muss einem immer klar sein: Die Einsätze unterscheiden sich nicht bei der Freiwilligen und der Berufsfeuerwehr“, sagte Andreas Wersch. In den vergangenen Jahren seien immer neue Aufgaben hinzugekommen, mit denen sich die Feuerwehr befassen muss: „Wir haben insgesamt deutlich mehr Aufwand als früher.“

Um bestimmte Geräte bedienen zu dürfen, müssten zum Beispiel heutzutage oft Zertifikate erworben werden. Dafür seien nicht selten auch längere Lehrgänge erforderlich, für die die Ehrenamtlichen nur schwer Zeit aufbringen können. Für diese Aufgaben sowie die Instandhaltung der gesamten Ausrüstung soll in Zukunft eben der neue Gerätewart zuständig sein: Das würde besonders den Kommandanten sehr entlasten. „Wenn etwas ist, hält nämlich immer der Kommandant den Kopf hin“, erklärt Wersch.

Mehr Sicherheit bei den Einsätzen

Er kenne einen Kollegen, der mehrere Jahre lang in einen Rechtsstreit verwickelt gewesen sei, weil bei einem Einsatz ein Atemgerät nicht wie vorgesehen funktioniert habe. „Dabei war er selbst bei diesem Einsatz gar nicht vor Ort.“ So etwas müsse ja schließlich nicht sein. Wenn es in Kernen jemand gäbe, der sich hauptberuflich um die Ausrüstung kümmert und diese fachgerecht in Schuss hält, würde das für die Ehrenamtlichen auch mehr Sicherheit im Einsatz bedeuten.

Ganz konkret schlug die Verwaltung dem Gemeinderat die Schaffung einer Stelle für einen hauptamtlichen Gerätewart für die Feuerwehr mit einem Beschäftigungsumfang von 100 Prozent beziehungsweise 39 Wochenstunden vor. Auch die genauen Aufgaben und Kompetenzen des neuen Angestellten listet die Vorlage bereits auf: „Ein Gerätewart sollte die Befähigung zur Wartung, Instandhaltung, Pflege und Prüfung der Beladung von Feuerwehrfahrzeugen und der persönlichen Schutzausrüstung sowie die Befähigung zur Durchführung von Instandsetzungs- und Pflegearbeiten besitzen.“

Die neue Stelle war schon eingeplant

Überraschend kam diese Vorlage für den Gemeinderat nicht: In der Vergangenheit hat bereits eine Führung durchs Feuerwehrgerätehaus stattgefunden, an der Vertreter der meisten Fraktionen teilgenommen hatten. Dabei habe sich der Bedarf einer solchen Stelle deutlich gezeigt, erläuterte Bürgermeister Benedikt Paulowitsch am vergangenen Donnerstag.

Deshalb war die Stelle eines hauptamtlichen Gerätewartes für die Feuerwehr der Gemeinde Kernen bereits im Stellenplan des Haushaltsplanes 2020 enthalten, bevor der Gemeinderat darüber entschieden hatte. Gemeindeverwaltung und Gemeinderat hatten für das Haushaltsjahr 2020 jedoch eine Vereinbarung getroffen, nach der auch bei solchen Stellenneuschaffungen der Gemeinderat gesondert zustimmen muss.

Leise Kritik vom PFB

Im Gemeinderat stieß der Vorschlag auf viel Zustimmung: „Die OGL wird dem Vorschlag gerne zustimmen“, sagte zum Beispiel der Fraktionsvorsitzende Matthias Kramer. Ob die Feuerwehr oder die Verwaltung bei dieser Gelegenheit denn auch darüber nachgedacht hätten, ein gemeinsames Feuerwehr-Gerätehaus für Rommelshausen und Stetten zu planen?

Diese Idee fanden viele Gemeinderäte gut – zur Debatte steht das gemeinsame Feuerwehrhaus aber noch lange nicht. Vorsichtige Kritik an der Vorlage selbst kam am Donnerstag lediglich von Andreas Colosi (PFB): „Beim Thema Feuerwehr muss man ja aufpassen. Wie sagt man da immer: Lieber nichts Kritisches sagen, sonst wird das eigene Häusle nicht mehr gelöscht“, witzelte der Fraktionsvorsitzende. Was seiner Fraktion nicht gefällt: „Das ist jetzt die dritte neue Stelle in kurzer Zeit.“ Deshalb werde sich die PFB bei der Abstimmung enthalten. Auch wenn er selbst grundsätzlich nicht dagegen sei, einen fest angestellten Feuerwehr-Gerätewart einzustellen. Somit enthält sich seine Fraktion bei der folgenden Abstimmung: Der restliche Gemeinderat stimmt jedoch restlos für die neue Stelle.

Wann beginnt die Ausschreibung?

Wer der neue Gerätewart wird, ist noch nicht bekannt. „Die Gemeinde Kernen wird die Stelle im neuen Jahr ausschreiben“, informiert Pressesprecherin Susanne Herrmann auf Nachfrage. Bis jetzt habe sich noch niemand gemeldet, um sein Interesse an der neu geschaffenen Stelle zu bekunden. Wenn es dann Bewerber gebe, soll auch die Feuerwehr in die Entscheidung miteinbezogen werden.

Bei der öffentlichen Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag fiel sofort auf, dass etwas anders war als sonst: Ungewöhnlich viele Mitglieder der Feuerwehr saßen im Publikum. Grund dafür war einer der Tagesordnungspunkte. Der Gemeinderat stimmte in dieser Sitzung darüber ab, ob die Gemeinde eine neue Stelle schaffen sollte – und zwar für einen fest angestellten Feuerwehr-Gerätewart.

Andreas Wersch, Vorsitzender der CDU-Fraktion und Feuerwehr-Kommandant, nutzte die Gelegenheit, um

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