Kernen

Erwin Borck - seit 70 Jahren beim DRK

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Erwin Borck in seiner Wohnung: Der 81-Jährige treibt immer noch seinen eigenen Wengert um – und er hilft bei Blutspendeterminen mit. © Büttner/ZVW

Kernen-Stetten. Erwin Borck hat auch als Ruheständler mehrere Eisen im Feuer. Im Wengert erntet das Stettener Genossenschaftsmitglied bis heute Riesling und Gewürztraminer. Er gehört zur Stettener Alterswehr. Vor allem aber engagiert sich der 81-Jährige seit 70 Jahren als überzeugter Rot-Kreuzler. Noch heute hilft er bei Blutspende-Terminen im Ruhebereich. Dem DRK, für das er lange Jahre Erste-Hilfe-Kurse leitete, verdankt er aber das Wichtigste: Er lernte bei einer Schulung seine Frau Elfriede kennen.

Seit 70 Jahren ist Erwin Borck aktives Mitglied beim Roten Kreuz. Es begann im hohenlohischen Michelbach an der Bilz, wo die Familie nach dem Krieg, ohne Vater, der in russischer Kriegsgefangenschaft steckte, auf der Flucht aus dem Osten eine neue Bleibe gefunden hatte. Erwin Borck war 1936 in Paris in Bessarabien auf die Welt gekommen. Der Sehnsuchtsort der Familie, die 1940 ins besetzte Wartheland umgesiedelt war, hieß nach dem Krieg Strümpfelbach im Remstal. Dort lebte die Schwester von Erwin Borcks Mutter, Anna Idler, mit ihrem Mann Johann. Doch in Strümpfelbach angekommen, fehlte dort Wohnraum für Neuankömmlinge, und die Borcks zogen notgedrungen weiter nach Michelbach.

Erster Einsatz 1948

1946 hatte dort der Musiklehrer an der Heimlehrer-Oberschule zupackend einen DRK-Ortsverein gegründet, sein Sohn übernahm das örtliche Jugendrotkreuz. Für den jungen Erwin, der noch den hilfreichen Einsatz des Roten Kreuzes auf der Flucht in Erinnerung hatte, eine spannende, reizvolle Sache. „Die erste Rot-Kreuz-Übung in Schwäbisch Hall war 1948“, erzählt Borck. „Das Jugendrotkreuz sollte die Verletzten stellen. Das war mein erster Einsatz.“

Seit damals gehört der Stettener zur DRK-Familie. Er erlernte in der Hohenlohe das Schreiner- und Glaserhandwerk, eine nach dem Krieg gefragte Ausbildung, mit der er in Strümpfelbach, wo die Familie mit dem aus Russland heimgekehrten Vater 1957 ankam, sofort einen Job fand. Beim Vorstellungsgespräch in der Glaserei stellte Borck auch sein profundes Erste-Hilfe-Wissen unter Beweis. Er entdeckte in der Ecke einen K-50-Sanitätskasten mit Verbandsmaterial, in dem aus seiner Sicht etwas Wichtiges fehlte: die Polsterung der zwei Schienen. Das machte Eindruck.

Als Ausbilder unterwies er die Busfahrer von Dannenmann

In den 50ern zählte Stetten zusammen mit den heutigen Weinstädter Teilgemeinden als sogenannter „Remstalzug“ zum DRK- Ortsverein Waiblingen. Jeden Montag wurden abends im Café Baier in der Stettener Gartenstraße die Verbandsabende abgehalten. Konrad Roth, der Gruppenführer, legte dem jungen, engagierten Mann 1958 nahe, unbedingt eine Schulung zum Rot-Kreuz-Ausbilder an der Sanitätsschule des Landesverbands in Pfalzgrafenweiler zu absolvieren. Erwin Borck sagte sofort Ja. Von da an stand der Sanitäter nicht nur wie schon in Michelbach auf dem Sportplatz, um Verletzungen erstzuversorgen, als diplomierter Ausbilder gab er nun auch Erste-Hilfe-Kurse, so etwa in Strümpfelbach den Busfahrern der Firma Dannenmann. „Ich habe in Großheppach Kurse gegeben, in Endersbach. Fritz Roth hat damals gesagt: Erwin mach du den Kurs in Stetten. So habe ich 1961 da einen Erste-Hilfe-Kurs gegeben und meine Frau kennengelernt.“ Die Schülerin hieß Elfriede Bader, Tochter eines Stettener Wengerters. Mit der Heirat unterm Stern des DRK ein Jahr später brachte sie eine knapp zwei Hektar große Rebfläche mit in die Ehe. Der schaffige Erwin Borck musste fortan den schwer erkrankten Schwiegervater im Weinberg ersetzen.

Engagiert bei der Blutspende

Als Ausbilder im DRK engagierte sich der Wahlstettener bis etwa 1980. Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre kam der Blutspendedienst dazu, anfangs einmal jährlich im Waiblinger Feuerwehrmagazin, in Stetten dann in der Karl-Mauch-Schule. 48-mal hat Borck selber gespendet. Bis der Computer Anfang der 2000er Jahre bei Spendeterminen Einzug hielt, war es immer er, der am Empfang die Spenderpässe ablichtete. „Seither bin ich im Ruhebereich. Die Leute sollen ja zehn Minuten sitzen. Ich passe auf, dass sie nicht gleich wieder weglaufen.“

Wobei der Sanitäter, der schon im Hohenlohischen in den Fünfzigerjahren zur Feuerwehr gestoßen war, in Stetten in den Sechzigern auch dort in die aktive Wehr eintrat. Bei Löscheinsätzen agierte er dann oft in der Doppelfunktion: als DRK-Rettungshelfer und als Feuerwehrmann.

DRK Kernen

Bis zur Ära Bürgermeister Rolf Frank gehörte die DRK-Abteilung Rommelshausen zum Ortsverein Fellbach, die Abteilung Stetten nach Weinstadt. Sprich: Die Sanitäter aus Stetten, zu denen Erwin Borck zählte, halfen in Weinstadt mit.

Erst seit November 2000 hat die Gemeinde Kernen auch einen eigenständigen DRK-Ortsverein.