Kernen

Fellbach: Petra Hammer aus Stetten ist Württembergische Weinkönigin

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Stefanie Zimmer aus Stetten bei der Wahl der Weinkönigin 2012. © Pavlovic

Sie wäre eine gewiss gute Hoheit, eine Weinkönigin von Gnaden Bacchus. Aber gut, die Jury des Weinbauverbandes entschied, dass eine andere noch besser imstande sei, die Kunde vom vinologisch versierten Württemberger in die Welt hinaus zu tragen. Stefanie Zimmer aus Stetten ist jetzt Prinzessin, auch nicht schlecht. Und hoch verdient.

Die Nachfolge von Karol Harsch, der bis zur Fellbacher Krönungsmesse Amtierenden, ist geregelt. Freuen darf sich das Remstal so oder so. Oder mehr denn je, denn die Neue, Petra Hammer aus Untertürkheim lebt praktisch von dem Wasser, was den Fellbacher Kappelberg runterfließt.

Dass sie eine Gescheite ist, womöglich eine Intellektuelle der Weinwissenschaft, das bezweifelt nach ihrem Auftritt vor 800 Gästen in der Schwabenlandhalle niemand. Ihre Kenntnisse hat die Absolventen des Studienfaches Internationale Weinwirtschaft freilich auch zu nicht kleinen Teilen aus dem Remstal. Tätige Beihilfe im Großheppacher Gut Bernhard Ellwanger. Aktuell schafft sie bei den Fellbacher Weingärtnern. Ihre Anhängerschaft machte sich bei der Kür mit Weinbergrätschen bemerkbar. Schon gut, die Frau, keine Frage.

Aber richtig lautstark im Saale ging’s dann zu, wenn Stefanie Zimmer einen ihrer trockenen, aber gerade im Abgang kernigen Sprüche ins Mikro der SWR-Moderatorin Heike Lüttich haute. Auf gut Schwäbisch herzhaft, mit einem Bodagfährdle, wie man hier sagt. Köstlich ihre Schlagfertigkeit auf die Frage, wie denn im elterlichen Gut in Stetten die Erbfolge geregelt ist. Ganz einfach: „Da gab’s keine Diskussion. Da mein Bruder sich entschlossen hat, es niemals mit Wein zu versuchen, war immer klar, dass ich das machen werde. Er ist in die Industrie verliebt“. Sie in trockene Weißweine. In Riesling und Sauvignon blanc könnte sie sich legen.

Dass die 23-Jährige, ausgebildete Technikerin für Weinbau, ihren Mann am Rebstock und im Keller stehen wird, hat ihr jeder im Saal abgenommen. Da gab’s kein Fackeln bei den Fangfragen. Sie soll doch kurz mal erklären, was der Unterschied zwischen Sekt und Secco sei. Klar wie Fleischbrühe: Bei Sekt gärt die Chose in der Flasche, beim Secco wird Kohlensäure zugesetzt. Von außen sah’s nur einen Moment kritisch aus. Da ging es um die Frage, welche Farbe denn ein Grauburgunder an den Tag legt. Ob Weiß, Rosa oder gar Grau. Die SWR-Frau beharrte auf Weiß. Der wahre Kenner muss aber wohl Stefanie Zimmer recht geben. Es kommt mal wieder darauf an, wie man das Elaborat ausbaut.

Weinköniginnen-Prämierungen sind längst Show-Acts, die sich auch im Fernsehen unterbringen ließen. Angesiedelt zwischen Kurzseminar, gegurgelter Comedy und dem noch zu schaffenden Format „Weinbäuerin sucht potente Schlucker“. Die Regie bot zwei junge Super-Komiker der Sparte Improvisationstheater aus Ludwigsburg auf. Die hatten in wechselnden Klamotten und mit schlimmem Radebrech mal den Amerikaner zu spielen, mal den Russen. Als potente Kunden, denen möglichst viele Fläschle anzudrehen sind. Daraus erwuchsen Spielszenen auf offener Bühne. Alles Prüfungen, damit die Jury drunten im Saale zu einem irgendwie begründbaren Urteil kommt.

Stefanie Zimmer kriegte es mit einem Ami zu tun. Der verlangte nach dem „Härtesten, was Sie haben“. Die Stettenerin griff zur Essenz aus dem Eichenfass, „der brengt ihre Zah’räder dort oba en Schwung“ Ob’s denn mehr als eine Flasche gebe? „Ja, des isch koi Problem“, wechselte Stefanie Zimmer vollends ins Schwäbische. Der Saal tobte. Auf Frau Lüttichs Frage, wie sie’s denn hält mit dem immer wichtiger werden Beiwerk für Gaumen und Zunge, ob sie denn auch in die Küche stehe und Trollinger-Pralinen zusammenbastle, fiel die Antwort kürzestmöglich aus: „In die Küche? Ich kann nur Wein machen.“

Tja, leider ging es nicht darum, Königin der Herzen zu werden. Die Prinzessin, ganz ohne Erbse, ist sich nicht zu fein, zu den sechs Frauen der Stettener Feuerwehr zu gehören. Unter 58 Männern. Derweil die Königin als Hobby das Bücherlesen angibt. Weil man sich da abends so schön entspannen könne.

Irgendwie konnte man den Eindruck bekommen, dass Stefanie Zimmer jetzt lieber im Feuerwehr-Overall steckend und mit einem C-Rohr in der Hand die 800 Versammelten nass machen würde. Als immer noch mehr Weisheiten zum Besten geben zu müssen. Alles Gelaber und keine wirkliche Labsal. Ein Ballkleid ist schließlich auch im Wengert nur hinderlich.