Kernen

Feuerwehr Kernen: Brennendes Elektro-Auto, Öl im Haldenbach und Saunabrand

Tiefgaragenbrand, Dombovarstr., Kernen-Rommelshausen, 16.05.2022.
Einsatzkräfte während eines Tiefgaragenbrands in der Dombovarstraße, als ein Elektroauto während des Ladevorgangs brennt. © Benjamin Beytekin

115 Einsätze zählt die Freiwillige Feuerwehr Kernen im Jahr 2022. Die Einsatzkräfte retteten Personen und Tieren aus Notlagen. In seinem Rückblick hebt der Kernener Feuerwehrkommandant Andreas Wersch die Einsätze hervor, die in diesem Jahr spektakulär waren und hohe fachliche Kompetenz und das Können der Kernener Feuerwehrleute erforderten.

Türöffnungen haben zugenommen

Im Großen und Ganzen sei es „ein relativ normales Jahr gewesen“, bilanziert Andreas Wersch. Dennoch sei zu beobachten, „dass die Einsatzzahlen sukzessive immer nach oben wandern“. Auch gebe es häufig viele Einsätze, die eigentlich nicht von originärer Feuerwehrart seien, etwa Türöffnungen, die in den vergangenen Jahren auffallend oft hinzugekommen sind. „Türöffnung bedeutet, es liegt ein medizinischer Notfall vor, das heißt, der Rettungsdienst wird gerufen, kommt nicht durch die Tür, weil die Tür verschlossen ist“, erklärt Andreas Wersch. Die Person dahinter könnte gestürzt, hilflos oder ohnmächtig sein.

Häufig wandten sich auch besorgte Anwohner an die Polizei, weil beispielsweise der Nachbarsbriefkasten überquillt und der Nachbar schon einige Tage lang nicht gesehen wurde. Folglich werde die Feuerwehr von der Polizei zur Türöffnung gerufen. „Es lagen dieses Jahr auch sehr viele medizinische Notfälle vor“, erinnert sich der Feuerwehrkommandant. Es seien über das Jahr verteilt etwa 15 gewesen.

Keine Großbrände, dafür kritische Einsätze

„Große Einsätze“, also Großbrände, habe es in diesem Jahr in Kernen glücklicherweise nicht gegeben. „Aber es waren einige kritische Sachen dabei“, sagt Andreas Wersch, etwa Schuppen- oder Gartenhausbrände.

„Herausragend“ hingegen seien in diesem Jahr folgende Einsätze gewesen:

Elektro-Auto brennt in der Tiefgarage

„Wir hatten im Mai ein brennendes E-Auto in der Tiefgarage.“ Es sei eine durchaus kritische Angelegenheit, wenn es in der Tiefgarage anfange, zu brennen. Hinzu komme, dass „die Elektroautos nicht so ganz einfach zu löschen sind“, sagt Andreas Wersch. „Aber die Sache ging dann schlussendlich noch relativ glimpflich aus – mit einer starken Verrauchung in der Tiefgarage, erinnert er sich. Die Kernener Wehr bekam sehr schnell die Situation in der Dombrovarstraße in Rommelshausen in den Griff, so Andreas Wersch.

Mineralöl dringt in den Haldenbach ein

„Dann hatten wir gleich zu Beginn des Jahres einen merkwürdigen Gefahrenstoffunfall“, erinnert sich Andreas Wersch. In den Haldenbach drang „aus dem Erdreich im Gewerbegebiet in Stetten Mineralöl ins Gewässer ein“. Woher das Öl kommt, konnte bis heute nicht geklärt werden. „Die Vermutung liegt nahe, dass es irgendwo weitersweg ausgetreten ist, sei es in einem Gebäude oder Ähnliches“, äußert Andreas Wersch seinen Verdacht.

Das Öl habe sich möglicherweise über eine längere Zeit auf der lehmführenden Schicht in Richtung Gewässer durchgearbeitet, so der Feuerwehrkommandant. „Wir haben gemeinsam mit dem Bauhof einen Teil des Baches abgegraben, haben dann eine sogenannte Spundwand gesetzt, um das Mineralöl aufzufangen und immer wieder aufzunehmen, also abzupumpen“, beschreibt er das Vorgehen. „Das hat uns über mehrere Tage, wenn nicht Wochen hinweg beschäftigt“, sagt er. Nicht nur die Feuerwehr sei bei dem Einsatz involviert gewesen, sondern auch ein Gutachterbüro und der Kernener Bauhof.

Chemie-Unfall im Remstal-Gymnasium: Feuerwehr Kernen auch im Einsatz

Als während eines Experiments im Chemieraum des Remstal-Gymnasiums in Weinstadt im Februar etwa 200 Milliliter Brom ausgelaufen sind, nahm außerdem der Chemiefachberater der Feuerwehr Kernen an dem Gefahrenstoffeinsatz in der Schule teil. „Wir stellen die Chemiefachberater auch für den Rems-Murr-Kreis“, fügt Andreas Wersch hinzu.

Kellerbrand in Stetten entpuppt sich als Saunabrand

Im Januar hat es einen Saunabrand in einem Keller im Wohngebäude in Stetten gegeben. Brände im Keller bringen wie welche in der Tiefgarage große Herausforderungen mit sich, so Wersch. Bei dem Einsatz in der Brühlstraße löschten die Hausbesitzer den Brand größtenteils mit einem Pulverlöscher ab. Die Feuerwehr übernahm die Nachlöscharbeiten, trug die Wandverkleidung ab und kontrollierte mit einer Wärmebildkamera, ob es noch andere Glutnester und Ähnliches gab. Um das Gebäude zu entrauchen, kam ein Elektroüberdruckbelüfter zum Einsatz. Die beiden Bewohner wurden wegen Verdacht auf Rauchgasinhalation vom Rettungsdienst vor Ort medizinisch versorgt.

Feuerwehr rettet zwei Katzen in Stetten

Im April und im Juli mussten die ehrenamtlichen Helfer ausrücken, um zwei Katzen zu retten. „Das ist immer etwas spektakulär, weil immer ein großer Personenauflauf stattfindet, wenn es um Tiere geht“, sagt Andreas Wersch.

Möglicherweise durch ein offenes Fenster sei das Tier im April in der Mühlstraße in Stetten aufs Dach eines Wohnhauses gelangt und konnte nicht eigenständig wieder runter. Ein aufmerksamer Nachbar benachrichtigte die Feuerwehr, die Einsatzkräfte lockten das Tier mit zwei Scheiben Bierschinken und Trockenfutter an. Schließlich konnte die Katze dann über eine Feuerwehrleiter vom Dach geholt werden.

Bei einem weiteren Einsatz im Juli fiel eine Katze in etwa acht Metern Höhe auf einem Baum den Nachbarn in der Hartstraße in Stetten auf. Sie alarmierten die Polizei, diese wiederum die Feuerwehr. Die Lage habe sich aufgrund der Topografie und des Baumbewuchses nicht gerade einfach dargestellt. Ein erster direkter Rettungsversuch scheiterte, da die Katze ihrem vermeintlichen Retter entwich, den Baum wechselte und noch höher kletterte. Die Feuerwehrleute bauten daraufhin einen Leiterweg und versuchten, das Tier in Ruhe zu lassen und mit Katzenfutter anzulocken. Als auch das scheiterte, wurde auf den Baum geklettert, die Katze mit einem Sack eingefangen und sicher zu Boden gebracht. „Eine Katze ist nicht immer sofort zu überzeugen, dass sie gerettet werden wird, sondern sie klettert halt noch ein Stück nach oben“, sagt Andreas Wersch.

Durch defekte Pumpe: Heizöl tritt in Fabrikationshalle aus

Der jüngste Einsatz der Kernener Feuerwehr hat sich am Dienstag (27. 12.) ereignet. In einem Gewerbebetrieb war durch eine defekte Pumpe Heizöl in die Fabrikationshalle ausgetreten. Da aber keine Gefahr bestand, so Andreas Wersch, dass das Öl in die Kanalisation oder Ähnliches gelangen könnte, sei die Feuerwehr nur beratend tätig gewesen. „Es wurde in Abstimmung mit dem Betriebsinhaber ein Fachbetrieb beauftragt, der das Mineralöl sachgerecht aufnahm.“

Die Feuerwehr Kernen müsse häufig auch wegen vieler Fehlalarme ausrücken. Manchmal seien es technische Fehler, manchmal aber auch mutwillig ausgelöste Brandmeldeanlagen. Erst vor Ort lasse sich feststellen, ob eine Gefahr vorliegt.

Bei der Kernener Wehr gibt es jeweils etwa 50 Einsatzkräfte sowohl in den Abteilungen in Rommelshausen als auch in Stetten, sechs davon sind Frauen. Einmal im Jahr fährt die Feuerwehr nach Külsheim zu „International Fire and Rescue Training“. Dort werden die Einsatzkräfte unter realitätsnahen Bedingungen in einer speziellen, mit Holz befeuerten Brandsimulationsanlage ausgebildet. „In der Regel sehen die Kameradinnen und Kameraden nach ihrer Atemschutzausbildung zum ersten Mal im Einsatz ‘echtes Feuer’ bei einem Innenangriff in einem Gebäude“, sagt Andreas Wersch. „So können wir unsere Einsatzkräfte ‘realitätsnah’ aus- und fortbilden.“

115 Einsätze zählt die Freiwillige Feuerwehr Kernen im Jahr 2022. Die Einsatzkräfte retteten Personen und Tieren aus Notlagen. In seinem Rückblick hebt der Kernener Feuerwehrkommandant Andreas Wersch die Einsätze hervor, die in diesem Jahr spektakulär waren und hohe fachliche Kompetenz und das Können der Kernener Feuerwehrleute erforderten.

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Türöffnungen haben zugenommen

Im Großen und Ganzen sei es „ein relativ normales Jahr gewesen“, bilanziert Andreas Wersch.

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