Kernen

Fitnessstudios im Corona-Lockdown: Wann macht der Sportpunkt Kernen auf? Womit der neue Leiter Peter Kunze rechnet

Sportpunkt
Peter Kunze (52) ist Gymnastik- und Fitnesslehrer sowie sportlicher Leiter im Fitnesscenter „Sportpunkt Kernen“. © ALEXANDRA PALMIZI

Das helle, moderne, fast vier Millionen Euro teure Fitnesscenter, das im Januar 2019 am Ortsrand in Rommelshausen eröffnet wurde, wirkt derzeit wie ausgestorben. Es liegt weder der Schweißgeruch von hart trainierenden Menschen in der Luft noch dröhnt rhythmische Musik aus den Lautsprechern. Sogar der Kühlschrank am Eingang des Sportpunkts ist leer. Keine Fitness-Drinks, keine Direktsäfte, nichts.

Wie in vielen anderen Fitnessstudios hat die Pandemie auch hier den Betrieb lahmgelegt. Ausgelegt ist der Sportpunkt der Sportvereinigung Rommelshausen eigentlich auf insgesamt 1200 Nutzer.

Genau in Zeiten der Pandemie, mitten im Lockdown, hat Peter Kunze die Leitung des Studios übernommen. Seit Anfang Februar ist der 52-jährige lizenzierte Gymnastik- und Fitnesslehrer als sportlicher Leiter tätig. Er steht alleine im Trainingsbereich, „wo normalerweise Leben tobt“.

Es gibt hier Sportgeräte, die sich automatisch auf die richtige Sitzhöhe einstellen, wenn der Kunde seinen persönlichen Chip einsteckt. Peter Kunze schaut durch die großen Panoramafenster auf die Landschaft. Zu sehen ist der Bike-park, der zu Beginn der Pandemie eröffnet wurde und kurze Zeit danach gesperrt werden musste. In unmittelbarer Nähe befindet sich das ehemalige Diakoniedorf – die Hangweide –, die in den kommenden Jahren zu einer Wohnsiedlung werden soll. Neben dem Sportpunkt befindet sich das Hallenbad und gegenüber das Seniorenzentrum „Haus Edelberg“. „Der Standort ist super“, lobt Kunze.

„Als leidenschaftlicher Ausdauersportler tut mir das weh“

Wie fühlt es sich an, ein leeres Studio zu leiten? „Das ist eine sehr schwierige Situation“, sagt der sportliche Leiter. Man tausche sich zwar mit dem Team aus, warte die Geräte, nehme Anrufe entgegen, doch die eigentliche Tätigkeit bleibt aus. Er zeigt auf die Spinning-Fahrräder, die im Lager aneinandergereiht verlassen wirken, und sagt: „Als leidenschaftlicher Ausdauersportler tut mir das in der Seele weh.“ Vermutlich nicht nur ihm: „Wir erhalten jeden Tag Anrufe mit der Frage ,Wann macht ihr auf?’“

Sportpunkt Kernen verliert mindestens 70 Mitglieder

Während manche der Wiedereröffnung entgegenfiebern, gebe es auch welche, die nicht länger warten wollen. „Seit dem Lockdown haben wir mindestens 70 Mitgliedschaften verloren“, berichtet Peter Kunze. Vor der Pandemie hätten sie um die 800 Mitglieder im Studio gehabt. Das sei eine normale Fluktuation im Fitnesscenter.

Fest steht allerdings, dass keine Mitgliedsbeiträge abgebucht werden. „Der Vorstand hat sich dazu entschieden, und ich glaube, dass die Mitglieder sehr dankbar dafür sind.“

Darüber hinaus fügt der 52-jährige Sportler hinzu: „Hier im Ort gibt es eine sehr hohe Vereinsverbundenheit.“ So erhalten sie auch Anrufe, mit dem Wunsch, der Sportvereinigung Rommelshausen eine Spende zukommen zu lassen. Vielen sei es wichtig, dass der Sportpunkt die Krise überstehe und weiterhin im Ort erhalten bleibe.

Derzeit bietet der Sportpunkt seinen Mitgliedern Online-Sportvideos an. „Wir waren anfangs skeptisch, ob das angenommen wird“, gesteht Kunze. Doch sowohl die Videos in der Sportpunkt-Kernen-App als auch Youtube-Videos werden oft angeklickt. „Die Leute suchen tatsächlich die Videos ihrer eigenen Trainer.“

Nicht nur hochmoderne Technik ist wichtig, sondern das Trainer-Team

Das ist für Peter Kunze ein klares Signal: „Gute Technik und hochmoderne Geräte bieten viele Studios an, aber es kommt auch auf die Menschen an“, sagt er und lobt seine Kollegen. „Wir sind ein tolles Team und haben immer Spaß.“ Wann er wieder mit ihnen zusammen arbeiten kann, das steht noch in den Sternen. Auch wenn er sehr gerne bald die Türen öffnen und die Besucher empfangen wollen würde, rechnet Peter Kunze damit, dass es vor April nicht möglich sein wird.

Die Römer Sportler zählen mit rund 2300 Mitgliedern zu den größten Clubs in Kernen. Die Verantwortlichen haben sich schon lange vor der Krise intensiv mit ihrer Zukunft auseinandergesetzt – und einen großen Schritt gewagt in Richtung Umstrukturierung des Vereins. Deshalb setzt der Sportpunkt auf Kooperation mit externen Partnern wie Firmen und Schulen. So sollen die Funktionäre und Übungsleiter vor allem im administrativen Bereich entlastet werden, damit sie sich auf den Sport konzentrieren können. Gefördert wurde das barrierefreie millionenteure Fitnessstudio, das an der Verbindungsstraße der beiden Ortsteile auch entstanden ist, auch von der Gemeinde Kernen.

Das helle, moderne, fast vier Millionen Euro teure Fitnesscenter, das im Januar 2019 am Ortsrand in Rommelshausen eröffnet wurde, wirkt derzeit wie ausgestorben. Es liegt weder der Schweißgeruch von hart trainierenden Menschen in der Luft noch dröhnt rhythmische Musik aus den Lautsprechern. Sogar der Kühlschrank am Eingang des Sportpunkts ist leer. Keine Fitness-Drinks, keine Direktsäfte, nichts.

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Wie in vielen anderen Fitnessstudios hat die Pandemie auch hier den Betrieb

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