Kernen

Gemüse aus Rommelshausen: Christian und Reiner Merz beliefern nicht nur Hofläden

Hofladen-Serie Merz
Christian Merz vor seinem Salatfeld. © Benjamin Büttner

Bereits der Opa von Christian und Reiner Merz war Landwirt und verdiente sein Brot durch den Obst- und Weinbau. „Mein Opa ist aber aus dem Krieg nicht zurückgekommen“, sagt Christian Merz, „da war meine Oma mit vier kleinen Kindern allein.“ Den Betrieb übernahm der älteste Sohn – der Vater von Christian und Reiner Merz. Im Jahr 1965 stellte er auf Gemüsebau um. Die Familie Merz ist an ihrem jetzigen Standort in der Seestraße seit 1980. „Wir waren in Rommelshausen im Ort drin“, erzählt er, „wurden dann zugebaut und sind ausgesiedelt.“ Im Zuge dieser Aussiedlung tauschten sie die Weinberge gegen Äcker, sagt der 54-jährige Landwirt. „Wir sind jetzt inzwischen ein reiner Gemüsebaubetrieb.“

Die ganze Familie hilft mit 

Wir: Das sind der gelernte Gärtnermeister und sein 56-jähriger Bruder Reiner Merz, Landmaschinenmechaniker. „Mein Bruder ist zehn Jahre später eingestiegen“, sagt Christian Merz. Heute führen die beiden den Betrieb „Merz-Gemüse GbR“ gemeinsam. Mit im Boot ist auch die Schwester Anja Hahn. Sie ist Buchhalterin und unterstützt ihre Brüder in ihrer Freizeit bei der Büroarbeit.

Den Boden, auf dem sie Gemüse anbauen, teilen sie Merz zufolge auch mit Landwirten, die unter anderem Getreide anbauen. „Dann braucht man viel weniger Pflanzenschutz“, sagt Christian Merz.

Sie bieten auch Mischungen für Fertigsalate an

Die Brüder Merz bauen schwerpunktmäßig Salate an. Dass die Salatpflanze aus mehr als nur grünen Blättern besteht, macht Christian Merz bei seiner Aufzählung deutlich. Das Sortiment reicht von Kopfsalaten über rotblättrigen Schnittsalat „Lollo rosso“ bis zu Endivien. Unter anderem pflanzen sie ganzjährig im Gewächshaus Feldsalate – und im Freiland im Herbst bauen sie auf etwa drei Hektar „Blättle-Salat“ an. Sie bieten auch Mischungen für Fertigsalate an, darin befinden sich unter anderem „Pflück- und Asia-Salate sowie Mangold“. „Im Sommer macht das ein Bio-Betrieb für uns, und im Winter produzieren wir das selber“, sagt er. So kann die Salatmischung das ganze Jahr über angeboten werden.

Bei der Ernte haben die Brüder Merz fünf Festangestellte und 15 Erntehelfer, die aus Rumänien kommen. „Nur einer kommt aus Polen“, sagt Christian Merz. Während der Corona-Pandemie mussten sie den Betrieb einigermaßen reduzieren oder auf die Saisonhelfer setzen, die die deutsche Grenze problemlos passieren durften. Um sich und seine Mitarbeiter zu schützen, ist es Christian Merz wichtig, dass seine Arbeiter vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind. Rückblickend auf die anfängliche Zeit der Pandemie sagt der Landwirt: „Das war ein schwieriges Jahr für uns. Der Absatz war sehr gut, aber es war sehr stressig für uns.“

„Wir haben früher auch einen Hofladen gehabt“

Die Vielzahl von Salaten verkaufen die Brüder täglich auf dem Großmarkt in Stuttgart. „Wir haben früher auch einen Hofladen gehabt“, sagt er. Den hatte die Mutter bis zu ihrem Tod betrieben.

Wer möchte, kann das Gemüse auch direkt in Kernen kaufen. Auch beliefert die Familie nach eigenen Angaben zufolge Läden wie den Remstalmarkt Mack.

Wichtig ist dem 54-Jährigen darüber hinaus, dass die Herkunft auf der Ware steht und sichtbar ist. „Die Leute können das kaufen, was sie wollen, aber das soll draufstehen.“ Gefahr sieht Christian Merz auch darin, wenn beispielsweise gesundheitsschädliche Mittel, die in Deutschland nicht zugelassen sind, in anderen Ländern in der Landwirtschaft eingesetzt werden. „Das Zeug kommt ja trotzdem zu uns“, sagt der Landwirt aus Kernen.

Nicht nur aufs eigene Land schauen

„Wir sind ein wichtiges Land in Europa, aber wir sind nicht die Welt“, sagt er. Deshalb solle man unbedingt auch darauf schauen, „was die anderen machen, sonst können wir den Planeten nicht retten“. Die Familie Merz setzt eigenen Angaben zufolge keine Herbizide ein. „Gegen Unkraut spritzen wir auch gar nicht mehr“, sagt Christian Merz. Jedes Jahr experimentieren sie mit ihren Pflanzen, um die Salatsorte zu finden, die am resistentesten gegen den Mehltau ist.

Christian und Reiner Merz interessieren und setzen sich für die Rechte der Landwirte ein, weil sie gleichberechtigt behandelt werden sollen. Sie sind unter anderem Mitglied bei "Land schafft Verbindung" und beim Bauernverband.

Christian und Reiner Merz setzen sich für Rechte der Landwirte ein

„Wir sind auch bei den Bauern-Demos dabei gewesen. Mein Bruder und ich, wir sind mit 40 000 Landwirten nach Berlin gegangen“, sagt er. Doch er ist äußerst enttäuscht darüber, dass sie von der Politik nicht ernst genommen wurden und ihm zufolge niemand ein offenes Ohr für sie hatte.

Darüber hinaus ist der Landwirt eine der zentralen Figuren in der Dokumentation „Landwirt schafft“. Die Gemeinde Kernen hat im April dieses Jahres mit vielen anderen Kernener Bürgern und der Schutzgemeinschaft Schmidener Feld für das Crowdfunding-Projekt gespendet. Mit dem Film wollen die Beteiligten erreichen, dass landwirtschaftliche Produkte mehr wertgeschätzt werden.

Bereits der Opa von Christian und Reiner Merz war Landwirt und verdiente sein Brot durch den Obst- und Weinbau. „Mein Opa ist aber aus dem Krieg nicht zurückgekommen“, sagt Christian Merz, „da war meine Oma mit vier kleinen Kindern allein.“ Den Betrieb übernahm der älteste Sohn – der Vater von Christian und Reiner Merz. Im Jahr 1965 stellte er auf Gemüsebau um. Die Familie Merz ist an ihrem jetzigen Standort in der Seestraße seit 1980. „Wir waren in Rommelshausen im Ort drin“, erzählt er,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper