Kernen

Hilfskonvoi aus Kernen: Feuerwehr und Bürgermeister bringen Spenden an die Grenze

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Von links: Feuerwehrkommandant Andreas Wersch, Bürgermeister Benedikt Paulowitsch und Ehrenamtliche, die den Lkw mit den Sachspenden an die polnisch-ukrainische Grenze fahren werden: Christian Massierer, Joachim Leidig, Edmund Merz, Gerhard Eißele und Manfred Idler. © Gaby Schneider

Decken, Hygieneartikel, Smartphones und zahlreiche weitere Spenden sind in den vergangenen Tagen in der alten Genossenschaftskelter in Stetten eingegangen. Die Hilfs- und Spendenbereitschaft der Kernener war riesig, so dass der Bürgermeister am Freitagvormittag via Internet bekannt gab, dass nur noch Batterien und Taschenlampen benötigt werden. Ursprünglich sollten Sachspenden bis Sonntag angenommen werden.

Über Görlitz, Warschau, Lublin geht's nach Cholm

Der Zwölf-Tonnen-Lkw und ein Kastenwagen, in dem Fall das Seniorenmobil der Gemeinde, sollen voraussichtlich am Sonntag über Görlitz, Warschau, Lublin nach Cholm aufbrechen.

Bürgermeister fährt das Seniorenmobil

Fünf Ehrenamtliche der Freiwilligen Feuerwehr Kernen sowie Bürgermeister Benedikt Paulowitsch lenken die Fahrzeuge an die polnisch-ukrainische Grenze. Die Fahrt soll nach derzeitigem Stand fünf Tage dauern. „Zwei Tage hin, ein Tag abladen und zwei Tage wieder zurück“, sagt Christian Massierer. Der 33-jährige Brandschutzingenieur und dreifache Vater sieht es als eine wichtige Aufgabe an, den Menschen in der Ukraine helfen zu können. Seine Frau Deborah Massierer betrachte es mit gemischten Gefühlen, sagt er. Einerseits sei man froh, helfen zu können, andererseits aber auch gespannt, welche Bilder einen vor Ort erwarten.

Denn Feuerwehrkommandant Andreas Wersch weiß genau, dass solche Bilder „unter die Haut gehen“ und einen lange danach noch beschäftigen. Er denke dabei an die Hochwasser-Einsätze in den Jahren 2002 und 2013 in Sachsen, sagt Andreas Wersch. Aus beruflichen Gründen kann der Feuerwehrkommandant nicht mitfahren.

Damit seine Kameraden und der Bürgermeister eine angenehme Fahrt haben, stellt er alles für die lange Fahrt bereit. Zur Stärkung gibt es ein Lunchpaket mit leckerem Inhalt, eine Kühltasche gefüllt mit süßen und salzigen Snacks, sowie reichlich Erfrischungsgetränke – aber auch Kaffee. Die Feuerwehrleute werden zwar keine Uniformen tragen, aber mit Freizeit-Bekleidung der Feuerwehr deutlich als solche zu erkennen sein, sagt Andreas Wersch.

"Es erwarten uns nette Menschen dort"

Fahrer Joachim Leidig (43) hofft „mit dieser Aktion sehr vielen Menschen zu helfen“. Er ist sich sicher: „Es erwarten uns nette Menschen dort, die das mit Freunde entgegennehmen werden.“

Mit noch 68 Jahren ist Edmund Merz einer der Ältesten im Team. Während der Fahrt wird der Landwirt seinen 69. Geburtstag feiern. Der Ehrenamtliche ist seit 1972 bei der Feuerwehr und freut sich ebenfalls, den Betroffenen helfen zu können.

„Man kann etwas tun und man muss etwas tun“, lautet die Devise des pensionierten Lkw-Mechanikers Manfred Idler. Lange Fahrten im In- und Ausland war der 68-Jährige stets gewohnt.

„Es ist schon aufregend“, findet Gerhard Eißele, „auch für die Familie.“ Zwei Söhne von ihm seien ebenfalls bei der Freiwilligen Feuerwehr. Dankbar ist der 61-Jährige auch dem Fuhrunternehmen, das kostenlos einen Lkw zur Verfügung gestellt hat. Eine „unglaubliche Aktion“, sagt er. Wie bereits berichtet, stellte die Kernen-Masvingo-Gesellschaft den Kontakt zu der rheinland-pfälzischen Firma her.

Mit dem polnischen Bürgermeister in Kontakt

Bürgermeister Benedikt Paulowitsch, der als einziger unter den Fahrern keine berechtigte Fahrerlaubnis für einen Lastwagen hat, wird das Seniorenmobil lenken. Er ist zuversichtlich: „Das ist keine unkoordinierte Geschichte“, sagt der Rathaus-Chef. Schließlich stehe er von Anfang an mit dem polnischen Bürgermeister vor Ort und einem Abgeordnetenbüro in Kontakt. „Ich telefoniere mit denen einmal täglich“, sagt er. Durch Rücksprachen mit den Menschen vor Ort konnte stets in Erfahrung gebracht werden, welche Hilfsmittel tatsächlich benötigt werden.

Was sagt die schwangere Ehefrau Chantal Paulowitsch zu der langen Fahrt ihres Mannes? Sie finde es gut und unterstütze ihn, so der Rathaus-Chef. Auch sie habe in der Kelter bei der Spendenannahme geholfen, berichtet der Bürgermeister. Unterstützung hat es in den vergangenen Tagen neben zahlreichen Helfern auch von der Kernener Firma A&M gegeben. Zwei Mitarbeiter griffen den Ehrenamtlichen bei der Logistik unter die Arme, das Unternehmen stellte Verpackungsmaterial zur Verfügung. Der aktuelle Plan am Wochenende lautet: die Fahrzeuge beladen und den Hilfskonvoi nach Cholm starten.

Decken, Hygieneartikel, Smartphones und zahlreiche weitere Spenden sind in den vergangenen Tagen in der alten Genossenschaftskelter in Stetten eingegangen. Die Hilfs- und Spendenbereitschaft der Kernener war riesig, so dass der Bürgermeister am Freitagvormittag via Internet bekannt gab, dass nur noch Batterien und Taschenlampen benötigt werden. Ursprünglich sollten Sachspenden bis Sonntag angenommen werden.

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