Kernen

Historischer Brückenfund: Denkmalschutz verhängt Baustopp

1d28605c-a5ae-400e-8d47-748ccb73adb0.jpg_0
Die Baugrube, in der der Bagger die Hölzer aus der Erde zieht. Rechts sind sie gelagert. © Schetter

Kernen-Stetten. Die Hypothese Stettener Wasserburg bestätigt sich Fund um Fund: Jetzt wurden Balken aus der Baustelle beim Stettener Ochsen geborgen, die zu einer mittelalterlichen Holzbrücke gehörten. Auch Steinfundamente des Bauwerks kamen zum Vorschein. Der Denkmalschutz hat eine Notbergung angeordnet, die Baustelle steht still. Die Holzbalken, die im Stettener Depot lagern, sind zwar noch nicht datiert. Sie stützen aber den Verdacht, dass ein Herrensitz genau an dieser Stelle stand.

Seit Tagen leiten und dokumentieren Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes die Notbergung des in der Stettener Baugrube gefundenen Brückenholzes. Die wegen des hohen Grundwasserspiegels sehr schwierigen Tiefbauarbeiten sind kurzfristig eingestellt worden. Die Denkmalbehörde hat die Regie übernommen. In den vergangenen zwei Wochen ist das Ochsengelände zu einer archäologischen Grabungsstätte mutiert, wobei sich der Bauherr der dort geplanten Wohnhäuser offenbar bereiterklärt hat, die Kosten der Untersuchung zu tragen. Die Notbergung der aus dem Schlick gefischten Balken sei weitgehend abgeschlossen, hieß es gestern.

Offenbar hat sich das Holz im Wasser über die Jahrhunderte sehr gut erhalten. Es wurde zunächst im Bauhof der Gemeinde eingelagert. Seit kurzem liegen die Bohlen, wegen Austrocknungsgefahr gut verpackt, im Depot des Heimatmuseums auf der Stettener Kläranlage. Die exakte archäologische Dokumentation steht noch aus, zu der auch die Bestimmung des Alters gehört.

Neue Anhaltspunkte für die Datierung der Burg

Wie das Regierungspräsidium gestern mitteilte, befanden sich die Hölzer zum Teil noch im Verbund, so dass die Konstruktion einer Brücke erkannt werden könne, die aus Osten kommend in Richtung des Gebäudes verlief. Die inzwischen geborgenen Hölzer ruhten an diesem Ende auf einem Steinfundament, an das sich eine aus Bruchsteinen ausgeführte Mauer anschloss, die wohl ursprünglich im Bogen um das Gebäude lief und eine Umfassungsmauer darstellt.

„Fest steht, dass die Brücke zweiphasig war, sie also über einen längeren Zeitraum existiert haben muss und ihr Bau aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem massiven Gebäude der Wasserburg in Verbindung steht“, schreibt die Behörde. Vor der Mauer befinde sich ein Bereich, der wohl einen verfüllten Graben darstelle, den die Brücke überspannte. Die bislang aus diesem Bereich geborgenen Funde befänden sich noch in der Restaurierungswerkstatt und erlaubten im Moment nur eine grobe Datierung ins späte Mittelalter oder die frühe Neuzeit, ließen aber schon die zu einer kleinen Burg gehörige gehobene Sachkultur erahnen, verlautete aus Stuttgart.

Brücke steht wahrscheinlich mit Wasserburg in Verbindung

Die Brücke, deren Steinfundamente ebenfalls freigelegt wurden, bestätigt die Arbeitshypothese des Fundes im Juni, dass die Herren von Stetten als Truchsesse am württembergischen Hof in diesem Feuchtgebiet im frühen 13. Jahrhundert eine Wasserburg gebaut haben. Die Untersuchung des Eichenholzes im Juni ergab, dass die Balken zwischen 1220 und 1240 verbaut worden sein dürften. Bestätigte die Brücke die Existenz der Wasserburg und damit die aus dem Alter der Hölzer damals abgeleitete Bauzeit, ergäbe sich eine etwas früher belegbare Datierung Stettens als die erste urkundlichen Erwähnung anno 1241.

Vieles spricht dafür, dass das kleine Dorf Stetten drei belegbare Herrensitze auf engstem Raum aufweist, deren Erbauung zeitlich weit auseinanderliegen. Anfang des 13. Jahrhunderts erstellten die Herren von Stetten, die das wichtige Truchsessen-Amt am württembergischen Hof in Stuttgart bekleideten, ihre von Wasser umschlossene, aber vermutlich unbefestigte Burg. Die Quellenlage ist sparsam. Vieles liegt im Dunkeln. 150 Jahre später bauten die Yberger, eine mit den Herren von Stetten verwandte Familie, ihr eigenes Herrenhaus auf der Anhöhe, die Yburg, deren Ruine noch erhalten ist. Ende des 14. Jahrhundert gaben die Herren von Stetten ihre kleine Wasserburg im Tal auf und bauten einen Steinwurf entfernt den Vorgängerbau des späteren Schlosses. Bezogen wurde dieser neue Adelssitz später von den Thumbs von Neuburg, die das Gebäude gekauft hatten. Auch dieses reichsritterliche Stettener Geschlecht stand im Dienst der Grafen von Württemberg. Der Stuttgarter Hof übernahm später das Schloss in seinen Privatbesitz und nutzte es als Witwensitz.

Heinzle: Stetten muss große Bedeutung gehabt haben

Wie Ute Heinle, Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, gestern bestätigte, habe die Holzbrücke vom Ochsen her über einen Wassergraben zur Burg geführt. Für sie sind drei Herrensitze in dem kleinen Dorf Beleg für die Wichtigkeit Stettens noch vor der Zeit der Württemberger. „Welches Dorf hat drei Herrensitze? Stetten muss Bedeutung gehabt haben.“ Sie rät, die Gemeinde solle das schwer bebaubare Areal kaufen, um eine Grünzone mit Pavillon anzulegen.