Kernen

Hofbräu-Regiment-Frontsänger startet solo

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Robin Henderson (36) mit seiner Band „Hofbräu-Regiment“, hier bei einem Schowo-Auftritt. © Habermann/ZVW
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Das Hofbräu-Regiment spielt seit Jahren auf Festen im Remstal, zum Beispiel auf der Schowo oder beim Bierfest BmK in Beutelsbach. „Die Fans sind sehr, sehr treu“, freut sich Robin Henderson. © Gabriel Habermann

Kernen-Rommelshausen. Seit fast zehn Jahren ist er die Stimme des Hofbräu-Regiments, einer der beliebtesten Partybands des Landes. Nun plant der Kernener Robin Henderson seine Solo-Karriere. Im Interview spricht der Sänger über sein kommendes Album, Schicksalsschläge, peinliche Künstlernamen, große Zukunftspläne und treue Fans.


Du spielst seit Jahren als Frontmann des Hofbräu-Regiments Shows vor Tausenden Fans. Nun startest du zusätzlich eine Solo-Karriere. Kannst du einfach nicht genug von Musik kriegen?

Wir haben mit dem Regiment circa 80 Auftritte im Jahr. Da bleiben ausreichend Tage übrig, an denen man noch auftreten könnte. Ich möchte jetzt die freie Zeit nutzen, um meine eigenen Gedanken in meiner Musik zu verwirklichen.


Weil Musik deinen Lebensunterhalt bezahlt?

Ich bin Berufsmusiker. Es würde schon jetzt reichen, wenn man sparsam lebt. Dieses Jahr habe ich zusätzlich als Segway-Tourguide in Stuttgart gearbeitet – ich und meine Freundin wollen nächstes Jahr heiraten, das Geld fließt in unsere Hochzeitskasse. Es geht aber nicht nur ums Finanzielle: Ich glaube, dass so viel Kreativität in mir steckt – wenn ich die in mir drin behalten würde, würde ich irgendwann explodieren.

Das Hofbräu-Regiment ist eine Cover-Band. Für das geplante Solo-Album sind hingegen eigene Songs entstanden, gemeinsam mit einem Berliner Produzenten-Duo.

Der Kontakt kam übers Internet zustande, und es passt einfach perfekt. Ich bin an der Musik beteiligt, und die Texte kommen aus meinem Herz. Ich will ja Songs aus meinem Leben schreiben. Da steckt meine Seele drin. Zum Beispiel der Song „Mein letztes Bier“: Seit acht Jahren bin ich in Bierzelten unterwegs und wollte schon immer einen Abschiedssong schreiben. Am Wochenende haben wir ihn zum ersten Mal live gespielt.


Wonach wird das Album klingen?

Nach Pop, Rock und in einem kleinen Klämmerchen: Schlager. Ich hoffe, es ist mehr Rock als Schlager, ich bin privat nicht der größte Schlager-Hörer. (lacht)


Außer über Bier – worüber singst du sonst noch?

Über Liebe, Langeweile, Traurigkeit – da ist alles dabei, was ich in den letzten 20 Jahren erlebt hab. Gerade meine Jugend war nicht besonders einfach. Ich war ein Einzelgänger, hab' mich oft sehr einsam gefühlt. Das hat sich im Erwachsenenalter relativiert – ich hab' ein ganz tolles Mädchen gefunden und bin überglücklich mit meinem Leben. Aber bis ich mich gefunden hatte und wusste, was ich will, das hat ewig gedauert.


Du bist in Reutlingen aufgewachsen, hast eine Ausbildung gemacht, dann mit Anfang 20 eine erste Single aufgenommen.

Das war damals eine ganz tragische Geschichte. Ich habe meinen ersten Song geschrieben, weil meine Ex-Freundin einen Suizidversuch unternommen hat. Sie ist zwar nicht gestorben, wurde aber schwer verletzt. Ihr hab' ich ein Lied geschrieben. Daraufhin wurde ich zu einem deutschlandweiten Talentwettbewerb eingeladen. Den habe ich gewonnen.


Warst du schon damals unter dem Künstlernamen Robin Henderson unterwegs?

(lacht) Nee ... ganz peinlich: Ich nannte mich „Robin Angel“. Da muss ich mir heute echt an den Kopf fassen. Ich weiß auch nicht, wie ich darauf gekommen bin.


Kurz darauf hast du bei einer Kölner Plattenfirma unterschrieben.

Die Anfangszeit war der Wahnsinn. Die haben mich nach England geschickt, in ein Studio, in dem Rod Stewart, Cher oder Enrique Iglesias aufgenommen haben. Die Plattenfirma hat wahnsinnig viel Geld reingesteckt. Aber es lief nach dem Motto: ,Guck mal hier, das sind deine Songs, die nimmst du jetzt mal auf und dann hast du noch die und die interessanten Hobbys und dann wirst du ein Megastar.’


Das hat nicht funktioniert.

Nein. Ich habe mich dann irgendwann sehr mit der Plattenfirma in die Haare gekriegt und gesagt: Ich mach’s selber. Ich habe dann eine eigene Rockband gegründet. Es lief auch am Anfang ganz gut. Aber wie es so ist: Einer ist ausgestiegen und schließlich haben wir uns aufgelöst.


Zu der Zeit hast du noch in Köln gelebt. Kurz darauf hat das Hofbräu-Regiment per Anzeige einen Frontmann gesucht.

Ich habe bei mehreren Bands vorgesungen und mich für das Regiment entschieden. Ich bin zurück nach Hause gezogen zu meiner Familie und den wenigen Freunden, die nach zehn Jahren noch übrig waren.


Bedeutet deine Solo-Karriere nun das Ende des Hofbräu-Regiments?

Nein, das Regiment wird immer weitergehen, auch nach mir. Und ich habe auch gar nicht vor, auszusteigen. Als ich angefangen habe, war ich 27. Die haben mir so viel beigebracht. Sollte die Solo-Karriere so gut laufen, dass für das Regiment keine Zeit mehr wäre, müsste man sich noch mal unterhalten. Aber vorerst werde ich das Regiment nicht verlassen, warum auch.


Für dein Solo-Projekt darfst du vermutlich auf die Unterstützung der Regiment-Fans zählen.

Ja, auf jeden Fall. Wir sind in den letzten Jahren echt zusammengewachsen. Wir haben einen außergewöhnlichen Fanclub, das sind sehr treue und liebe Menschen, die wirklich überall dabei sind.
 

Die Fans können dich auch finanziell unterstützen: 35 000 Euro sollen bis Mai über Crowdfunding für die Albumproduktion zusammenkommen. Die Kampagne läuft seit drei Wochen, aktuell steht sie bei etwas mehr als 6000 Euro. Wer 30 Euro gibt, bekommt eine Mütze, wer 75 Euro zahlt, einen handgeschriebenen Text, eine gemeinsame Segway-Tour mit Clubbesuch kostet 250 Euro ...

Wir haben uns zusammengesetzt und geschaut: Was können wir den Leuten zurückgeben? Das mit der Segway-Tour lag ja auf der Hand. Wir werden aber auch Firmen und Sponsoren anschreiben – wir gehen natürlich nicht davon aus, dass meine Fanbase mal eben 35 000 Euro lockermacht.
 

Dieser Betrag soll in die Albumproduktion, Musikvideos und Marketing gesteckt werden. Wie viel davon fließt wirklich in die Musik?

Viel. 25 000 bis 28 000 Euro. Wir könnten das Album auch für 5000 Euro produzieren lassen: im Homestudio, ohne echtes Schlagzeug, ohne Band. Dann klingt das aber alles nach Konserve.
 

Und was passiert, wenn das Geld nicht zusammenkommt?

Wir werden das Album definitiv fertigstellen, mit den Mitteln, die wir zur Verfügung haben. Aber wir wollen uns bis Mai die Chance geben, es richtig professionell zu machen – um ganz oben mitspielen zu können.
 

Was hast du dir mit deiner Musik für Ziele gesteckt?

Wir möchten da hinkommen, wo viele andere Künstler auch waren: Pur, Westernhagen, Grönemeyer. Das ist unser Ziel, und wir arbeiten echt hart dran.

Robin Henderson

Wer den Sänger bei seiner Crowdfunding-Kampagne unterstützen möchte: www.supportrobin.de.

Robin Henderson (36) ist in Stuttgart zur Welt gekommen und in Rübgarten, einem kleinen Dorf im Landkreis Reutlingen, aufgewachsen. Nach der Realschule machte er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann.

„Ich wollte damals schon Musiker werden, meine Eltern waren nicht begeistert davon. Ich war das schwarze Künstlerschaf der Familie. Meine Eltern haben gesagt: Mach' Musik, aber erst mal 'ne Ausbildung. Gott sei Dank hab' ich das gemacht, weil ich so ganz deutlich gemerkt habe, dass das nichts für mich ist. Ich hab’s aber durchgezogen“, sagt Henderson, der sich das Musizieren und Singen selbst beigebracht hat.

Nach der Ausbildung machte er sich mit einem Freund selbstständig und baute einen Handy-Laden auf. Die Mutter dieses Freundes sponserte ihm die Aufnahmen zu seiner ersten Single.

Beim Hofbräu-Regiment hat Robin Henderson vor neun Jahren angefangen, mit 27. Jedes Jahr spielt die Band, einst von Grandls Hofbräuzelt für den Wasen ins Leben gerufen, auf den beiden Cannstatter Volksfesten.

Seit fünf Jahren wohnt Henderson mit seiner Freundin und Managerin Franziska Gulde in Rommelshausen. Die beiden betrieben ein Jahr lang Pit’s Pub und knüpften viele Freundschaften. „Wir fühlen uns total wohl hier“, sagt der Sänger.