Kernen

Jäger Helmut Heissenberger aus Kernen rät: Jungtiere in Wald und Wiese nicht anfassen

verwaiste Jungtiere
Jäger Helmut Heissenberger am Blauen Loch in Rommelshausen: In diesem Dickicht könnten sich Jungtiere verstecken. © Benjamin Büttner

Es ist wieder so weit: Hase, Fuchs, Reh und andere heimische Wildtiere haben Junge bekommen. Da sich die Jungtiere tagsüber oft in Wiesen und im Gebüsch verstecken, kann es passieren, dass Wanderer oder Spaziergänger auf die Tierbabys treffen. Nicht selten kommt es vor, dass Menschen Jungtiere anfassen oder sogar mitnehmen, weil kein Elternteil zu sehen ist. Das sollte man aber besser lassen.

Helmut Heissenberger aus Rommelshausen ist Jäger, er kennt sich gut mit den Tieren des Waldes aus. Er setzt sich dafür ein, dass auch andere Menschen Zugang zum Wissen über die Wildtiere und ihre Verhaltensweisen bekommen – als Waldpädagoge versucht er auf seinen Touren, Schulkindern die Natur näherzubringen. Wegen Corona muss die Waldpädagogik aber seit längerem ausfallen.

Jungtiere fliehen oft nicht vor den Menschen

Wer draußen in Wald und Wiese auf ein Jungtier stößt, ganz egal ob Reh oder Singvogel, sollte es auf keinen Fall anfassen und auch zügig weitergehen, rät er. Denn in vielen Fällen sind die Eltern der scheinbar verlassenen Tiere nicht weit weg und kümmern sich gut um den Nachwuchs.

Am häufigsten im hohen Gras anzutreffen sind zurzeit Rehkitze: Die kleinen Tiere mit ihrem gepunkteten Fell sind oft nur wenige Tage alt. Die Punkte dienen der Tarnung, so der Jäger. Sie imitieren die Lichtflecken, die entstehen, wenn die Sonne durch das hohe Gras einer Wiese scheint. Wenn sich jemand nähert, zum Beispiel Spaziergänger, die über die Wiesen abkürzen, fliehen die Rehkitze nicht: „Das Rehkitz drückt sich, das steht nicht auf“, erklärt Helmut Heissenberger. Ein Wildtier so nah vor sich zu haben, kann verlockend sein – wer würde nicht ein süßes Rehkitz streicheln wollen?

Tierbabys haben noch keinen eigenen Geruch

Wer dieser Verlockung jedoch nachkommt, kann das Tierbaby unter Umständen zum Tod verurteilen. Als Schutz vor Fressfeinden haben viele Jungtiere in der ersten Zeit noch keinen eigenen Körpergeruch. „Ein Hund müsste schon direkt darauf gestoßen werden, um es zu finden“, sagt Helmut Heissenberger. Fassen Menschen das Tierbaby an, bleibt der menschliche Geruch haften und die Rehmutter nimmt ihr Junges unter Umständen nicht mehr an.

Deshalb sollten auch Hunde in dieser Zeit konsequenter an die Leine genommen werden, wenn die Gefahr besteht, dass sich ein Jungtier im Gras verbergen könnte. „Der Hundegeruch könnte sich auf das Jungtier übertragen“, so der Jäger.

Doch nicht nur in den Wiesen, auch im Wald trifft man aktuell hin und wieder auf Jungtiere – manchmal sogar auf den Wegen, berichtet Helmut Heissenberger. Gerade junge Fuchswelpen tollen gerne unvorsichtig durch die Gegend. Die Tiere werden blind geboren, zeigen anfangs oft wenig Furcht vor den Menschen.

Nicht bei den Tieren bleiben, sondern weitergehen

Verwaist sind nach seiner Erfahrung die allerwenigsten Tierbabys, auch wenn oft weit und breit keine Mutter in Sicht ist. Es sei auch nicht ratsam, bei den Kleinen zu bleiben, bis sich ein Elterntier zeigt. Denn oft beobachten die erwachsenen Tiere einen längst aus sicherer Entfernung und kehren nicht zu ihrem Nachwuchs zurück, wenn Menschen in der Nähe sind. Im schlimmsten Fall könnte das sogar dazu führen, dass die Eltern ihr Junges ganz aufgeben, wenn sie sich zu lange nicht nähern können. Bei einigen Tierarten müsste man sowieso sehr lange warten: „Die Häsin zum Beispiel kommt nur einmal am Tag zu ihren Jungen“, erklärt Jäger Heissenberger.

Der Rat des Jägers lautet also: nicht anfassen, nicht stehen bleiben, weitergehen und darauf vertrauen, dass die Natur schon alles richtig macht.

Ordnungsamt Kernen bittet, auf den Wegen zu bleiben

In diesem Sinne hat auch das Ordnungsamt Kernen einen Hinweis im Mitteilungsblatt veröffentlicht: Das Amt bittet darin Spaziergänger und Wanderer, zum Schutz der Wildtiere auf den Waldwegen zu bleiben. „Die Elterntiere holen ihre Fuchswelpen wieder zurück, wenn diese sich zu weit vom Bau entfernen und keine Menschen in der Nähe sind“, so die Mitteilung. Das Gleiche gelte für junge Wildschweine – ein Zusammentreffen mit der Bache, die ihre Jungen verteidigt, kann durchaus gefährlich werden.

Auch der Nabu Waiblingen hat auf seiner Internetseite einen entsprechenden Aufruf gestartet, in diesem geht es dezidiert um Jungvögel: Die sogenannten Ästlinge sind meistens nicht aus dem Nest gefallen und allein, sondern werden außerhalb des Nestes weiterhin von den Eltern versorgt, bevor sie vollends flügge sind. „Schreiten Sie nur ein, wenn Sie sicher sind, dass sich der Jungvogel in Gefahr befindet oder wirklich verlassen ist“, so der Nabu Waiblingen.

Jungvögel gegebenenfalls in Sicherheit bringen

Das sei der Fall, wenn zum Beispiel das Nest sichtbar zerstört ist. Oder wenn man beobachtet hat, wie die Vogeleltern getötet wurden. „Einen unselbstständigen Jungvogel, der auf einer Straße oder an einem vor Katzen oder Regen ungeschützten Ort sitzt, sollten Sie in die nächste Hecke oder in den nächsten Baum setzen.“ Das ist bei Vögeln ohne weitere Sicherheitsvorkehrungen möglich: Die meisten Singvögel haben einen schwach ausgeprägten Geruchsinn.

Es ist wieder so weit: Hase, Fuchs, Reh und andere heimische Wildtiere haben Junge bekommen. Da sich die Jungtiere tagsüber oft in Wiesen und im Gebüsch verstecken, kann es passieren, dass Wanderer oder Spaziergänger auf die Tierbabys treffen. Nicht selten kommt es vor, dass Menschen Jungtiere anfassen oder sogar mitnehmen, weil kein Elternteil zu sehen ist. Das sollte man aber besser lassen.

Helmut Heissenberger aus Rommelshausen ist Jäger, er kennt sich gut mit den Tieren des Waldes

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper