Kernen

Katastrophenschutz: Kernen schafft noch vor dem Winter zwei Notstromaggregate an

Feuerwehr
Ein kleines, mobiles Notstromaggregat, wie es von der Feuerwehr genutzt wird. © ALEXANDRA PALMIZI

Was tun, wenn der Blackout kommt und mehrere Tage lang der Strom ausfällt? Bereits im Dezember 2021 hat sich der Technische Ausschuss der Gemeinde Kernen intensiv mit einem Notfallplan für so einen Ernstfall auseinandergesetzt - lange vor Beginn des Ukrainekriegs und der Energiekrise, damals hatte jeder noch die Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vor Augen. Doch was ist seitdem passiert? Ist Kernen für den Blackout gerüstet?

Im Dezember hatte der Technische Ausschuss beschlossen, für insgesamt fünf Gebäude Notstromaggregate anzuschaffen: Das Bürgerhaus sollte als Hauptsitz des kommunalen Krisenstabs und auch als Anlaufstelle für die Bürger mit Strom versorgt werden, wichtig war der Gemeinde außerdem die Versorgung der beiden Feuerwehrgerätehäuser in Rommelshausen und Stetten. Weiterhin ist geplant, für die beiden Turnhallen Aggregate anzuschaffen, damit diese im Ernstfall als Notunterkünfte mit hoher Kapazität genutzt werden könnten.

Planung zu Notstromversorgung läuft: Aggregat ist nicht gleich Aggregat

Ein Dreivierteljahr später steht fest: Als Erstes werden die Feuerwehrgerätehäuser jeweils ein mobiles Notstromaggregat bekommen. Laut Bürgermeister Benedikt Paulowitsch befinde sich die Gemeinde hierzu gerade noch in der Feinabstimmung, noch diesen Winter soll die Notstromversorgung an diesen beiden Punkten, die dann auch im Notfall als Anlaufstellen für die Bürgerschaft dienen sollen, gewährleistet sein.

„Wir werden noch nicht alle Gebäude mit Notstromaggregaten versorgen können“, sagt Benedikt Paulowitsch. Das hänge nicht nur mit der Lieferproblematik zusammen, sondern schlicht und einfach auch mit gebäudetechnischen Details: Wie wird der Generator an das Stromnetz des Gebäudes angeschlossen, wo kann er dauerhaft stehen?

Schwieriger Energiewinter - Blackouts aber unwahrscheinlich

Aber auch die Auswahl des jeweiligen Geräts sei nicht ganz einfach. So brauche ein Feuerwehrgerätehaus ein grundlegend anderes Notstromaggregat als das Bürgerhaus, wolle man eine ganze Turnhalle damit beheizen, sei das dann noch mal ein ganz anderes Thema, erklärt der Bürgermeister. „Da heißt es nicht: Hauptsache es reicht, da muss man genau schauen, was ist die passende Größe.“

Dass die noch fehlenden Notstromaggregate im kommenden Winter zum Problem werden, glaubt der Bürgermeister allerdings nicht: Es werde ein schwieriger Energiewinter, aber er habe Vertrauen ins Stromnetz - wenn, dann sei wohl am ehesten mit gezielten, singulären Abschaltungen zu rechnen.

Krisenstab übt für den Notfall 

Auf die kann man sich aber vorbereiten – und ob es wirklich so weit komme, sei aktuell nicht abzuschätzen. „Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass wir ohne Stromausfälle durch den Winter kommen.“ Es gebe keinen Grund, mit Blick auf den Winter panisch zu werden - „Wir müssen mit gesundem Menschenverstand damit umgehen.

Die Notfallplanung der Kommune sei eher für den Fall einer Naturkatastrophe gedacht. Und hierfür habe der Krisenstab der Gemeinde sich in den vergangenen Monaten schon fleißig vorbereitet, verrät Benedikt Paulowitsch: Dafür hat der Krisenstab der Gemeinde, bestehend unter anderem aus Bürgermeister, Amtsleitern und Vertretern der Feuerwehr, gemeinsam mit Dominic Gißler mehrere Workshops durchgeführt. Dominic Gißler ist Fachmann für Führung in der Gefahrenabwehr und im Krisenmanagement, er doziert unter anderem an der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin. „Er kommt selbst aus dem Feuerwehrumfeld“, berichtet Benedikt Paulowitsch.

Kritik an Bund und Land: Alles dauert viel zu lange

Bei den Runden mit dem Krisenmanagement-Speziallisten sei es vor allem darum gegangen, „die Arbeit untereinander ein bisschen zu testen“, berichtet der Bürgermeister. Bei kommenden Terminen soll der Workflow innerhalb des Krisenstabs noch besser ausgearbeitet werden.

Auch wenn er seine Gemeinde in puncto Notfallplan auf einem guten Weg sieht und er mit Blick auf den kommenden Winter auch keinen Grund zur Panik sieht: Dem Kernener Bürgermeister geht es trotzdem nicht schnell genug: „Wir wären gerne noch weiter.“ In Sachen kommunalem Katastrophenschutz von Seiten der Politik gehe es „wie so oft leider sehr zäh“ voran.

Kritik: Viel zu viel Bürokratie auch beim Katastrophenschutz

„Flexibilität wird nicht gegeben“, kritisiert Paulowitsch, es gebe viel zu viele Regularien, komplexe Anträge oder gar Gutachten seien nötig, um auch nur Fördergelder beantragen zu können. „Und dann muss man warten, bis der Förderbescheid da ist, bevor man mit der Maßnahme beginnen kann.“

Er wünscht sich auf Ebene der Ministerialverwaltung ein anderes Grundverständnis für solche kommunale Vorhaben. Das Vorgehen müsse zielorientierter und wesentlich unbürokratischer werden. Ein Fördertopf vom Land mit einer Pauschalsumme für bestimmte Maßnahmen wäre zum Beispiel eine Lösung, glaubt der Bürgermeister.

Was tun, wenn der Blackout kommt und mehrere Tage lang der Strom ausfällt? Bereits im Dezember 2021 hat sich der Technische Ausschuss der Gemeinde Kernen intensiv mit einem Notfallplan für so einen Ernstfall auseinandergesetzt - lange vor Beginn des Ukrainekriegs und der Energiekrise, damals hatte jeder noch die Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vor Augen. Doch was ist seitdem passiert? Ist Kernen für den Blackout gerüstet?

Im Dezember hatte der

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