Kernen

Kernen: Familie Bozenhardt setzt sich für angehende Ärztin aus der Mongolei ein

Medizin-Studentin
Amina Altangerel (links) mit Rainer und Jeannette Bozenhardt im Garten der Familie. © ALEXANDRA PALMIZI

„Ich bin hier, in Deutschland. Das war für mich eine große Chance in meinem Leben. Träume werden wahr“, liest Amina Altangerel aus ihren handgeschriebenen Notizen vor. Ihr bricht die Stimme weg, die Tränen kullern über das Gesicht. „So komme ich mit der Hilfe von anderen Menschen meinem Traum vom Arztberuf jeden Tag ein Stück näher“, setzt sie fort und sagt: „Menschen mit heiligen Absichten und goldenen Herzen können niemals vergessen werden.“

Seit Juni ist die 23-Jährige bei Jeannette und Rainer Bozenhardt in Stetten zu Gast. Wie bereits berichtet, studiert Amina Altangerel Medizin an der Nationaluniversität in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar und stammt aus einer Nomadenfamilie – dem Tuwa-Volk. Während einer Reise lernte Jeannette Bozenhardt die junge Frau und ihre Familie in der an Kasachstan grenzenden Gebirgsregion Altai, bei 2500 Metern Höhe, in der Mongolei kennen.

Spende für die angehende Ärztin

Auf den Artikel „Aus der Mongolei zu Besuch in Kernen“ hat sich eine Waiblingerin bei der Familie Bozenhardt gemeldet und gemeinsam mit ihren Schwestern „eine bedeutende Spende“ für das Studium der 23-Jährigen beigesteuert, berichtet Dr. Rainer Bozenhardt. Bei einem „schönen Austausch“ lernten die Spenderinnen die junge Frau auch persönlich kennen. Darüber hinaus erreichten die Studentin ebenfalls Hilfen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis der Familie Bozenhardt.

Kind einer Nomaden-Familie aus dem Altai-Gebirge

Für jede Hilfe ist Amina Altangerel dankbar – und auch für die große Unterstützung der Familie Bozenhardt. „Die Idee eines Praktikums konnte leider nicht verwirklicht werden“, bedauert Dr. Rainer Bozenhardt. Dennoch verzeichnete die junge Frau Erfolge während ihres Aufenthalts in Deutschland: Sie schloss einen Deutschkurs (A 2) ab und machte „gute Fortschritte beim DLRG-Schwimmkurs“, wie es Jeanette Bozenhardt zusammenfasst.

Mit dem Neun-Euro-Ticket machten die Bozenhardts gemeinsam mit der 23-Jährigen „schöne Ausflüge“ und besuchten neben dem Remstal unter anderem Heidelberg, Tübingen, Rothenburg ob der Tauber und Schwäbisch Hall.

„Ich schreibe gerne Aphorismen und Gedichte“

Da Amina Altangerel sehr kunstinteressiert sei, haben auf der Liste auch verschiedene Museen gestanden, so Rainer Bozenhardt. „Ich mag es sehr gerne zu schreiben“, sagt die Medizinstudentin. „Ich schreibe gerne Aphorismen und Gedichte.“

Tod der Tante trifft die Studentin und ihre Familie sehr hart

Neben vielen schönen Erfahrungen erreichten die 23-Jährige in den vergangenen Tagen allerdings auch zwei „unerfreuliche Nachrichten“, wie es Rainer Bozenhardt formuliert. Amina Altangerels Tante ist im Alter von 55 Jahren plötzlich gestorben. Während der Schulzeit übernachtete Amina Altangerel bei ihrer Tante im Dorf Tsengelsum, das zwei Stunden vom Nomadenlager ihrer Eltern entfernt liegt. Nun trifft der Tod der Tante auch den 13-jährigen Bruder, der während der Schulzeit ebenfalls bei der Tante untergekommen war.

Darüber hinaus wurden die Studiengebühren von 600 Euro auf 1400 Euro erhöht, so Rainer Bozenhardt. Um das Studium zu finanzieren, kellnerte die junge Frau bislang an Wochenenden in sogenannten Bäckerei-Cafés, putzte Wohnungen, arbeitete als Erntehelferin oder als Babysitterin. Die harte körperliche Arbeit wurde ihren Angaben zufolge mit einer geringen Summe entlohnt.

Förderverein Mongolei richtet Spendenkonto ein

„Das Studium wird strenger und jetzt geht es in die höheren Semester“, sagt Dr. Rainer Bozenhardt. Amina Altangerel müsse sich auf den Lernstoff intensiv konzentrieren. Deshalb nahmen die Bozenhardts Kontakt mit dem Förderverein Mongolei mit Sitz in Nürtingen auf – mit Erfolg. Die gemeinnützige Organisation hat ein Spendenkonto für die Studentin eingerichtet.

Verein ändert Satzung

„Ausschlaggebend war das große Engagement unseres Mitglieds Jeanette Bozenhardt und wir wollten ihr eine Möglichkeit geben, zu helfen“, schreibt die Vorsitzende Christine Scharlipp. Um die Spenden für die junge Frau zu ermöglichen, änderte der Verein kürzlich in der Mitgliederversammlung seine Satzung, teilt sie mit.

„Der Verein fördert hauptsächlich eine Grundschule für die Kinder der Tuwa-Nomaden in Tsengel/Westmongolei sowie das mongoleiweite Baumprojekt des Schriftstellers Galsan Tschinag“, so Scharlipp. Gegründet wurde er im Jahr 2008 von der damaligen Vorsitzenden Wilma Brüggemann, um das Projekt „Eine Million Bäume für die Mongolei“ zu unterstützen. „Inzwischen haben der Schriftsteller und sein Sohn Galtaikhuu Galsan in der Mongolei eigene Baumschulen aufgebaut und pflanzten am 15. Oktober 2021 den versprochenen einemillionsten Baum“, so Christine Scharlipp.

Tuwa: eine kleine ethnische Minderheit in der Mongolei

In der Grundschule für die Kinder der Tuwa-Nomaden lernten die Kinder zunächst in ihrer eigenen Sprache, bevor sie in die staatliche Schule wechseln, wo die Amtssprache mongolisch ist. „Die Tuwa sind in der Mongolei eine kleine ethnische Minderheit und leben umgeben von einer sehr viel größeren kasachischen Minderheit in Tsengel/Hohes Altaigebirge“, schreibt die Vorsitzende. Daher sei es sehr wichtig, dass die Nomaden ihre Sprache, die ein wichtiger Bestandteil ihrer Kultur und Identität ist, bewahren. Weitere Infos über den Förderverein Mongolei und die Projekte gibt es unter www.foerderverein-mongolei.de.

„Ich bin hier, in Deutschland. Das war für mich eine große Chance in meinem Leben. Träume werden wahr“, liest Amina Altangerel aus ihren handgeschriebenen Notizen vor. Ihr bricht die Stimme weg, die Tränen kullern über das Gesicht. „So komme ich mit der Hilfe von anderen Menschen meinem Traum vom Arztberuf jeden Tag ein Stück näher“, setzt sie fort und sagt: „Menschen mit heiligen Absichten und goldenen Herzen können niemals vergessen werden.“

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Seit Juni ist die 23-Jährige

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