Kernen

Kernen: Parkproblem an der Kugelbahn gelöst? Anwohner sehen noch Handlungsbedarf

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Autos, die trotz Zufahrtsverbot über die Steigstraße in die Weinberge zur Kugelbahn anfahren: 2020 ein übliches Bild (Archivfoto). © Ralph Steinemann Pressefoto

Für viele Familien ist sie ein beliebtes Ausflugsziel, für einige Stettener eher ein großes Ärgernis: Die Herzogliche Kugelbahn in den Weinbergen nahe der Yburg teilt die Gemüter. Unabhängig voneinander haben sich Anfang 2022 zwei Anwohner-Initiativen gebildet, die gegen das seitdem wild gewordene Parken der Ausflügler im Ort und in den Weinbergen protestieren, die CDU in Kernen hatte sogar vorgeschlagen, die gesamte Holzinstallation an einen anderen Standort zu versetzen.

Die Hinweisschilder und die rot-weiße halbseitige Absperrung in der Steigstraße, die in die Weinberge hinaufführt, gehören mittlerweile schon fast zum Ortsbild: „Keine Zufahrt Kugelbahn“, steht hier deutlich zu lesen. Und: „Landwirtschaftlicher Verkehr frei“. Trotzdem fuhren besonders in der Lockdown-Zeit immer wieder zahlreiche Autofahrer in die Weinberge, um einen kürzeren Fußweg zur Yburg und zur Kugelbahn zu haben, die geparkten Autos sorgten vor allen an den Wochenenden bei Wengertern und Landwirten, dem benachbarten Kletterverein, aber auch bei Anliegern vor allem in der Steig- und Weinstraße für viel Frust.

Bürgermeister beobachtet: „Druck hat spürbar nachgelassen“

Noch im März vor einem Jahr beklagten Anwohner, dass das Verkehrsaufkommen jeden Tag zunehme - wohl auch wegen der inzwischen zahlreichen positiven Bewertungen und Empfehlungen fürs Ausflugsziel Kugelbahn im Internet. Die Anwohner-Initiativen starteten eine Umfrage in der Nachbarschaft und eine Online-Petition - demnach war damals fast ein Viertel des Orts vom Wochenendverkehr genervt.

Doch wie hat sich die Situation seitdem entwickelt? Und kam es während der zurückliegenden Feiertage wieder zum Parkchaos in und um Stetten? Nein, sagt Bürgermeister Benedikt Paulowitsch auf Anfrage unserer Redaktion. Zwar sei der Ordnungsdienst der Gemeinde an Weihnachten, Silvester und Neujahr nicht vor Ort gewesen. Da der Bürgermeister aber in Stetten wohnt, habe er sich selbst ein Bild von der Lage machen können.

Seine Beobachtung: „Dieser Druck, den wir 2020 und 2021 hatten, hat spürbar und sehr stark nachgelassen.“ Zwar gebe es weiterhin einzelne Spitzentage, wo das Verkehrsaufkommen in Stetten weiterhin sehr hoch sei, aber keine regelmäßigen Überlastungen mehr. Dass Wochenende für Wochenende Ausflügler zur Kugelbahn strömen, den Ort zuparken und totales Chaos herrscht: „Das war dieses Jahr so nicht mehr der Fall“, sagt der Bürgermeister mit Blick auf 2022.

Verschiedene Gründe könnten für Entspannung sorgen

Zwischen den Jahren sei in den Weinbergen über Stetten alles relativ ruhig geblieben. Lediglich an den ersten Januartagen habe er mehr Autos als gewöhnlich in den Weinbergen gesehen, dann aber festgestellt: „Viele Weingüter sind gerade beim Rebschnitt.“ Nicht jedes Auto, das in die Weinberge fahre, tue das also widerrechtlich: „Nicht alle fahren wegen der Kugelbahn hoch.“

Aus Sicht des Bürgermeisters gibt es für die Entspannung in letzter Zeit drei hauptsächliche Gründe: Zum einen seien die Corona-Beschränkungen vorbei, sämtliche Freizeitziele auch im Innenraum haben wieder geöffnet und die Menschen fahren wieder in den Urlaub. Aber auch das 2021 in Stetten neu eingeführte Parkleitsystem zahle sich jetzt aus, glaubt Benedikt Paulowitsch. Dadurch würden die auswärtigen Besucher besser auf die bestehenden Parkplätze verteilt und es werde weniger wild im Ort geparkt.

Termin mit Anwohner-Gruppen geplant

Dazu habe die Gemeinde inzwischen auch Zahlen erhoben, diese sollen laut Paulowitsch demnächst bei einem Treffen mit den beiden Anwohner-Initiativen besprochen werden.

Doch noch ein dritter Faktor spielt nach seiner Einschätzung eine Rolle bei der Entspannung der Parksituation: Die Gemeinde habe an mehreren Parkplätzen eine Parkzeitbeschränkung eingeführt. „Die Parkplätze wurden oft auch von Dauerparkern genutzt“, berichtet Benedikt Paulowitsch. Dadurch seien die für Touristen gedachten Parkplätze oft vormittags schon voll gewesen.

Weiterhin Frust in der Steigstraße

Doch können die Anwohner in der Steig- und der Weinstraße, die sich in der Vergangenheit mit den beiden Anwohner-Initiativen wegen des massiven Verkehrsaufkommens an die Gemeinde gewendet hatten, die Entspannung bestätigen? Holger Scholz, Anwohner in der Steigstraße, ist noch nicht zufrieden.

„Ich bin nach wie vor nicht der Meinung, dass die Lage sich entspannt hat“, so der Stettener gegenüber unserer Redaktion. Aus der Anwohner-Gruppe in der Steigstraße, die sich im Frühjahr 2022 dafür starkmachte, bei der Kugelbahn Beliebtheit und Unannehmlichkeiten in ein verträgliches Verhältnis zu bringen, hat er sich inzwischen zurückgezogen.

Touristen missachten weiterhin Zufahrtsverbot zu den Weinbergen

Ihm gefalle nicht, wie sich der Diskurs mit der Gemeinde seitdem entwickelt habe, so Scholz. Für ihn hat sich am Grundproblem bei ihm vor der Haustür nichts geändert: Die Steigstraße werde nach wie vor verstärkt von Besuchern der Kugelbahn frequentiert, die mit ihren Autos verbotenerweise in die Weinberge fahren. Das Verbotsschild werde einfach ignoriert, so seine Erfahrung. Auch das neue Parkleitsystem wirke sich bei denjenigen, die in die Weinberge fahren möchten, schlicht nicht aus.

Dass gerade Familien mit sehr kleinen Kindern der Fußweg von den ausgewiesenen Parkplätzen zu weit ist - „bis zu einem gewissen Grad auch verständlich“, findet der Anwohner. Aber immer noch sehe er oben in den Weinbergen auch Familien aus dem Auto steigen, die die kurze Wanderung vom Parkplatz locker bewältigen könnten. Einen sichtbaren Rückgang bei den Falschfahrern habe er in den letzten Monaten nicht beobachtet.

"Teilentwarnung" in der Weinstraße 

Er könne sich aber vorstellen, dass zum Beispiel das neue Parkleitsystem zumindest in der Weinstraße eine Wirkung zeige - dort hatte sich 2022 die zweite Bürgerinitiative formiert, der es speziell um den Parksuchverkehr und Parken im Wohngebiet ging. „Das sind zwei unterschiedliche Zielrichtungen“, sagt Holger Scholz.

„Eine Teilentwarnung ist es auf jeden Fall“, sagt Susanne Baur. Sie lebt mit ihrem Mann in der Weinstraße in Stetten, das Ehepaar hat sich schon in der Vergangenheit für die Anliegen der Anwohner in der Weinstraße in Sachen Kugelbahn eingesetzt. Seit dem Frühjahr 2022 habe sich schon etwas getan, bestätigt sie. Zwar gebe es immer noch einige Stoßtage, wo der Verkehr und die geparkten Autos für die Anwohner weiterhin zum echten Problem werden. Alles in allem sei die Situation aber nicht mehr ganz so schlimm - auch sie vermutet, dass das mit dem Ende der Corona-Beschränkungen zusammenhängt. Susanne Baur begrüßt, dass die Ausschilderung der Parkplätze im Ort schon besser geworden sei. Und auch das neue Parkleitsystem helfe sicherlich dabei, die Lage etwas zu entspannen.

Bei Beschilderung und Parkleitsystem sieht Anwohnerin noch Luft nach oben

Trotzdem sieht auch sie noch klaren Handlungsbedarf: Die Anzeige zu freien Parkplätzen auf den digitalen Tafeln habe zeitweise schlicht nicht gestimmt, das sei der Gemeinde aber schon gemeldet worden. Außerdem zählen auch E-Ladeplätze und Behindertenparkplätze als freie Parkplätze, was wiederum Parkplatzsuchende in die Irre führe.

Auch bei der Beschilderung der Parkplätze sieht sie noch Luft nach oben, für nicht Ortskundige sei diese an manchen Stellen noch nicht ausreichend, findet die Anwohnerin. Da sei es auf jeden Fall gut, dass die Gemeinde in Kürze einen Gesprächstermin auch zum Thema Parkleitsystem mit den Anwohner-Initiativen veranstalten wolle.

Für viele Familien ist sie ein beliebtes Ausflugsziel, für einige Stettener eher ein großes Ärgernis: Die Herzogliche Kugelbahn in den Weinbergen nahe der Yburg teilt die Gemüter. Unabhängig voneinander haben sich Anfang 2022 zwei Anwohner-Initiativen gebildet, die gegen das seitdem wild gewordene Parken der Ausflügler im Ort und in den Weinbergen protestieren, die CDU in Kernen hatte sogar vorgeschlagen, die gesamte Holzinstallation an einen anderen Standort zu versetzen.

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