Kernen

Kernen-Rommelshausen: Sporthalle der Haldenschule wird zur Flüchtlingsunterkunft

Haldensporthalle
Da es nicht ausreichend Wohnraum für geflüchtete Menschen gibt, werden in der Schulturnhalle Schlafplätze geschaffen. © Gaby Schneider

Die Sporthalle der Haldenschule wird zu einer Sammelunterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine. In den kommenden Tagen soll die Halle im Auftrag des Landratsamts vorbereitet und mit Betten bestückt werden. Auch wenn Bürgermeister Benedikt Paulowitsch sie als „schlechteste Unterbringungssituation“ bezeichnete, gibt es ihm zufolge keine Alternative. „Wir sind jetzt leider an dem Punkt angekommen, dass wir erstmals eine Hallenbelegung machen müssen“, sagt der Kernener Bürgermeister in einem aktuellen Videobeitrag auf Facebook. Bisher vermied die Gemeinde Kernen, geflüchtete Menschen in Sporthallen einzuquartieren.

Kapazitäten in gemeindeeigenen Objekten ausgeschöpft

Weil die Flüchtlingszahlen in Baden-Württemberg sprunghaft ansteigen, alle Kapazitäten in den gemeindeeigenen Objekten ausgeschöpft sind und zudem – auch nach einem jüngsten Aufruf – keine privaten Wohnungsangebote zur Verfügung stehen, sei diese Maßnahme erforderlich gewesen, „um den Menschen Obdach gewähren zu können“, so die Gemeinde.

Kernen muss mehr Flüchtlinge aufnehmen als bisher erwartet

„Baden-Württemberg hat derzeit einen Flüchtlingsdruck, der stärker ist als in der Flüchtlingskrise 2015 /2016. Und das hat zur Folge, dass die Landeserstaufnahmeeinrichtungen komplett voll sind“, sagt Benedikt Paulowitsch. Das Land habe jüngst die Zuteilungspraxis verschärft, was Auswirkungen auf den Rems-Murr-Kreis und nachfolgend auf die Kreiskommunen habe, schreibt die Gemeinde in einer Pressemitteilung. So müsse Kernen in Kürze mehr Geflüchtete aufnehmen als bisher erwartet. Während die Zahl der aufzunehmenden Personen zu Jahresbeginn bei 26 Personen lag, habe sie sich inzwischen auf 173 erhöht. Die Tendenz sei weiter steigend, so der Bürgermeister.

Geplante Flüchtlingsunterkünfte werden frühestens Anfang 2023 fertig

„Etwas über 80 Menschen konnten wir durch die tolle Mithilfe der Bürgerschaft dezentral unterbringen“, sagt der Kernener Rathaus-Chef. Dennoch gebe es nicht ausreichend Wohnraum für die Menschen, die vor dem Krieg in ihrer Heimat fliehen. Derzeit können auch die auf den Weg gebrachten Projekte in der Blumenstraße und in der Gottlieb-Daimler-Straße nicht Abhilfe schaffen, weil sie frühestens Anfang 2023 fertig werden, so die Gemeindeverwaltung. Deshalb seien innerhalb kürzester Zeit mehrere Optionen geprüft worden, wie Menschen schnell untergebracht werden können, erläutert Bürgermeister Benedikt Paulowitsch.

In der kurzen Zeit seien Alternativen mit den Keltern, Gymnastikräumen, mit Möglichkeiten der Diakonie Stetten, einer leerstehenden Gewerbehalle und den Kirchengemeinden über Gemeindehäuser geprüft worden, schreibt Bürgermeister Paulowitsch.

Unterbringungslösung muss sofort realisierbar sein

Alle diese Optionen seien aus verschiedenen Gründen nicht zu verwirklichen gewesen, weshalb sich die Gemeinde für die Turnhallenbelegung entschieden hat. „Diese Abwägung hat sich in der Gemeindeverwaltung niemand einfach gemacht. Sie folgte klaren Kriterien. Sprich: Die Unterbringungslösung muss sofort realisierbar sein, das Gebäude braucht eine ausreichende Infrastruktur (Sanitäranlagen, Heizung usw.) und es muss ausreichend groß sein“, heißt es aus dem Rathaus.

Unter den gemeindeeigenen Sporthallen habe sich die Haldenschule in der aktuellen Situation am ehesten für die Maßnahme geeignet. Für den Sportunterricht könne alternativ und schnell erreichbar die Halle der Sportvereinigung Rommelshausen genutzt werden, somit werde der Schulbetrieb kaum beeinträchtigt. Und im Vergleich zu anderen Hallen gebe es weniger Einschränkungen für den Vereinssport – auch für Kinder. Damit der Sportunterricht der Schüler und die bisherige Hallenbelegung unter dieser Maßnahme nicht leiden, sei die Gemeinde mit der Schule und Sportvereinen im Gespräch, so Bürgermeister Paulowitsch.

Bürgermeister Paulowitsch bittet um Verständnis

„Die Situation spitzt sich wirklich dramatisch zu“, sagt der Bürgermeister und bittet die Bürger eindringlich um „Verständnis für diese Maßnahmen“ und um Unterstützung „bei der Versorgung der Menschen“. Darüber hinaus sagt er: „Ich weiß, dass solche Einschnitte wirklich auch gravierend sind für viele Menschen, aber in der Situation, in der wir sind, die ist einfach mit Einschnitten verbunden.“

Bürger äußern Kritik und Bedenken

Einige Bürger äußerten unter dem Facebook-Beitrag des Bürgermeisters Kritik und Bedenken bezüglich des geplanten Vorhabens. Während manche Nutzer „eine Sammelunterkunft direkt an der Grundschule mehr als fraglich wie auch schlecht“ finden, machten andere auf die bereits bestehenden Einschränkungen für die Schüler „aufgrund der derzeitigen Bausituation“ aufmerksam. Auch der Elternbeiratsvorsitzende der Haldenschule kritisierte im Kommentarfeld, dass die Eltern „in der Entscheidungsfindung übergangen“ worden seien. Aufgrund der kurzfristigen Anfrage des Landratsamts habe es für weitere Abstimmungen keine Zeit gegeben, so der Bürgermeister. Er schreibt: „Es gab jedoch sehr gute Gespräche mit der Schulleitung und den Sportvereinen.“

Bürgermeister Benedikt Paulowitsch kann die „Sorgen und auch den Unmut in weiten Teilen verstehen“, antwortet er den Kommentatoren. Auch das Rathaus und er persönlich seien alles andere als zufrieden mit dieser Lösung gewesen. Er versicherte, dass weiterhin andere Alternativen untersucht werden.

Helfer und Wohnungen gesucht

Benötigt werden noch Helfer zur Betreuung (auch stundenweise) der Geflüchteten, ebenso wären Personen mit ukrainischen oder russischen Sprachkenntnissen sehr hilfreich. Eventuell sei auch eine ehrenamtliche Entschädigung oder eine Anstellung im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung möglich. Interessierte können sich per E-Mail an ukraine-hilfe@kernen.de oder telefonisch unter 0 71 51/40 14 158 melden.

Die Sporthalle der Haldenschule wird zu einer Sammelunterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine. In den kommenden Tagen soll die Halle im Auftrag des Landratsamts vorbereitet und mit Betten bestückt werden. Auch wenn Bürgermeister Benedikt Paulowitsch sie als „schlechteste Unterbringungssituation“ bezeichnete, gibt es ihm zufolge keine Alternative. „Wir sind jetzt leider an dem Punkt angekommen, dass wir erstmals eine Hallenbelegung machen müssen“, sagt der Kernener Bürgermeister in einem

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