Kernen

Kernen: Wie "Mr. Phuc" und Bäckerei Emil Reimann die Mehrwegpflicht umsetzen

Mehrwegverpackung
Van Vinh Nguyen will den Vorrat an Einwegverpackungen in der Zukunft ganz durch Mehrweg-Verpackungen ersetzen. © Gaby Schneider

Im Restaurant „Mr. Phuc“ in Rommelshausen gehen täglich Essens-Bestellungen ein – telefonisch und über die Lieferdienst-Plattform „Lieferando“. „Im Durchschnitt 15- bis 20-mal am Tag, am Wochenende mehr“, schätzt Inhaber Van Vinh Nguyen.

Das vietnamesische Restaurant in der Waiblinger Straße liefert die gewünschten Gerichte bis zu den Kunden nach Hause. Verpackt ist das vietnamesische Essen bislang in Einweckverpackungen, den klassischen weißen Styroporbehältern. Die will Inhaber Van Vinh Nguyen aber bald verbrauchen, um neue Behälter bestellen zu können. Denn seit dem 1. Januar 2023 gilt laut dem Verpackungsgesetz: Für Essen und Getränke zum Mitnehmen und Bestellen muss zusätzlich eine Mehrwegoption angeboten werden. Wie das genau aussieht, wird auf der Internetseite der Bundesregierung erklärt. Kunden sollen die Wahl zwischen einem Einweg- und einem Mehrweg-Behälter haben.

Eine Ausnahme gibt es für kleinere Betriebe mit „maximal fünf Beschäftigten und maximal 80 Quadratmetern Verkaufsfläche“, heißt es auf der Seite. Diese Betriebe können das Essen und die Getränke in mitgebrachte Behälter abfüllen. Dafür müssen sie jedoch die Kundschaft deutlich daraufhin weisen.

Papiertüte, Holzgabel, Mehrwegbehälter: Viele Versuche scheiterten

„Viele Kunden bringen die Behälter von zu Hause mit“, sagt Van Vinh Nguyen. In den letzten Jahren habe er immer wieder versucht, auf nachhaltige Alternativen zu den Einwegverpackungen, -geschirr und Plastiktüten umzusteigen. Mit nur mäßigem Erfolg. „Entweder ist das Essen beim Transport in der Papiertüte ausgelaufen oder die Mehrwegbehälter wurden trotzdem weggeschmissen“, sagt der 32-Jährige. Einmal habe er versucht, Gabeln aus Holz und nicht aus Plastik für das To-go-Geschäft zu etablieren. Doch auch die Holzgabeln haben sich nicht bewährt. „Die waren nicht gut zum Essen“, sagt er.

Der Vietnamese ist fast sein ganzes Berufsleben in der Gastronomie tätig. Das Restaurant „Mr. Phuc“ führt er schon seit 2014 - beinahe zehn Jahre lang. Aus den vergangenen Jahren weiß er um die Preise für die Einwegbehälter, die nun angestiegen sind. „Alles wird teurer“, sagt er. Gerade sei er mit einer Firma, die Verpackungsmaterialen liefert, im Gespräch, um auszuloten, welche Mehrwegoptionen sich für das Restaurant eignen. Doch nicht immer sind die Styroporschalen gefragt: Neben der Kundschaft, die das Essen zum Mitnehmen oder über den Lieferdienst bestellt, gibt es aber auch Kunden, die vor Ort im Laden essen. „In der Mittagspause kommen viele Menschen zum Essen“, sagt Van Vinh Nguyen.

Bäckerei Emil Reimann führt selbstgestaltete Mehrweg-Becher ein

Doch nicht nur im Lieferdienst sind Einweg-Verpackungen ein Thema, bedenkt man beispielsweise die Kaffeebecher, die morgens auf dem Weg zur Arbeit über die Verkaufstheke in Bäckereien wandern. Die Mehrwegverpackungspflicht „betrifft uns alle“, sagt Daniel Eckstein, Betriebsleiter der Bäckerei

„Emil Reimann Remstal“, die ihren Hauptsitz in Kernen hat.

Seit dem 1. Januar gibt es in den 36 Filialen der Bäckerei im Remstal und Raum Stuttgart wiederverwendbare Kaffeebecher. Für einen Euro Pfand erhalten Kunden auf Wunsch einen schwarzen Becher mit weißem Logo, der in jeder der 36 Filialen zurückgegeben werden kann.

Über den Erfolg des eigenen Mehrweg-Systems kann der Betriebsleiter aktuell noch nichts sagen. Durch Feiertage und Urlaube habe sich das System noch nicht im normalen Betrieb beweisen können. „Viele Leute gehen in dieser Woche erst wieder zur Arbeit“, fügt Daniel Eckstein hinzu. Einen ersten Testlauf gab es allerdings schon im Jahr 2021. „Da wurden unsere Mitarbeiter geschult“, so der Betriebsleiter. Doch nicht nur der Kaffee to go soll in der Bäckerei in einem wiederverwendbaren Behälter ausgeschenkt werden.

In der Zukunft plant das Unternehmen, in Filialen mit Mittagstisch ebenfalls Speisen in Mehrwegbehältern zum Mitnehmen zu verkaufen. „Wir sind bestrebt, alles zu tun, um Ressourcen zu schonen“, sagt er. Dennoch steht er der verpflichtenden Regelung des Bunds kritisch gegenüber. Statt der Mehrwegpflicht „wäre es der bessere Weg, Überzeugungsarbeit in der Gesellschaft zu leisten“.

Ein Vorteil der Einführung eines Mehrweg-Systems könne sein, dass man langfristig an Kosten für das Einweggeschirr spart. Auch wenn zu Beginn die Anschaffungskosten und der organisatorische Aufwand stehen.

Wie begründet die Bundesregierung die neue Mehrwegpflicht?

„In Deutschland entsteht täglich tonnenweise Verpackungsmüll durch Take-away-Einwegverpackungen“, heißt es auf der Internetseite der Bundesregierung. Die Mehrwegbehälter für Essen und Getränke sollen dazu beitragen, „Abfälle zu vermeiden, Rohstoffe zu sparen und die Umwelt zu schonen.“

Das Verpackungsgesetz sieht vor, dass ab 2025 PET-Einweg-Getränkeflaschen mindestens 25 Prozent Recycling-Plastik, sogenanntes Rezyklat, enthalten müssen. Bereits seit 2022 gibt es auf alle Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff und sämtliche Getränkedosen Pfand.

Im Restaurant „Mr. Phuc“ in Rommelshausen gehen täglich Essens-Bestellungen ein – telefonisch und über die Lieferdienst-Plattform „Lieferando“. „Im Durchschnitt 15- bis 20-mal am Tag, am Wochenende mehr“, schätzt Inhaber Van Vinh Nguyen.

Das vietnamesische Restaurant in der Waiblinger Straße liefert die gewünschten Gerichte bis zu den Kunden nach Hause. Verpackt ist das vietnamesische Essen bislang in Einweckverpackungen, den klassischen weißen Styroporbehältern. Die will Inhaber Van

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