Kernen

Kernen: Wieso das Geschäft von Irmgard Möhlmann trotz 3G-Wegfall geschlossen ist

Irmgard Möhlmann
Raumausstatterin und CDU-Gemeinderätin Irmgard Möhlmann (70) in ihrem Gardinengeschäft in der Hindenburgstraße in Stetten. © Gabriel Habermann

Die Liebe zu Farben, Formen und unterschiedlichen Materialien hat Irmgard Möhlmann in die Wiege gelegt bekommen. Sie ist in die Fußstapfen ihrer Vorfahren getreten und lernte im Jahr 1969 den Beruf des Raumausstatters. „Boden legen, tapezieren, streichen – ein Rundumpaket“, fasst Irmgard Möhlmann ihre alltägliche Arbeit in Kürze zusammen. Fest steht für die 70-jährige Stettenerin: Auch heute noch würde sie sich für diesen Beruf entscheiden.

Seit 1990 betreibt sie das Gardinengeschäft in Stetten

Von der Firma „Scheufler“ mit Sitz in Waiblingen – die von ihrer Familie nun in fünfter Generation betrieben wird – trennte sich Irmgard Möhlmann und machte sich selbstständig. Sie übernahm im Jahr 1990 das Gardinengeschäft in der Hindenburgstraße in Stetten, das im Jahr 1974 gegründet wurde.

Doch wie wirkte sich die Corona-Krise auf den Betrieb aus? „Während der Pandemie habe ich nicht gespürt, dass Kunden weniger kommen“, sagt Irmgard Möhlmann, die seit 2004 für die CDU-Fraktion im Kernener Gemeinderat sitzt. Im Gegenteil, es sei im Vergleich sogar mehr los gewesen.

Statt Urlaub wird in die Einrichtung investiert

Die Raumausstatterin weiß auch warum: „Die Kunden haben gesagt ‘Ach Frau Möhlmann, ich kann jetzt nicht in den Urlaub, ich investiere jetzt in mein Heim’.“

Gardinen sind allerdings kein Bedarf des täglichen Lebens. Deswegen habe sie coronabedingt zu Beginn der Pandemie ihren Laden schließen müssen, aber die Anfragen bearbeitete Irmgard Möhlmann telefonisch, fertigte die Bestellungen in ihrem Nähzimmer an und brachte unter Einhaltung der Corona-Hygienemaßnahmen die Gardinen, Kissen und Co. ihren Kunden. „Wir haben ja auch einen Stickbetrieb dabei, da war es genauso. Die Kunden haben bestellt und ich habe es abends ausgefahren.“

Während Corona viele Bestellungen telefonisch bearbeitet

Als jedoch bestimmte Corona-Einschränkungen im Einzelhandel galten, Kunden einen negativen Schnelltest nachweisen mussten oder nur diejenigen, die genesen oder vollständig geimpft waren, Zutritt hatten, habe sie die Veränderung bei den Kunden gesehen. Da seien weniger Leute ins Geschäft gekommen. „Das war also deutlich zu spüren“, sagt sie, „aber ich habe das meiste am Telefon gemacht.“ Und wenn Bedarf bestand, ist die Raumausstatterin auch zu ihren Kunden nach Hause gefahren – was grundsätzlich zu den Aufgaben eines Raumausstatters gehört. Mit aufgesetzter Maske und reichlichem Abstand, so Möhlmann.

Jetzt, wo die 3G-Regelung im Einzelhandel aufgehoben wurde, muss Irmgard Möhlmann jedoch ihr Geschäft in der Hindenburgstraße schließen. Allerdings nicht pandemiebedingt. Die 70-Jährige wird an ihren beiden Knien operiert und kann ihrer Tätigkeit eine bestimmte Zeit lang nicht nachgehen. „Ich habe alles abgearbeitet und fange, wenn der liebe Gott will, und meine Füße wieder gehen, wieder an zu arbeiten“, sagt die zweifache Mutter und Großmutter von vier Enkelkindern. „Ich würde mich riesig freuen, wenn meine Kunden wieder kommen.“

„Ich habe noch nie gearbeitet, es war immer mein Hobby“

Irmgard Möhlmann weiß bereits, dass ihr in dieser Phase, in der sie sich schonen muss, die Arbeit fehlen wird. „Am meisten Spaß macht mir die Beratung meiner Kunden“, sagt sie. Auch bevorzugt sie es, von der Leidenschaft zu sprechen, statt von der Arbeit. „Ich habe noch nie gearbeitet – es war immer mein Hobby“, sagt die Raumausstatterin. Dazu gehört: „Menschen glücklich und zufrieden zu machen. Mein letzter Satz ist immer, bis meine Kunden den Laden verlassen: ‘Sind Sie zufrieden?’“

Irmgard Möhlmann selber ist glücklich, wenn das Ergebnis und ihre Arbeit wertgeschätzt werden. „Wenn Sie fertig sind mit Ihrer Arbeit und der Kunde sagt ‘Mensch, ist das schee’“, sagt Irmgard Möhlmann, „das ist was ganz Tolles.“ Auch ist für die Stettenerin sicher: „Ich hätte nie einen Beruf machen können, wo ich mit trockenem Papier arbeite.“

Neben handwerklichem Geschick braucht es als Raumausstatter auch ein gewisses Gespür für Hochwertigkeit. Deshalb ist die 70-Jährige auf Messen auf der Suche nach qualitativen Stoffen und Trends. „Da kaufen wir unsere neuen Kollektionen, da sehen wir, was neu auf dem Markt ist“, sagt sie. „Das ist so prickelnd.“

Das Problem während der Pandemie sei allerdings, dass die Verkaufsausstellungen aufgrund der geltenden Regelungen nicht stattfinden durften. „Jetzt ist alles wieder offen“, sagt sie, „aber ich kann auf keine mehr.“ Zum einen sei sie gut mit Materialien eingedeckt und zum anderen bevorzugt sie aus Kosten- und Zeitgründen die Messe in Backnang. „In Backnang sind die Hersteller, die ich brauche, und die sind für mich sehr interessant.“

„Ich möchte noch nicht aufhören, weil mir mein Beruf so Spaß macht“

Gekauft werden nur die Stoffe, die den Geschmack ihrer Kunden treffen, berichtet Irmgard Möhlmann. „Ich kenne meine Kunden sehr, sehr gut“, sagt sie. Laufkunden habe sie keine – nur Stammkunden. „Ich bin da stolz darauf, dass ich sehr viele Stammkunden habe“, sagt sie. „Die fragen mich ‘Wie lange machst du denn noch?’ oder ‘Wann hörst du auf’?“

Die Frage hat die 70-jährige Raumausstatterin bereits für sich beantwortet: „Ich möchte noch nicht aufhören, weil mir mein Beruf so Spaß macht.“

Die Liebe zu Farben, Formen und unterschiedlichen Materialien hat Irmgard Möhlmann in die Wiege gelegt bekommen. Sie ist in die Fußstapfen ihrer Vorfahren getreten und lernte im Jahr 1969 den Beruf des Raumausstatters. „Boden legen, tapezieren, streichen – ein Rundumpaket“, fasst Irmgard Möhlmann ihre alltägliche Arbeit in Kürze zusammen. Fest steht für die 70-jährige Stettenerin: Auch heute noch würde sie sich für diesen Beruf entscheiden.

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Seit 1990 betreibt sie das

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