Kernen

Kernen zeigt sich von seiner besten Seite

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Das Remstalwerk ist einer von 70 Ausstellern, die am Samstag und Sonntag in Rommelshausen präsent gewesen sind. © Büttner / ZVW
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Leistungsschau
Tipps aus erster Hand: Beratung wird bei der Infoschau großgeschrieben. © Benjamin Büttner
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Bei Scholz Haare haben die Besucher eine neue Frisur bekommen.

Kernen. Kernen ist wirtschaftlich gut aufgestellt, lautete die Botschaft von Bürgermeister Stefan Altenberger am Samstag in der Rumold-Realschule bei der Eröffnung der „Infoschau Kernen 2018“, die unter dem Motto „Vielfalt, Kompetenz, Zukunft“ stand.

Es wuselte am Samstagmorgen nur so vor Umtriebigkeit im Hof der Rumold-Realschule, eine Geschäftigkeit, wie man sie sonst nur von der großen Pause her kennt. Während ein einsamer „Schwarzer Sheriff“ den Zufahrtsverkehr dirigierte, wurden Sonnenschirme aufgespannt, Biergarnituren aufgeschlagen und Pavillons hergerichtet.

Leistungsstark und innovativ

Mit Sackkarren wurden Kartons mit Gläsern und Geschirr herbeigeschafft, Essen wurde vorbereitet, Fässer wurden gerollt und Mikrofone angeschlossen. Pünktlich um zehn Uhr war alles bereit zur Eröffnungsfeier.

„Ich gebe zu, anfangs war ich skeptisch, ob das Messekonzept erfolgreich sein wird – und ob die Veranstalter wirklich so viele Aussteller zusammenbekommen werden“, gestand Altenberger. Nun aber ziehe er gerne den Hut vor den Veranstaltern und ihrem großen ehrenamtlichen Engagement. Ausdrücklich dankte der Bürgermeister dem Gewerbeverein Kernen, „Freundliches Kernen“, dem „Kümmerer“ Marcel Baars und dem Organisationsteam.

Toll sei es, dass die Aussteller trotz voller Auftragsbücher und dicht gedrängter Terminkalender bei der Infoschau präsent seien und zeigten, welche Qualität die lokalen mittelständischen Unternehmen hätten. Und wie leistungsstark und innovativ der Wirtschaftsstandort Kernen sei. Gerade die mittelständischen Unternehmen seien der Wachstumsmotor. Sie schaffen Arbeitsplätze und Wohlstand. Sie machen Baden-Württemberg und Bayern bundes- und europaweit zu „Vorzeigeländer“.

Wie ein Volksfest

Besonders freue er sich, so Altenberger, „dass unsere Wengerter und Gastronomen mit dabei sind. Wir sind hier in Kernen eine große Familie.“ Dadurch werde die Infoschau zusammen mit ihrem Rahmenprogramm „gewissermaßen zu einem kleinen Volksfest und zeigt zugleich, dass auch das Miteinander funktioniert – auch etwas, das den Standort Kernen auszeichnet und prägt“.

Sprach's, absolvierte einen Rundgang von Stand zu Stand durch die Schulturnhalle und schwang sich auf den Drahtesel, um zu der Radtour zum Europäischen Partnerschaftstreffen mit Dombóvár und Ogulin nach Kroatien loszuradeln.

Direkte Kontakte in der Zeit des Internethandels

Für Landrat Dr. Richard Sigel war die Veranstaltung der beste Beweis dafür, dass es gerade in der Zeit des Internethandels Sinn ergebe, direkte Kontakte aufzubauen und potenzielle Kunden direkt anzusprechen. Der persönliche Eindruck schaffe Vertrauen und lasse sich durch Digitalisierung nicht ersetzen.

Dies zeige sich in Rommelshausen ebenso wie auf den großen internationalen Messen, die schon oft totgesagt wurden, aber stetig Besucherrekorde erlebten. Und in Kernen, so seine Überzeugung, könnten die Menschen stolz auf den lokalen Handel und das Gewerbe sein.

Sigel dankte ausdrücklich dem Kerner Kümmerer Marcel Baars sowie allen, die Hand in Hand diese Veranstaltung vorbereitet hatten. Er hoffe, das Wetter halte und es komme keine Weltuntergangsstimmung auf, wie in den vergangenen Tagen, an denen mancher Keller zulief und es in so manche Veranstaltung hineinregnete.

„Es lohnt sich, hier in Kernen direkt vor Ort einzukaufen"

Beruhigend sei es, so der Landrat mit Blick auf Kommandant Andreas Wersch, dass die Feuerwehr bei der Infoschau mit dabei, somit an Ort und Stelle und bereitstehe, im Notfall einzugreifen und zu helfen. „Die Feuerwehr ist präsent“, so der Landrat, „aber sie soll an diesem Wochenende feiern, wie alle anderen auch, und hoffentlich nicht ausrücken müssen.“

Landtagsabgeordneter Jochen Haußmann unterstrich die Bedeutung gerade der kleinen und mittleren Unternehmen in Baden-Württemberg. Sie erwirtschafteten 50 Prozent des Umsatzes und stellten zwei Drittel der Arbeitsplätze zur Verfügung.

Er gratulierte den Veranstaltern dazu, dass sie den lokalen Unternehmen mit dieser Veranstaltung die Möglichkeit böten, ihr Serviceangebot und ihre Innovationen vorzustellen. Sein persönliches Fazit aus der Infoschau: „Es lohnt sich, hier in Kernen direkt vor Ort einzukaufen, und nicht sonst irgendwo!“

Als neuestes Beispiel genau dafür stellte Marcel Baars den Gästen der Eröffnungsfeier den „Kerner In-Sekt“ vor. Ein Bio-Rosé auf Champagnerbasis des Weinguts Zimmer und ein Riesling Brut des Weinguts Bader/Singer, ebenfalls auf Champagner- Basis. Diesen Sekt gebe es demnächst auch in den Geschäften in Kernen zu kaufen, und das Besondere an diesen beiden Sekten sei, dass sie tatsächlich hier vor Ort in Kernen reiften, und dass von jeder verkauften Flasche 1,50 Euro an das Projekt „Bienenfreundliche Kulturlandschaft“ abgeführt würden.


Einer dieser Magneten war der gemeinsame Stand von Remstal-Gartenschau, Gemeinde Kernen, Remstalwerk, Volkshochschule, Kunst- und Musikschule. „Es sollen für uns alle, Aussteller und Besucher, zwei schöne Tage werden!“, hoffte Musikschulleiter Heiko von Roth.

Vielfältiges Angebot

Für die Musikschule sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen, sich an der Leistungsschau zu beteiligen, schließlich sei man Kernen als einer der Trägergemeinden eng verbunden. Die Veranstaltung sehe er als hervorragende Gelegenheit, die Bevölkerung über die Musikschule und deren vielfältiges Angebot zu informieren. „Wir können unsere Info-Broschüren verteilen und kommen mit den Familien ins Gespräch.“ Und als besonderes Highlight trete am Nachmittag die Sängerin und Songwriterin Sara Neitzel auf, die schon an Christi Himmelfahrt beim Familientag in der Talaue mit ihrem Vortrag begeistert hatte.

Und während Heiko von Roth im Selbstversuch noch probierte, über den Dynamo des vom Remstalwerk aufgebauten Fahrrads genügend Strom zu erzeugen, um eine Lampe zum Leuchten zu bringen, wandten sich Wolf Grünenwald und Sabine Payer-Herkommer von der Remstal-Gartenschau an die Besucher und versuchten sie als „Mitmacher“ zu gewinnen. „Leit, mir brauchet eich!“, hielt ihnen Grünenwald entgegen.

Seit nunmehr dreißig Jahren sei er beruflich in Sachen Gartenschau unterwegs, und wenn sich eines in dieser Zeit bewiesen habe, dann, dass der Erfolg mit den ehrenamtlichen Helfern stehe und falle. Ohne sie könne eine solche Mammutveranstaltung überhaupt nicht gestemmt werden – und bei einem derart innovativen Konzept wie der Remstal-Gartenschau schon gar nicht. „Kann man sich bessere Botschafter vorstellen als Menschen, die selbst begeistert mitmachen und mit Herz und Seele dabei sind?“

„Willkommen im Leben“ lautete das Motto des Standes der Diakonie Stetten, der vom Eingang aus gesehen links hinter dem Gartenschauteam aufgebaut war. Gabriele Ilg-Wilhelm stellte die Töpferwaren, Handwebereien, Holzprodukte, Kerzen und Glückwunschkarten vor, die in den Werkstätten in Stetten, Waiblingen und Schorndorf in Handarbeit hergestellt und dort auch verkauft werden.

Zu einem Blickfang nicht nur für Technikbegeisterte entwickelte sich ein von Andreas Kemmer, dem Leiter des Vorrichtungsbaus, betreuter, eins zu eins aufgebauter Arbeitsplatz, an dem sonst in Waiblingen der „AMF Schraubboy“ in zehn bis fünfzehn Minuten von einem Mitarbeiter montiert wird. „Wir wollen damit zeigen, wie bei uns unterstützend gearbeitet wird und welche selbst hoch komplizierten Arbeitsabläufe dadurch möglich sind“, so Kemmer.

Nur wenige Schritte davon entfernt stellten der geschäftsführende Zweite Vorsitzende der Spvgg Rommelshausen, Peter Hörterich, Heike Schnaidt-Glenz von der Vereinsgeschäftsstelle und Marc Haussmann aus der Leichtathletikabteilung den „Sportpunkt Kernen“ vor und bemühten sich, mit einem speziellen Frühbucherangebot jetzt schon Interessenten zu gewinnen, wenn im kommenden Jahr der Betrieb losgeht.

Unterstützt wurden sie dabei von Patrick Entreß, der den Sportpunkt leiten wird. Den durchaus auch kritischen Fragen dazu stellte sich Hörterich mit der Versicherung, nein, der Verein trete keineswegs in Konkurrenz zu kommerziellen Sportstudios. Es gehe vor allem darum, mit diesem Angebot aus dem Gesundheitssport und Wohlfühlbereich vor allem Ältere anzusprechen und in den Verein zurückzuholen.

„Mir schwirrt der Kopf“

„Eine fantastische Schau! Ich bin begeistert! Aber mir schwirrt der Kopf!“, seufzte einer der Besucher, der im Schlepptau von Ehefrau und zwei luftballonbewehrten Grundschulkindern nach dem Rundgang wieder zum Halleneingang zurückgefunden hatte.

„Jetzt noch zur Feuerwehr, die sich vor dem Schulhof auf der Straße aufgebaut hat. Das bin ich meinem Sohn schuldig. Danach brauch ich aber unbedingt eine Stärkung, etwas Handfestes. Und morgen früh komm ich dann allein wieder zum Weißwurstfrühstück. Dort treffe ich meine Vereinskameraden und schau mir die Infoschau noch einmal in aller Ruhe an. Um all das Gesehene zu sortieren und die vielen Eindrücke zu ordnen.“


Viele Teilnehmer

70 Aussteller, darunter allein 50 aus Kernen, dazu fünf Gastronomen und fünf Weingüter waren am Wochenende auf der Infoschau Kernen 2018 präsent und stellten sich und ihre Leistungen vor. Es ging um die Themen Haus und Energie, Marktplatz der Region, Gesundheit, Wellness und Sport, Mobilität, regionale Spezialitäten sowie Freizeit, Reise und Tourismus. Auch der Zeitungsverlag Waiblingen war mit einem Stand präsent. Die Besucher konnten am Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr kommen.

Für Feierlaune sorgten am Samstag die Vier-Mann-Cover-Band „Abstract“ aus Stuttgart und die Integrativband „The Cool Chickpeas“ aus Backnang. Am Sonntag lud der Musikverein Rommelshausen zu einem zünftigen musikalischen Weißwurstfrühstück. Fehlen durfte auch nicht ein umfangreiches Kinderprogramm, das von einem Malwettbewerb über das Kinderkarussell bis hin zu einem Clownsauftritt reichte.

Ein Shuttlebus-Service bediente an beiden Tagen eine Rundtour vom Bahnhof Rommelshausen über das Gewerbegebiet Lange Furchäcker zur Endersbacher Straße und Kelter in Stetten.