Kernen

Klettergarten in Stetten leidet unter Kugelbahn-Besuchern, Müll und Übernutzung

Klettergarten Stetten
Helmut Reinhard, Leiter der Remstal-Bezirksgruppe, im Klettergarten in Stetten. © Gabriel Habermann

Nicht nur Anwohner in Stetten sind vom Andrang auf die Kugelbahn, Parkplatzsuchverkehr am Wochenende und wilden Parken im Ort und in den Weinbergen äußerst genervt – auch die Pächter des Klettergartens ärgern sich über zurückgelassenen Müll und die unbefugte Nutzung der Anlage. „Wir sind seit der Gründung des Klettergartens Pächter“, sagt Helmut Reinhard. „Wir“, das ist die Bezirksgruppe Remstal, Sektion Stuttgart des Deutschen Alpenvereins.

Im Großen und Ganzen habe alles im Klettergarten gut funktioniert, sagt der Leiter der Remstal-Bezirksgruppe, „dann kam die Gartenschau“. Damit verbunden die rund 220.000 Euro teure Herzogliche Kugelbahn, die im Jahr 2019 als Attraktion der Remstal-Gartenschau über Stetten gebaut wurde. Sie erstreckt sich vom Sängerheim bis zum Klettergarten – und ist bei zahlreichen Familien über die Gemeinde Kernen hinaus sehr beliebt und bekannt.

„Das, was ich damals prophezeit habe“, sagt Helmut Reinhard, „ist jetzt passiert.“ Die Kugelbahn ist in den vergangenen Jahren – insbesondere während der Corona-Pandemie – zu einem Besuchermagnet geworden. Bei schönem Wetter zieht sie viele Ausflügler nach Stetten. Ein Fluch und Segen zugleich. Um größere Menschenansammlungen zu verhindern, blieb die Anlage während Corona von Oktober 2020 bis Juni 2021 geschlossen.

Müll bleibt liegen, Ehrenamtliche sammeln Reste auf

Seitdem der Betrieb wieder normal läuft und bei schönem Wetter viele Familien die Kugelbahn besuchen, machen einige auch einen Abstecher in den Klettergarten, wie Helmut Reinhard oft beobachtet. Manche legen auf den Bänken, die der Verein aufgestellt hat, eine Pause ein und vespern. „Das ist kein Problem für uns“, sagt Helmut Reinhard, „wenn sie ihren Müll wieder mitnehmen.“ Denn immer wieder stellten die Kletterer fest, dass „oben irgendwelche Reste“ zurückgelassen werden, die dann von Ehrenamtlichen eingesammelt werden.

„Die Kinder springen unterhalb der Kletterer herum“

Auch ärgert sich Helmut Reinhard über das uneinsichtige Verhalten vieler Besucher, wenn beispielsweise manche Mädchen und Jungen unbefugt den Klettergarten betreten, sich und Kletterer dadurch in Gefahr bringen. „Die Kinder springen unterhalb der Kletterer herum“, sagt Helmut Reinhard. „Und wenn da mal etwas passiert, wenn ein Kletterer auf ein Kind herunterstürzt“, sagt er, an die Folgen möchte er gar nicht denken. Deshalb habe man in Absprache mit der Gemeindeverwaltung „eine neue Absperrleine“ angebracht, damit nicht jedermann „direkt an den Fels rangehen“ kann. „Das wird einfach nicht eingehalten“, beobachtet er immer wieder, „die Kinder schlüpfen untendurch.“

Ohne Sicherung zu klettern, ist untersagt – doch das wird von vielen nicht beachtet

Und es bleibe auch nicht dabei. Viele Kinder klettern eigenständig und ohne Sicherung, sagt er. Jüngst habe er beobachtet, wie „eine Frau unten stand und die Kinder in fünf bis sechs Metern Höhe frei rumgeklettert sind“, berichtet Helmut Reinhard. „Dann habe ich den Eltern gesagt ,Leute, das ist ein Klettergarten, da kann man ohne Sicherung nicht einfach so rumklettern‘.“ Doch statt Einsicht habe man ihm entgegnet, dass es diesbezüglich keine Hinweisschilder gebe. „Es gibt eine Benutzerordnung“, sagt Helmut Reinhard. Die hat er jetzt eigenen Angaben zufolge extra in DIN-A0 (84,1 cm x 118,9 cm) erstellen lassen. Er hofft: „Dass jetzt irgendjemand mal sieht, dass da drinsteht, dass das Klettern nur mit Sicherung erlaubt ist.“ Fest steht für den Alpenverein: Der Klettergarten ist kein Freizeitpark für Massenpublikum, weshalb Familien, die einen Ausflug zur Kugelbahn unternommen haben, die Anlage nicht betreten sollen.

Auch ärgert sich der Vorsitzende in Stetten, dass die Anlage durch „Übernutzung durch Besucher von der Kugelbahn“ Schäden davonträgt. „Wir haben den Boden des Klettergartens mit Kies aufgefüllt“, sagt er, „dass, wenn jemand stürzt, er nicht auf purem Beton aufkommt.“ Man habe zur Entwässerung eine Drainage angebracht, die man vor drei Jahren wieder rausholen musste, da sie durch runterrutschende Erdmassen verstopft wurde.

Außer an die Vernunft der Ausflügler zu appellieren, bleibt ihnen nicht viel übrig: „Wir können den Klettergarten nicht absperren, das geht nicht, das ist ein Landschaftsschutzgebiet, da darf man keine Zäune errichten“, sagt Helmut Reinhard. „Das wollen wir auch nicht.“

Diesbezüglich habe der Alpenverein bereits Gespräche mit der Gemeindeverwaltung und Bürgermeister Benedikt Paulowitsch geführt und „zusammen versucht, Lösungswege zu finden“, sagt er.

„Dass die Gemeinde jetzt nichts tun kann, um den Klettergarten oder die Kugelbahn zu verlegen, das ist mir auch klar“, sagt der Vorsitzende in Stetten. Auch betont er ausdrücklich, „mein Ärger richtet sich nicht gegen Herrn Paulowitsch“.

In Zukunft wünscht sich Helmut Reinhard: „Wenn es Arbeitsgruppen gibt, die sich mit der Kugelbahn beschäftigen, dann würden wir uns freuen, wenn wir auch mal angehört werden.“ Er findet: „Es sollte auch mal zur Sprache kommen, dass wir auch einer der Betroffenen sind.“

Verlegung der Kugelbahn zum Schützenhaus laut Reinhard nicht möglich

Zuletzt hatte sich der CDU-Gemeindeverband Kernen an der Frage nach dem künftigen Verbleib der Herzoglichen Kugelbahn beteiligt und vorgeschlagen, die Anlage auf das Areal des Schützenhauses in Stetten zu verlegen. Von dem vorgeschlagenen Standort hält Helmut Reinhard wenig: „Das sind enge Wege zum Schützenhaus“, sagt er. Das gehe aus seiner Sicht „gar nicht“.

Wie bereits berichtet, haben sich in Stetten wegen der Kugelbahn zwei Gruppen gebildet (Anwohner in der Steigstraße und in der Weinstraße), um auf das bestehende Problem aufmerksam zu machen und mit der Gemeinde nach Lösungen zu suchen. Ein Gespräch mit der Verwaltung soll demnächst stattfinden.

Nicht nur Anwohner in Stetten sind vom Andrang auf die Kugelbahn, Parkplatzsuchverkehr am Wochenende und wilden Parken im Ort und in den Weinbergen äußerst genervt – auch die Pächter des Klettergartens ärgern sich über zurückgelassenen Müll und die unbefugte Nutzung der Anlage. „Wir sind seit der Gründung des Klettergartens Pächter“, sagt Helmut Reinhard. „Wir“, das ist die Bezirksgruppe Remstal, Sektion Stuttgart des Deutschen Alpenvereins.

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