Kernen

Kommunale Wärmeplanung in Kernen: Mehr klimaneutrale Wärme, weniger Erdgas

Energiesparen
Symbolfoto. © Gaby Schneider

„In Kernen gibt es 3100 Wohngebäude, 7400 Wohnungen, circa 32.000 Räume und 15.000 Einwohner“, sagte Jeffrey Brencher in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses in Kernen. Als interkommunaler Klimaschutzbeauftragter für die Gemeinden Kernen, Remshalden und Winterbach stellte er die sogenannte kommunale Wärmeplanung vor. „Der Wärmebedarf dieser privaten Haushalte wird im Moment zu 85 bis 90 Prozent von fossilen Energieträgern gedeckt“, sagte Jeffrey Brencher. Doch fest steht, dass Brennstoffe wie Kohle, Erdöl oder Erdgas in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen werden, so der Klimaschutzbeauftragte.

Kommunale Wärmeplanung für Stadtkreise und große Kreisstädte verpflichtend

Deshalb sei es wichtig, andere, „vor allem auch lokale Energiequellen“ in Betracht zu ziehen. Obwohl die Wärmeplanung erst für Stadtkreise und große Kreisstädte mit mehr als 20.000 Einwohnern verpflichtend ist, möchte sich die Kernener Gemeindeverwaltung „früh und rechtzeitig“ daran beteiligen, weil sie eine klimaneutrale Wärmeversorgung anstrebt.

Die Wärmeplanung sei „eines der Projekte, was wir recht konsequent angehen wollen“, sagte der Kernener Bürgermeister Benedikt Paulowitsch.

Bis zum Ukraine-Krieg habe der Fokus bei der Energiewende bisher eher auf der Stromerzeugung gelegen, sagte der Klimaschutzbeauftragte. „Der Wärmesektor, also der Bereich der Heizungen, Prozesswärme und Kühlung, wurde oftmals ausgeblendet, obwohl ein Drittel der CO2-Emissionen in Baden-Württemberg auf die Wärmeversorgung zurückgeht“, schreibt die Gemeinde Kernen in ihrer Sitzungsvorlage, die federführend durch Jeffrey Brencher erstellt worden ist.

Der Krieg und der einhergehende Lieferstopp von Gas machten deutlich, dass bei der Energiewende nicht nur an Strom gedacht werden darf, heißt es weiter. Vielmehr müsse Strom und Wärme zusammen gedacht und geplant werden, so Brencher.

"Keine Energiewende ohne Wärmewende. Und keine Wärmewende ohne Wärmeplanung"

Daher lautet die Devise des Klimaschutzbeauftragten: „Keine Energiewende ohne Wärmewende. Und keine Wärmewende ohne Wärmeplanung.“

Der kommunale Wärmeplan, der in Baden-Württemberg vom Klimaschutzgesetz geregelt wird, dient unter anderem als ein strategischer Fahrplan für die Gemeinden und Kommunen. Er besteht aus vier Elementen.

Erstens muss der gesamte Bestand von öffentlichen und privaten Gebäuden in Kernen aufgenommen werden. Dabei werden unter anderem der Wärmebedarf, die Gebäude– und Versorgungsstruktur analysiert. Im zweiten Schritt wird die lokale, potenzielle Strom- und Wärmeversorgung mittels erneuerbarer Energien ermittelt.

Im nächsten Schritt werden Szenarien für eine klimaneutrale Wärmeversorgung im Jahr 2040 entwickelt und Konzepte erarbeitet, beispielsweise wie der zukünftige Wärmebedarf mit erneuerbaren Energien gedeckt werden kann.

Als letzter Schritt wird eine lokale, kommunale Wärmewendestrategie sowie ein Katalog mit ausgearbeiteten Maßnahmen erstellt. Darin sollen unter anderem Umsetzungsprioritäten und ein Zeitplan für die nächsten Jahre enthalten sein, etwa wo in der Gemeinde welche Wärmeversorgungsstruktur in den nächsten Jahrzehnten weiter ausgebaut werden soll.

Zusammengefasst sagte Jeffrey Brencher: „Mit der kommunalen Wärmeplanung machen wir erst mal eine Bestandsaufnahme, schauen, was haben wir überhaupt für Gebäude, wie kann man sie klassifizieren, wo brauchen wir welche Heizsysteme.“ Erst wenn das alles ermittelt worden ist, könne man in Folge eine Netzwärmestruktur aufbauen.

"Super Überblick" für die Gemeindeverwaltung

Auch das Kernener Gemeindeoberhaupt begrüßte das Projekt. „Mit der Wärmeplanung bekommen wir einfach einen super Überblick, wo welcher Handlungsbedarf ist“, sagte Bürgermeister Paulowitsch. Das Remstalwerk als lokaler Energieversorger ist mit im Boot, sagte er.

Der kommunale Wärmeplan muss erstmalig bis zum 31. Dezember 2023 vorliegen und anschließend alle sieben Jahre fortgeschrieben werden, so die Kernener Verwaltung. Um dieser neuen Pflichtaufgabe gerecht zu werden, gewährt das Land Baden-Württemberg Konnexitätszahlungen. Mit dem Förderprogramm „Freiwillige kommunale Wärmeplanung in Landkreisen und Gemeinden“ können der Verwaltung zufolge kleinere Kommunen die Landesförderung zur Erstellung eines kommunalen Wärmeplans beantragen. Daher möchte die Kernener Gemeindeverwaltung, mit den anderen Remstalwerk-Gemeinden Winterbach, Remshalden und Urbach in die Wärmeplanung interkommunal abgestimmt einsteigen.

Neben der Antragstellung für die Fördermittel seien Angebote von Dienstleistern einzuholen. Laut Kostenschätzung der Verwaltung liegt der Projektrahmen der Gemeinde Kernen bei etwa 75.000 Euro. Nach Abzug der Fördermittel ist mit einem Gemeindeanteil von rund 15.000 Euro zu rechnen.

Einstimmig hat der Technische Ausschuss dem Vorschlag der Gemeindeverwaltung zugestimmt, einen Wärmeplan zu erarbeiten. Am Donnerstag, 24. November, wird das Projekt in der Gemeinderatssitzung beraten und abschließend beschlossen. Darüber hinaus wird im Gemeinderat auch die Energieagentur Rems-Murr ein Fachreferat halten und dem Gremium das Konzept und die einzelnen Schritte vorstellen.

Die Energieagentur Rems-Murr wurde vom Land Baden-Württemberg beauftragt, als regionale Beratungsstelle im Rems-Murr-Kreis zur Unterstützung der kommunalen Wärmeplanung für verpflichtende und freiwillige Kommunen fachlich und konzeptionell zu unterstützen.

„In Kernen gibt es 3100 Wohngebäude, 7400 Wohnungen, circa 32.000 Räume und 15.000 Einwohner“, sagte Jeffrey Brencher in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses in Kernen. Als interkommunaler Klimaschutzbeauftragter für die Gemeinden Kernen, Remshalden und Winterbach stellte er die sogenannte kommunale Wärmeplanung vor. „Der Wärmebedarf dieser privaten Haushalte wird im Moment zu 85 bis 90 Prozent von fossilen Energieträgern gedeckt“, sagte Jeffrey Brencher. Doch fest steht, dass

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