Kernen

Kugelbahn und Yburg locken Touristen nach Stetten – zum Leidwesen von Anwohnern

Parkplatz Kugelbahn
Dieses Foto entstand am vergangenen Samstag: Die Plätze auf dem Parkplatz „Kugelbahn“ sind belegt. © Benjamin Büttner

Die Kugelbahn über dem Kernener Ortsteil Stetten, die zur Remstal-Gartenschau 2019 errichtet wurde, und die Ruine Yburg sind für viele Anwohner Fluch und Segen zugleich. Beide Attraktionen ziehen viele Ausflügler nach Kernen – mit der Folge, dass es viele Autos und viel zu wenig Parkplätze gibt.

Wildes Parken, sowohl im Ort als auch in den Weinbergen, kommt hinzu. Darüber hinaus fahren etliche Autos, trotz Hinweisschilder, die die Gemeindeverwaltung aufgestellt hat, verbotenerweise in die Weinberge.

Um dagegen etwas zu unternehmen und auf ihren „Leidensdruck“ aufmerksam zu machen, haben sich – unabhängig voneinander – zwei Anwohner-Gruppen in Stetten gebildet. Holger Scholz und Dr. Wolfgang Kohl, stellvertretend für die Anwohner in der Steigstraße, sowie Susanne und Rainer Baur, im Namen der Betroffenen in der Weinstraße, haben im Gespräch mit unserer Redaktion gesagt, worüber sie sich in Stetten ärgern.

Kugelbahn im Netz als tolles Ausflugsziel für Familien lockt viele Besucher an

„Der Leidensdruck hat sich sehr erhöht in letzter Zeit“, sagt Susanne Baur. Dadurch, dass die Kugelbahn im Netz sehr gut bewertet und von vielen Familien als tolles Ausflugsziel angepriesen werde, nehme der Andrang von Tag zu Tag zu, beobachtet die Anwohnerin. Ihren Angaben zufolge seien sogar Autos mit Kennzeichen aus Tübingen, Konstanz und Ulm in Stetten unterwegs. Stetten solle „in erster Linie ein Naherholungsgebiet für diejenigen sein, die in Kernen wohnen“, findet die Betroffene.

Fast ein Viertel des Orts ist vom Wochenendverkehr genervt, bilanziert Rainer Baur, der zunächst eine Art Umfrage in der Nachbarschaft startete und dann eine Online-Petition initiierte, um die Verkehrsbelastung in Stetten zu reduzieren. Die Unterschriftensammelaktion richtet sich gegen Bürgermeister Benedikt Paulowitsch. Das Feedback und die Resonanz habe auch sie überrascht, berichtet die Familie. Fast 200 Personen unterzeichneten die Petition. Ihr Ziel sei von Anfang an gewesen, sich im Ort umzuhören, um gemeinsam „eine Lösung zu finden“, erklärt Rainer Baur, „um dieses Problem zu entschärfen“.

"Irgendwie werden wir die Geister, die wir gerufen haben, nicht mehr los"

Auch betont Rainer Baur, dass er es nach wie vor für wichtig hält, dass von außerhalb Menschen nach Kernen kommen sollten. „Aber idealerweise sollen es Touristen sein“, sagt er, die Restaurants in Kernen besuchen oder bei Weingütern einkaufen. Genau das täten aus seiner Sicht die Familien, die zur Kugelbahn an- und wieder abreisen, nicht. Die Attraktion, die im Rahmen der Remstal-Gartenschau entstand, sei „eine gute Idee“ gewesen, findet er. Er fände es auch schade, sagt er, „wenn man die Kugelbahn zusammensägt“. „Aber irgendwie werden wir die Geister, die wir gerufen haben, nicht mehr los.“

Für Holger Scholz, der an der Steigstraße wohnt, ist es eine „ähnliche Leidensgeschichte“, wie er es selbst bezeichnet. Auch er habe sich mit den Betroffenen zusammengetan, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen, sagt er. „Um dann in Kontakt mit der Verwaltung zu kommen.“

Wolfgang Kohl, der sich ebenfalls über die Situation ärgert, findet, dass die Ausflugsziele in Kernen „einerseits für Beliebtheit“ und „andererseits aber auch für Unannehmlichkeiten“ sorgen. Daher gehe es darum, „dieses ins richtige Verhältnis zu bringen“, findet das Stettener Urgestein.

Diesbezüglich steht im April ein Gespräch mit Bürgermeister Benedikt Paulowitsch und den Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen an.

„Ich weiß, dass die Belastungen sehr, sehr groß sind"

„Wir sind auch gesprächsoffen, was Lösungen angeht“, sagt Bürgermeister Paulowitsch auf Anfrage unserer Redaktion. Dennoch betont der Kernener Rathaus-Chef, dass die Gemeinde und der Gemeinderat „sich in den letzten zwei Jahren intensiv Gedanken“ über dieses Thema gemacht haben. „Das war häufig Thema im Gemeinderat“, sagt er. „Ich weiß, dass die Belastungen sehr, sehr groß sind, und ich weiß, dass es für viele Anwohner nur schwer erträglich ist“, sagt er.

Aber das Problem sei nicht nur in Stetten vorhanden. Kommunen wie Weinstadt oder Korb seien ebenfalls davon betroffen. „Und die haben keine Kugelbahnen“, sagt der Bürgermeister.

Um mögliche Menschenansammlungen zu vermeiden, blieb die Attraktion vergangenes Jahr wegen der verschärften Corona-Maßnahmen gesperrt. Diese Maßnahme hält der Bürgermeister nach wie vor für eine richtige Entscheidung. Ansonsten sei der Andrang auf Stetten noch größer gewesen, findet er.

„Die Menschen drängen am Wochenende aus den Ballungsgebieten raus in die Natur. Und wir leben nicht im ländlichen Raum, sondern wir leben im suburbanen Raum direkt neben dem Ballungszentrum.“

In der Vergangenheit befasste sich der Kernener Gemeinderat bereits unter anderem mit der angespannten Parkplatzsituation in Stetten. So wurde, um den Verkehr besser zu lenken, unnötigen Suchverkehr und damit verbundene Emissionen zu vermeiden, beschlossen, in Kernen Parkleitsysteme zu installieren. Diese sollen vorhandene Parkplätze anzeigen.

Darüber hinaus stellte die Gemeinde in der Steigstraße, die hinauf in die Weinberge führt, Verkehrszeichen auf, die signalisieren sollen: „Hier geht’s nicht zur Kugelbahn.“ Bei der Planung des Highlights für die Remstal-Gartenschau sei vorgesehen gewesen, dass die späteren Besucher die normale Wanderroute des Stettener Rundwegs benutzen, sich die Kugelbahn also „erwandern“. Der Wanderweg startet in der Ortsmitte, die Kugelbahn-Stationen begleiten den Wanderweg auf einem rund 1,5 Kilometer langen Streckenabschnitt.

Die Kugelbahn über dem Kernener Ortsteil Stetten, die zur Remstal-Gartenschau 2019 errichtet wurde, und die Ruine Yburg sind für viele Anwohner Fluch und Segen zugleich. Beide Attraktionen ziehen viele Ausflügler nach Kernen – mit der Folge, dass es viele Autos und viel zu wenig Parkplätze gibt.

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Wildes Parken, sowohl im Ort als auch in den Weinbergen, kommt hinzu. Darüber hinaus fahren etliche Autos, trotz Hinweisschilder, die die Gemeindeverwaltung aufgestellt hat,

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