Kernen

Landwirt aus Rommelshausen wegen Tierquälerei angeklagt

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Gar nicht gut ging es einigen Kühen in einem Weinstädter Stall. Dafür muss sich nun ein Landwirt aus Rommelshausen verantworten. © Pixabay/CC0 Public Domain

Waiblingen/Kernen/Weinstadt. Ein Landwirt aus Rommelshausen wird sich wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz vor Gericht verantworten müssen. Das ist das Ergebnis einer Verhandlung am Amtsgericht Waiblingen. Der 55-Jährige hatte sich verpflichtet, die verwahrlosten Rinder eines Weinstädter Bauern zu betreuen. Bei Kontrollen stellte das Veterinäramt aber weiterhin gravierende Mängel fest. Die Tiere litten an Hunger, Parasiten und Verletzungen.

Eigentlich hatte der Rommelshausener vor Gericht gegen einen Bußgeldbescheid über 5000 Euro gekämpft. Darin wurde dem 55-Jährigen vorgeworfen, er habe den Tierbetreuungsvertrag für die Kühe eines Weinstädter Bauern nur zum Schein abgeschlossen. Dem 75-Jährigen hatte das Veterinäramt nämlich aufgrund anhaltender Verstöße gegen das Tierschutzgesetz verboten, die rund 60 Tiere weiter zu halten. Weil der Rommelshausener einsprang und versicherte, bei ihm seien sie in guten Händen, wurde das Verbot gekippt. Die Situation auf dem Hof verbesserte sich jedoch kaum, und das Veterinäramt traf den Rommelshausener bei keiner einzigen Kontrolle dort an. Die Beamten vermuteten, sie seien getäuscht worden.

Statt eines Bußgelds drohen nun strafrechtliche Konsequenzen

Der Landwirt legte Einspruch ein und sagte am Montag vor Gericht, er habe sich sehr wohl um den Hof des Weinstädters gekümmert, wenn auch nicht so intensiv, wie er es sich vorgenommen hatte.

Der Staatsanwalt warnte ihn und seinen Verteidiger bereits zu Beginn der Verhandlung: Sollte sich bestätigen, dass der 55-Jährige den Vertrag nicht nur zum Schein unterschrieben hatte, sondern tatsächlich für die Tiere zuständig war, könnte das Bußgeld- in ein Strafverfahren übergeleitet werden. Genau das ist nun geschehen: Das Bußgeld ist wohl vom Tisch, es droht aber eine Verurteilung wegen Verstößen gegen Artikel 17 des Tierschutzgesetzes – also wegen Tierquälerei (siehe Infokasten).

Denn im Frühjahr 2017, nach Abschluss des Tierbetreuungsvertrags, wurden mehrfach gravierende Mängel festgestellt, die auch auf Fotos festgehalten wurden. So berichtet die zuständige Veterinärmedizinerin vor Gericht von Kühen, die sich an Anbindevorrichtungen wund gescheuert hatten oder von Parasiten befallen waren, von „gigantischen Misthaufen in der Größe von Wohnhäusern“ und allgemein mangelhafter Hygiene. Nachdem der Rommelshausener die Betreuung der Tiere übernommen hatte, habe sich der Zustand erst nach einigen Wochen geringfügig verbessert und sich dann wieder verschlechtert.

Tierpflege dreimal pro Woche statt zweimal am Tag

Tatsächlich engagierte sich der Landwirt aus Kernen offenbar auf dem Hof, sorgte schließlich für den Abtransport der Misthaufen und reparierte ausgefallene Geräte. Allerdings gab er vor Gericht an, er sei nur drei-, viermal in der Woche vor Ort gewesen. Laut der Medizinerin des Veterinäramts sind jedoch allein für ausreichende Fütterung, das Ausmisten und Einstreuen von Stroh zwei Arbeitseinsätze täglich notwendig.

Richterin Christel Dotzauer unterstellte dem 55-Jährigen keine böse Absicht: „Ich denke, er wollte helfen. Aber wenn ich was tu, muss ich es ordentlich tun – und das hat nicht funktioniert.“ Im Hinblick auf das Leid der Tiere stellte die Vorsitzende fest: „Das ist tiefes Unrecht. Das darf nicht folgenlos bleiben.“

Kühe sind inzwischen verkauft

Der Landwirt selbst will die Verantwortung nicht übernehmen. Er habe seinem 75-jährigen Kollegen, der die Arbeit auf dem Hof nicht mehr alleine schaffte, ehrenamtlich und ohne Bezahlung unter die Arme gegriffen. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass er sich nicht jeden Tag von morgens bis abends um die Tiere des Seniors habe kümmern können. Die Mängel auf dem Hof habe er in der kurzen Zeit nach der Übernahme gar nicht bewältigen können, dann aber vieles verbessert. Die Situation sei nicht so schlimm gewesen, wie von der Gutachterin geschildert. „Wenn ich wirklich Tierquälerei begangen hätte, hätten die mich doch nie bis Juni akzeptiert“, schimpft er. Genau das war aber der Fall.

Von Juni an kümmerte sich dann ein Landwirt aus Winnenden ein Dreivierteljahr lang um die Tiere. Nach einiger Zeit kam es wieder zu Beanstandungen. Mittlerweile hat der Weinstädter die rund 60 Kühe verkauft.