Kernen

Mit Luftfiltern im Bus gegen Corona: Schlienz-Tours aus Kernen rüstet auf

Schlienz
Ein Aufkleber am Außenspiegel der Busse soll Fahrgäste auf die Viren-Filter aufmerksam machen. © Benjamin Büttner

Die Corona-Krise trifft den öffentlichen Nahverkehr hart: Die Fahrgastzahlen sind stark eingebrochen. Das Busunternehmen Schlienz aus Kernen hat trotz aller Verluste trotzdem noch einmal eine größere Summe Geld in die Hand genommen: für Antiviren-Filter für die Linienbusse und für ein Tochterunternehmen, das jetzt serienmäßig Sicherheitsscheiben für Busse herstellt. Diese Investitionen sollen sich auch nach der Krise noch auszahlen, hofft Geschäftsführer Erhard Kiesel.

Der Aufkleber in den Signalfarben Rot und Schwarz auf den rechten Außenspiegeln der Schlienz-Busse soll den Fahrgästen gleich ins Auge springen: Mit diesem verweist das Unternehmen auf die zwölf bis 15 Antiviren-Filter pro Bus, die das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus maßgeblich verringern sollen. In circa 75 der rund 90 Busse seien sie schon eingebaut. „Die Busse arbeiten sowieso mit Luftüberschuss“, erklärt Erhard Kiesel. Alle zwei Minuten werde die Luft im Innenraum komplett ausgetauscht. „Was es dann noch an Umluft gibt, wird durch die Filter geleitet.“

Aktivfilter sollen Sicherheit geben

Bis zu 99 Prozent aller in der Luft enthaltenen Aerosole sollen die Aktivfilter aus der Luft holen. Eine absolut neue Erfindung sind sie eigentlich nicht: Für Reisebusse gebe es die schon länger, so Kiesel. Das Unternehmen sei deshalb auf den Hersteller der Busse, die Firma Daimler, zugegangen und habe angeregt, solche Filter auch für Linienbusse einzuführen. Danach habe es nicht mehr lange gedauert, bis die Filter eingebaut werden konnten.

„Wir wollen den Fahrgästen damit das Gefühl geben: Busfahren ist nicht unsicher“, so der Geschäftsführer.

Noch etwas ist neu in den Bussen: Der Fahrersitz ist durch eine Scheibe aus Sicherheitsglas abgeschirmt, die einen sehr professionellen Eindruck macht. Diese Scheiben stellt eine Tochterfirma von Schlienz-Tours her, sie sind vom Tüv zugelassen. „Wir haben uns gar nicht erst auf Bastelarbeit eingelassen“, so Kiesel. Die Scheiben haben nicht nur in Hinblick auf Corona ihre Vorteile: Kaum einer der Busfahrer sei mehr krank geworden, seit sie eingebaut sind.

Die Scheiben schützen auch die Busfahrer

Das kann Busfahrer Sinisa Kustek bestätigen: „Auch die Wärme bleibt mehr beim Fahrer.“ Er fühle sich durch die Scheibe sicherer als davor. Insgesamt habe sich sein Arbeitsalltag wegen Corona stark verändert: Es fahren einfach viel weniger Menschen mit dem Bus als vor der Krise. Gerade im ersten Lockdown und als die nächtliche Ausgangssperre gegolten habe, sei es teils beängstigend leer gewesen – im Bus und auch überall sonst.

Er sei manchmal mit dem Bus durch gespenstisch leere Straßen gefahren, dort, wo sonst immer alles voller Autos sei. „Da waren die Busse wie Geisterbahnen“, so der Busfahrer. Inzwischen ist die Auslastung wieder ein bisschen besser. So wie früher aber noch lange nicht. „Jetzt in der Zeit: Sind wir da überhaupt auf 30 Prozent gekommen?“, fragt er seinen Chef. „Oft haben wir einfach einen Bus voll warmer Luft gefahren“, bestätigt Erhard Kiesel. „Es ist schon existenzbedrohend, wenn in diesem hohen Maß die Fahrgastzahlen einbrechen.“

Reisebusse stehen still: Verwaltungsmitarbeiter sind in Kurzarbeit

Seit Montag, 15. März, gelten in der Region offiziell wieder die üblichen Busfahrpläne. Für das Busunternehmen Schlienz bedeutet das aber keine so große Umstellung, erklärt Erhard Kiesel. „Wir haben generell den Grundtakt aufrechterhalten“. Nur die Nacht- und Schulverstärker-Busse fahren nicht wie üblich.

Der Linienverkehr ist jedoch nicht das einzige Standbein des Unternehmens: Auch ein Shuttle-Service und Reisebusse gehören dazu. Während im Bereich Reisen die Verwaltungsmitarbeiter immer noch in Kurzarbeit sind, betrifft das die Busfahrer kaum: Die Kollegen, die sonst die großen Reisebusse über die Autobahnen steuern, werden jetzt im Linienverkehr eingesetzt.

Busfahrer wegen Streit um Maske verprügelt

Um die Fahrgäste an die geltenden Corona-Regeln zu erinnern, müssen die Busfahrer nur einen Knopf drücken: Dann ertönt eine Ansage. Auch das sei eine Erleichterung ihrer Arbeit, davor mussten die Fahrer jedes Mal zum Mikrofon greifen. „Und nicht jeder ist fürs Singen geboren“, witzelt Sinisa Kustek. Die meisten Fahrgäste hielten sich jedoch sehr gut an die geltenden Regeln. Nur hin und wieder müsse er jemanden darin erinnern, den Mund-Nasen-Schutz aufzuziehen. Aggressiv habe ihm gegenüber daraufhin noch keiner reagiert.

Einer seiner Kollegen hatte da weniger Glück: Der Busfahrer sprach im vergangenen August in Esslingen einen jungen Mann an, der beim Einsteigen keine Maske aufhatte. Der junge Mann und sein Begleiter reagierten aggressiv, zogen laut damaligem Polizeibericht den Schlüssel aus dem Zündschloss und verließen damit den Bus. „Der Kollege ist den beiden gefolgt – das wurde ihm zum Verhängnis“, erzählt Erhard Kiesel. Die beiden Männer prügelten auf den Busfahrer ein und verletzten ihn. „Er ist jetzt noch nicht zurück“, so Kiesel.

Die Corona-Krise trifft den öffentlichen Nahverkehr hart: Die Fahrgastzahlen sind stark eingebrochen. Das Busunternehmen Schlienz aus Kernen hat trotz aller Verluste trotzdem noch einmal eine größere Summe Geld in die Hand genommen: für Antiviren-Filter für die Linienbusse und für ein Tochterunternehmen, das jetzt serienmäßig Sicherheitsscheiben für Busse herstellt. Diese Investitionen sollen sich auch nach der Krise noch auszahlen, hofft Geschäftsführer Erhard Kiesel.

Der Aufkleber

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