Kernen

Mountainbike-Fahren in Kernen: Gemeinde will legale Strecke im Wald

Mountainbikewald
Mit einem Konzept will die Verwaltung Mountainbiker auf verträgliche Trassen lenken. © Gabriel Habermann

Seit Beginn der Corona-Pandemie tummeln sich noch mehr Menschen in der Natur. Neben Spaziergängern sind auch zahlreiche Fahrradfahrer und Mountainbiker unterwegs. In vielen Fällen nutzen Biker und Wanderer denselben Pfad, weshalb die Situation zu Konflikten führen, sogar gefährlich ausgehen kann. Jüngst verletzte sich ein Mountainbiker im Wald zwischen Buoch und Berglen-Reichenbach, weil er in eine Falle geraten und gestürzt war.

Ziel ist, illegale Trails zu unterbinden 

Auf Initiative des Landratsamtes ist das Projekt „Mountainbike“ entstanden: Das Ziel ist, zum einen illegale Trails zu unterbinden. Und zum anderen die Freizeitaktivitäten der Mountainbiker im Wald zu bündeln und auf verträglichen Trassen zu legalisieren. Der Technische Ausschuss des Kernener Gemeinderats hat sich mit acht Pro- und zwei Gegenstimmen sowie einer Enthaltung für eine legale Mountainbikestrecke ausgesprochen.

Worum geht es? Um eine Route, die bereits von vielen Menschen genutzt und befahren wird. Diese Strecke führt laut Gemeindeverwaltung von Fellbach kommend (Kernenturm) über den Katzenkopf, verläuft dann entlang des Sandsteinwerks Bayer, kreuzt die Landstraße 1199 und führt über Waldwege in Richtung Weinstadt. „Die endgültige Anbindung an die dortigen Trailplanungen bedarf noch einer finalen Abstimmung“, schreibt die Gemeinde in ihrer Beschlussvorlage. Gespräche mit anderen Kommunen stehen an, damit ein gemeindeübergreifendes Angebot geschaffen werden kann.

Weiter führt eine kurze Trasse von Stetten kommend über bestehende Wege wie ein Teilstück vom Georg-Fahrbach-Weg in Richtung Kernenturm. Dieser soll laut Vorlage eine Anbindungsfunktion zum künftigen Mountainbike-Trail übernehmen.

Situation im Wald soll verbessert werden

Ulrich Häußermann, stellvertretender Leiter des Forstamtes Rems-Murr, hat in der Sitzung das Projekt und den aktuellen Stand in Kernen vorgestellt. „Es ist nicht die Frage, ob im Wald Mountainbike gefahren wird, sondern wo“, sagt er. Die Frage sei: „Können und wollen wir das intelligent steuern?“ Die Antwort liegt für ihn auf der Hand: „Wir wollen eine Verbesserung der Situation – für alle Beteiligten.“ Beteiligt sind neben der Gemeinde Biker, Wanderer, Jäger, Naturschützer, aber auch Tiere. Damit das Konzept auch in der Realität funktioniert, gibt es Regeln, die beachtet werden müssen: Nachtfahrten sind grundsätzlich verboten. Erlaubt sind ausschließlich ausgewiesene Trails. Ruhezonen von Wildtieren und Naturschutzflächen dürfen nicht betreten werden. Beschilderungen sollen die Strecke markieren.

Ob sich die Theorie in die Praxis umsetzen lässt, das bezweifeln einige Gemeinderäte, darunter auch Volker Borck (CDU). Er betont, dass sich zwar etwa 70 Prozent der Mountainbiker an die Regeln halten, aber die restlichen 30 Prozent einen „Problemfall“ darstellen. „Da müssen wir uns etwas überlegen“, sagt er. Doch das sei schwierig, so Bauamtsleiter Peter Mauch. „Die verhaltenskreativen Radfahrer können Sie mit Schildern nicht aufhalten.“ Heinz Heß (Unabhängige Freie Wähler) hingegen befürchtet einen Anstieg von Mountainbikern im Kernener Wald.

"Die Kids von heute haben keine Hemmung und werden neue Strecken anlegen"

Andreas Colosi (Parteifreies Bündnis), der die Route schon selbst gefahren ist, kann sich mit dem Konzept nicht anfreunden. Er wünscht sich eine klare Definition, was unter „Trail“ zu verstehen ist. „Für einen Biker ist ein Trail nämlich kein Schotterweg oder Pfad durch den Wald“, sagt er. Darüber hinaus geht für Colosi aus der Vorlage nicht hervor, ob die bisherigen illegalen Strecken nach dem Beschluss rückgebaut werden. „Die Kids von heute haben keine Hemmungen und werden neue Strecken an anderer Stelle quer durch den Wald anlegen. Der Natur- und Tierschutz wird darunter mehr leiden, als dass es hilft“, sagt er.

Parteikollegin Corinna Konzmann findet den Pfad als Familientrail geeignet, aber „ist es das, was die Mountainbiker wollen?“ Auch Matthias Kramer (Offene Grüne Liste) äußert Bedenken: „Wir erreichen nicht die Gruppe, die wir von den illegalen Strecken herunterholen wollen.“

Helmut Heissenberger (CDU), der selbst Jäger ist, sieht es anders. Seinen Ratskollegen rät er, abzuwarten, was die Nachbarkommunen antworten. Unterstützung gibt es von Förster Stefan Baranek. Letztlich plädiert der Ausschuss mehrheitlich dafür, die besprochene Route zu legalisieren. Was mit den illegalen Trails durch den Wald passiert, ist noch offen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie tummeln sich noch mehr Menschen in der Natur. Neben Spaziergängern sind auch zahlreiche Fahrradfahrer und Mountainbiker unterwegs. In vielen Fällen nutzen Biker und Wanderer denselben Pfad, weshalb die Situation zu Konflikten führen, sogar gefährlich ausgehen kann. Jüngst verletzte sich ein Mountainbiker im Wald zwischen Buoch und Berglen-Reichenbach, weil er in eine Falle geraten und gestürzt war.

Ziel ist, illegale Trails zu unterbinden 

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