Kernen

"Nachhaltiges Kernen"-Vorstand erklärt, weshalb er nun eine "Schafgruppe" hat

Nachhaltiges Kernen
Vereinsvorsitzende des Vereins „Nachhaltiges Kernen“: Thomas Jüttemann (links) und Ina Mohr. Auf dem Foto fehlt Andreas Colosi. © Alexandra Palmizi

Die Gemeinde Kernen bis 2035 klimaneutral machen, Gastronomen dabei bestärken, künftig auf Mehrweg-Verpackungen zu setzen, um Müll zu reduzieren, und Fahrradwege in Kernen optimieren – das sind einige der zahlreichen Ziele des Vereins „Nachhaltiges Kernen“. Während viele Vereine sich im Corona-Jahr mit der Frage beschäftigt haben, ob sie die Pandemie überstehen können, haben Ina Mohr, Andreas Colosi und Thomas Jüttemann aus Kernen im März dieses Jahres den neuen Verein ins Leben gerufen.

Neuerdings ein eingetragener Verein

Neuerdings ist „Nachhaltiges Kernen“ ein eingetragener Verein und hat als Anerkennung die Gemeinnützigkeit erhalten, sagt Ina Mohr und freut sich über die positive Entwicklung. „Es ist ein großer und wichtiger Schritt für uns“, sagt sie. Darüber hinaus freut sich das dreiköpfige Vorstandsteam, dass der Verein in den vergangenen Monaten neue Mitglieder und Mitwirkende für sich gewinnen konnte.

Insgesamt haben wir 17 Mitglieder, sagt Thomas Jüttemann. Allerdings sei die Zahl derjenigen, die sich als Mitwirkende in den Verein einbringen, deutlich höher. Etwa 40 Personen beteiligen sich an den Projekten und den pandemiebedingten virtuellen Treffen des Vereins.

Zwei neue Arbeitsgruppen

Anfangs hatte „Nachhaltiges Kernen“ nur drei Gruppen, in denen verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit behandelt wurden: „Pro Rad“, „Mehrweg-System“ sowie - angedockt an die bundesweite Organisation „German Zero“ - die Gruppe „Kernen Zero“. Nun sind zwei neue Arbeitsgruppen hinzugekommen: „Kurz und knapp“ und das Pilotprojekt „Schafgruppe Rommelshausen“.

„Pro Rad“ befasst sich mit der Optimierung und dem Ausbau des Radverkehrsnetzes, ermittelt Gefahrenstellen und geht mit Verbesserungsvorschlägen auf die Gemeindeverwaltung zu. Die Gruppe „Mehrweg-System“ hingegen ist im Gespräch mit Gastronomen, um in Kernen ein einheitliches Mehrwegsystem für Essensverpackungen einzuführen.

Die Kunden könnten das Geschirr, das sie von einem Restaurant erhalten haben, bei dem nächsten Gastronomen abgeben. Damit dieses System funktioniert, müssen möglichst viele und über die Gemeindegrenze hinaus Gastronomen mitmachen, sagt Ina Mohr. Der Verein sei bereits mit der Gemeindeverwaltung in engem Kontakt. Als nächsten Schritt sollen Veranstaltungen in den beteiligten Kommunen stattfinden, um mit den Gaststätten ins Gespräch zu kommen, sagt Mohr.

Pizzakartons sind ein Problem

Ein Problem zeichne sich allerdings jetzt schon ab: Pizzakartons, die viel Müll produzieren, sollen auch in dieses Systems miteingebunden werden. Daher sei beispielsweise die Überlegung, die quadratische Kartonverpackung bei teilnehmenden Restaurants abzugeben, damit diese gesondert recycelt werden können und nicht im Restmüll oder gar am Straßenrand landen.

Die Gruppe „Kernen Zero“ verfolgt das Ziel, dass die Gemeinde bis zum Jahr 2035 klimaneutral wird – von Mobilität über Industrie bis Energie. So soll die Verpflichtung aus dem Pariser Weltklimaabkommen von 2015 eingehalten werden, um die Erderhitzung möglichst bei unter 1,5 Grad zusätzlich zu halten.

Bereits in seiner Sitzung im Juli beschloss der Gemeinderat, dass die Gemeinde bis 2035 klimaneutral werden soll und stimmte dem Vorschlag zu, gemeinsam mit den Nachbarkommunen Remshalden und Winterbach bei Bund und Land Anträge für insgesamt 2,5 geförderte Vollzeitstellen im Bereich Klimaschutz zu stellen.

Darüber hinaus, erklärt Thomas Jüttemann, hat die Kernen-Zero-Gruppe an Bushaltestellen mit Kreide auf den Boden „Wir brauchen dich für den Klimastreik“ geschrieben. Und vor der Bundestagswahl zahlreiche Postkarten verteilt, um die Menschen dazu zu animieren, wählen zu gehen. In diesem Jahr planen die Ehrenamtlichen eine Müllsammelaktion durchzuführen. Die Abfälle, die dabei gesammelt werden, sollen „öffentlichkeitswirksam zur Schau gestellt werden“, so Jüttemann.

Gruppe „Kurz und knapp“ gibt Tipps, wie Nachhaltigkeit in Alltag eingebunden werden kann

In der neuen Gruppe „Kurz und knapp“ tauschen sich Frauen und Männer über nachhaltige Alltagstipps aus, wie sie unter anderem Plastikmüll meiden oder miniminieren können. Als Beispiel nennt Thomas Jüttemann Verpackungstüten aus Plastik, etwa die vom Toilettenpapier könne als Müllbeutel wiederverwendet werden. Das Vorstandsteam findet: „Es sind die kleinen Dinge, die etwas bewirken.“

Die neue Schafgruppe ist ein Kooperationsprojekt mit der Stettener Schäferin Christine Brencher. Die Teilnehmer setzen sich mit den Nutztieren auseinander, lernen im Workshop Wolle zu filzen und erfahren Wissenswertes über das Tier. Im Vordergrund stehen: Nachhaltigkeit, Regionalität, und das Tier als nachhaltiger Wolle- und Fleischspender. Thomas Jüttemann sagt: „An Ideen hapert’s uns nicht, wir brauchen mehr Mitwirkende.“ Ina Mohr ergänzt: „Wir brauchen auch jemanden, der sagt ‘Ich zieh den Hut auf und stemme ein Projekt’.“

Die Gemeinde Kernen bis 2035 klimaneutral machen, Gastronomen dabei bestärken, künftig auf Mehrweg-Verpackungen zu setzen, um Müll zu reduzieren, und Fahrradwege in Kernen optimieren – das sind einige der zahlreichen Ziele des Vereins „Nachhaltiges Kernen“. Während viele Vereine sich im Corona-Jahr mit der Frage beschäftigt haben, ob sie die Pandemie überstehen können, haben Ina Mohr, Andreas Colosi und Thomas Jüttemann aus Kernen im März dieses Jahres den neuen Verein ins Leben

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