Kernen

Netze-BW-Geschäftsführer zum Stromausfall in Kernen

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Dunkelheit herrschte am 12. November 2018 – bis zu sieben Stunden lang fiel der Strom in Teilen Stettens und Rommelshausens aus. © Striebich/ZVW

Kernen. Der Geschäftsführer der Netze BW, Christoph Müller, hat die Vorwürfe, die EnBW-Tochter habe dem Remstalwerk ein marodes Stromnetz überlassen, intern als „Quatsch“ bezeichnet. Nach einem stundenlangen Stromausfall im November hatte Remstalwerk-Geschäftsführerin Gabriele Laxander die Netze BW offen kritisiert.



Das Interview mit Geschäftsführer Christoph Müller ist im Intranet der Netze BW veröffentlicht worden. Es liegt unserer Zeitung vor. Müller bezieht sich darin auf den stundenlangen Stromausfall in Kernen vom vergangenen November. Auf die Frage, was er zu den Vorwürfen sage, „die Netze BW würde vor der Übergabe an die nachfolgenden Netzbetreiber Teilnetze quasi verrotten lassen“, antwortet der Geschäftsführer: „Die deutsche Sprache hat dafür ein Wort und das Wort ist Quatsch.“

Netz nicht „nagelneu“, aber kontinuierlich gewartet

Die Netze BW betreibe ihre Stromnetze „mit höchstmöglicher Versorgungssicherheit“. Investition und Instandhaltung seien genauso wichtig wie die Herausforderungen der Energiewende, der E-Mobilität und der Sektorkopplung. „Bei Netzübergaben erhalten die Stadtwerke und Netzgesellschaften von uns natürlich kein nagelneues, aber ein kontinuierlich gewartetes und instand gehaltenes Netz“, so Müller in der Mitarbeiterinformation, das gelte auch für Kernen. Die Fakten zeigten: „In 2016, dem letzten Jahr unserer Obhut für das Netz in Kernen-Stetten, hatten wir eine sensationelle Ausfallzeit von 0,6 Minuten/Kunde.“ Müller stellt die rhetorische Frage: „Wenn wir schon Jahre vor der neuen Konzessionsentscheidung die Investitionen einstellen würden – was machen wir dann, wenn wir die Konzession doch gewinnen?“

Stromausfälle sind laut Müller letztlich nicht planbar, der Zufall spielt eine große Rolle. Das sei auch an den schwankenden Zahlen für Kernen zu sehen. „Zufall ist aber keine Erklärung für die Dauer von Stromausfällen – hier sieht man die Aufstellung und das Können eines Netzbetreibers“, so Müller – eine Spitze an die Adresse des Remstalwerks? Müller erklärt die Dauer des Ausfalls vom November mit dem „strukturellen Nachteil“ entflochtener Netze. „Wenn es in unserem großflächigen und oft engmaschigen Netz zu einer regionalen Störung kommt, haben wir durch gezielte Schalthandlungen oft die Möglichkeit, die Störung umgehend zu beheben (quasi per Knopfdruck).“ Zudem seien die Netze-Mitarbeiter dezentral organisiert, erfahren und erstklassig ausgerüstet.

Öffentliche Konfrontation vermeiden

Zumindest öffentlich hat die EnBW-Tochter die Konfrontation vermieden, die Vorwürfe im vergangenen Spätherbst über eine Pressesprecherin zwar zurückgewiesen, sich mit direkter Kritik am Remstalwerk aber zurückgehalten.

Diese Strategie erklärt Geschäftsführer Müller auch im Intranet-Eintrag: Mit den kritischen Netzbetreibern suche die Netze BW den Dialog und biete, wenn nötig, Unterstützung an: „Letztendlich sitzen wir im gleichen Boot“, wird Müller zitiert. Der Dialog laufe erst einmal hinter den Kulissen, gegenseitige Schuldzuweisungen würden keiner Partei helfen. „Wenn aber ein Netzbetreiber glaubt, er könnte die Diskussion einseitig so führen, dass nur wir verlieren, dann bin ich gerne zu einer Diskussion zur Differenzierung von Glück und Können im Netzbetrieb bereit“, so Müller, „denn auch hier gilt: Auch Glück muss man können.“

Remstalwerk-Geschäftsführerin Gabriele Laxander betonte im Gespräch mit unserer Zeitung am Dienstag, sie habe das Wort „marode“ nie benutzt. Wohl aber bleibt sie bei der Aussage, die EnBW-Tochter hätte in den vergangenen Jahren mehr investieren müssen. Derzeit sei eine Analyse des Kernener Netzes im Gange, sagte Laxander (siehe Infokasten). Nach dem Stromausfall im Herbst hatte sie Investitionen angekündigt.


Investitionen

Momentan wird laut Remstalwerk-Geschäftsführerin Gabriele Laxander das Kernener Stromnetz analysiert. Auf Basis dieser Analyse wird dann ein Investitionsplan erstellt. In der Folge sollen unter anderem auf den langen Leitungen im Mittelspannungsnetz sogenannte Kurzschlussanzeiger eingebaut beziehungsweise ersetzt werden. Laut Laxander helfen diese, Fehlerquellen schneller einzukreisen.

Eine Netzanalyse findet auch in den anderen Gemeinden des Remstalwerks statt, der Fokus liegt allerdings wegen der wiederholten größeren Stromausfälle zunächst auf Stetten und Rommelshausen. „Es tut sich einiges im Hintergrund. Doch diese Analysen kosten Zeit“, so Laxander.