Kernen

Obstklau in Kernen: Landwirt Martin Wilhelm ärgert sich über Diebstahl

Obstdiebstahl
Martin Wilhelm (48) baut auf etwa zwei Hektar Fläche Obst und Früchte an. © Gaby Schneider

Sobald die ersten Bäume und Sträucher voller Äpfel, Zwetschgen und Kirschen hängen, ist bei vielen Menschen die Verlockung groß, sich daran zu bedienen. Was anscheinend viele von ihnen nicht wissen oder eventuell ausblenden: Die Obstplantagen sind Privatgrund. Das heißt, auch wenn sie nicht eingezäunt sind, haben Fremde dort keinen Zutritt – und erst gar nicht das Recht, etwas zu pflücken.

Mundraub ist Diebstahl

Wer Äpfel oder Beeren stibitzt, begeht nicht nur „Mundraub“, sondern Diebstahl, finden Simone und Martin Wilhelm aus Kernen. In der Tat: Der Mundraub erfüllt laut § 242 des Strafgesetzbuchs den Tatbestand des Diebstahls. Die Familie Wilhelm aus Kernen, Obst- und Weinbauer in dritter Generation, baut auf rund zwei Hektar von Äpfeln über Aprikosen bis Johannisbeere viele Obst- und Fruchtsorten an. Doch Obstklau, Beschädigungen und Hundekot machen dem Paar immer mehr zu schaffen.

Hinweisschilder und Absperrbänder beschädigt

„Jeder normale Mensch sieht, dass das eine professionell bewirtschaftete Obstplantage ist“, sagt Simone Wilhelm. Hinweisschilder, Absperrbänder und weitere Maßnahmen gegen den sogenannten Mundraub seien bislang erfolglos gewesen. Rot-weiße Bänder, die die Familie angebracht hat, wurden der 41-Jährigen zufolge bereits am nächsten Tag wieder abgerissen. Auch Hinweisschilder sind teilweise beschädigt oder verbogen worden. „Das finde ich sehr respektlos“, sagt Simone Wilhelm.

„Das Bewusstsein für fremdes Eigentum fehlt“, sagt Martin Wilhelm. Schließlich verdient die Familie durch den Verkauf von Obst und Wein ihr tägliches Brot. Mittwochs und samstags verkaufen die Wilhelms ihre Produkte auf dem Wochenmarkt in Esslingen sowie jeden Freitag in Stuttgart-Sillenbuch. Darüber hinaus betreiben sie den gleichnamigen Hofladen in der Dinkelstraße, der jeden Donnerstag von 9 bis 12.30 Uhr sowie von 16 bis 18 Uhr geöffnet hat.

Um Menschen mit Kirschen, Zwetschgen und jeglichen Beeren versorgen zu können, arbeitet die Familie sowohl im Sommer als auch im Winter hart, berichtet Simone Wilhelm. Unabhängig davon, ob es regnet, schneit oder die pralle Sonne am Himmel steht.

Der 48-jährige Obst- und Weinbauer Martin Wilhelm ärgert sich darüber hinaus über Spaziergänger, die unbefugt das Feld betreten. Durch ihr unachtsames Verhalten erschweren sie ihm zufolge nicht nur die Arbeit der Landwirte, sondern begeben sich auch in gefährliche Situationen. Es sei nicht auszuschließen, dass beispielsweise während der Arbeit aus dem Häcksler ein Stück Holz herausschieße und jemand getroffen werde, sagt Martin Wilhelm.

Über das fehlende Unrechtsbewusstsein mancher Menschen ärgert sich das Paar ebenfalls. Viele, die auf frischer Tat erwischt werden, reagierten uneinsichtig. „Sie rennen weg wie kleine Kinder“, sagt der zweifache Vater, anstatt zu ihrem Fehler zu stehen. Andere behaupteten, sie hätten nicht gewusst, dass es sich um ein Privatgrundstück handle.

Oder sie verteidigen sich Simone Wilhelm zufolge damit, nur eine einzige Frucht geerntet zu haben. Wobei sich viele nicht nur eine Kirsche schnappen, sondern gleich eine ganze Tüte vollstopfen.

„Uns geht es auch nicht um den einen Apfel“, sagt Martin Wilhelm. Es gehört sich einfach nicht, findet der Obst- und Weinbauer. Wenn bloß die Hälfte aller Spaziergänger, die den Feldweg passiert, im Vorbeigehen einfach zugreift, fehlt den Wilhelms das Geld in der Kasse.

Ein weiteres Problem: Hundekot

Wer Obst und Früchte der Wilhelms probieren möchte, kann sie auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen aufsuchen. „Wenn man zu mir in den Laden kommt, dann kann man gerne auch alles probieren“, sagt Simone Wilhelm. Aber sich unerlaubt auf den Feldern zu bedienen, das findet das Ehepaar schlichtweg dreist. Neben Obstdieben ärgern sich die Landwirte auch über Hundekot, der auf den Feldern der Familie liegen gelassen wird. Wenn eine Obstkiste aus Versehen darauf landet, muss sie samt Ernte vernichtet werden. Simone Wilhelm sagt: „Dann ist der Spaß vorbei.“

Sobald die ersten Bäume und Sträucher voller Äpfel, Zwetschgen und Kirschen hängen, ist bei vielen Menschen die Verlockung groß, sich daran zu bedienen. Was anscheinend viele von ihnen nicht wissen oder eventuell ausblenden: Die Obstplantagen sind Privatgrund. Das heißt, auch wenn sie nicht eingezäunt sind, haben Fremde dort keinen Zutritt – und erst gar nicht das Recht, etwas zu pflücken.

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Mundraub ist Diebstahl

Wer Äpfel oder Beeren stibitzt, begeht nicht nur

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