Kernen

Ponys statt Diesel: Schäferin aus Kernen sammelt Geld für umweltschonende Arbeit

Schäferin
Schäferin Christine Brencher füttert die Schafherde. Künftig sollen sich Ponys und Schafe die Wiesen im Freien teilen. © Gabriel Habermann

Zwei Dülmener Wildpferde will Schäferin Christine Brencher künftig auf ihrem Stettener Schafwanderweg beim Verteilen ihrer Weidezäune einsetzen. Bisher haben sie und ihre Helfer die Strecke mit einem Caddy abgefahren. Die alte Dieselschleuder habe nun einige Zipperlein, der Motor meldet sich, die Elektronik spinnt, die Federung schlägt durch, erzählt die Schäferin.

Lohnt es sich, die alte „Möhre“ für mehrere Tausend Euro reparieren zu lassen? Bei dieser Frage sei sie ins Nachdenken gekommen. „Das alte Stahlross, das jede Menge Diesel frisst, hat für mich einfach nicht mehr gepasst“, sagt die Schäferin.

Da sie bei Hof, Stall und Arbeitsweise auf eine regionale und klimaschonende Arbeitsweise setzt, möchte Christine Brencher künftig auch auf ein nachhaltiges Transportmittel umsatteln, wenn es darum geht, außer den zwölf jeweils 50 Meter langen Zaunrollen auch Salzlecksteine, Eimer und sonstige Gerätschaften auf die Weiden zu bringen.

Die Strecken „rund um Stetten sind mit Pferden gut machbar“

„Es ist naheliegend, dass wir langfristig auf etwas verzichten müssen, das weiterhin fossile und endliche Ressourcen verwenden würde“, sagt sie. Um beim Klimawandel aktiv zu sein, zähle jeder kleine Schritt.

„Weil wir relativ klein sind, stellen wir unsere Zäune in kleinen Radien rund um Stetten auf, die Strecken sind mit Pferden gut machbar.“ Aus ihrer Sicht ist dies die bessere, weil umweltverträglichere Lösung, als für „jeden Meter den Motor anzuwerfen, der nicht mal richtig warm wird“. Beim Kreisen um die Klimagesichtspunkte seien ihre Gedanken dann bei der Alternative mit dem Pferdegespann hängengeblieben – gefunden im Internet, zusammen mit dem Link zum Hofgut Dicke, auf dem Dülmener in Gespannen gefahren werden. Christine Brencher verbrachte ein Wochenende dort, um sich zu informieren. Sie kehrte aus dem Norden zurück mit der Erkenntnis, dass einiges für Pferde spricht: Es sei seinem Ursprung nach ein Arbeitstier. Mit dessen Unterstützung, so sieht es die Schäferin, könnten kleinbäuerliche Strukturen erhalten werden.

Die Pferde sind ein Anfang in Sachen Klimaschutz

„In vielen nicht so industriell hoch entwickelten Ländern sind bis heute Pferde im Einsatz“, sagt sie. Ihr gehe es darum, nicht nur zu reden, sondern auch etwas zu tun. Und vielleicht sogar Nachahmer zu finden. Skeptiker mögen den Kopf schütteln, ihr Vorhaben vielleicht als „rückschrittig“ betrachten. Für die Schäferin ist es jedoch „ein kleiner Anfang, etwas für die Zukunft zu verändern“.

Kein „Weiter so“ wäre ihr auch bei der Schlachtung am liebsten, allerdings sei dies ein Wunschtraum. Ihre Schafe bringt sie 10- bis 15-mal pro Jahr zu einem Betrieb in die Berglen, der noch selbst schlachtet, auch hier zählen für sie kurze Transportwege. Warum sollen es Dülmener Wildpferde sein, eine Ponyrasse aus dem nordrhein-westfälischen Dülmen? „Ich kann sie gemeinsam mit den Schafen auf die Weide lassen und mitgrasen lassen“, argumentiert die Schäferin.

Dülmener Wildpferde und Schafe haben eine Gemeinsamkeit

Gibt es für den landwirtschaftlichen Einsatz nicht auch regionale Pferderassen? Christine Brencher sagt, sie habe auch Schwarzwälder Füchse in Erwägung gezogen. „Sie wären auch im Förderprogramm des Landes für aussterbende Rassen gelistet“, sagt sie. „Allerdings kommen sie mit unseren Fettwiesen im Frühjahr nicht so gut zurecht. Sie haben empfindlichere Mägen als die robusten Dülmener.“

Und noch etwas spielte eine Rolle bei ihrer Entscheidung: Die zahlenmäßig rückläufige Dülmener Rasse passt gut zu ihrer Schafherde, in der auch sechs vom Aussterben bedrohte Schafrassen leben. Aktuell wird die 5,5 Hektar umfassende Fläche von 44 Coburger Fuchsschafen, rauwolligen pommerschen Landschafen, braunen Bergschafen, Waldschafen, Kärntner Brillenschafen und Krainer Steinschafen beweidet.

Sie haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind sehr schleckig. Im Winter im Stall lassen sie einiges vom Heu übrig, manche Grashalme scheinen ihnen nicht zu schmecken, erzählt Christine Brencher. „Ich habe schon oft gesagt, von den Resten könnten wir locker zwei Rösser durchfüttern.“

Nun könnte diese Resteverwertung wahr werden: Die Wiesenausbeute reicht gut für die schleckige Schaf-Bande – und die beiden Ponys in spe.

Die vierbeinigen Helfer sollen über Crowdfunding finanziert werden

Die künftigen vierbeinigen Schafwanderwegs-Helfer will sie über Crowdfunding finanzieren. Auch hier gab sie der regionalen Spendenplattform „Baden-Württemberg crowd“ den Vorzug, die sozialen und gesellschaftlichen Zwecken den nötigen finanziellen Anschub gibt. Unter www.baden-wuerttemberg-crowd.de/2pony sammelt sie seit dem 2. Februar Geld.

Die anvisierten 8000 Euro kamen innerhalb knapp zwei Wochen zusammen. Dutzende Spender haben ihren Beitrag geleistet, viele aus Stetten oder einem Nachbarort.

Es darf und soll aber gerne weitergespendet werden, da alles dem künftigen Ponyhof und damit dem Schafwanderweg zugutekommt: Sie nannte neben der Option, allen Mitarbeitern den Gespannführerschein zu bezahlen, auch die Anschaffung von Putzzeug, Hufschuhen, einem mobilen Weidezaun für die Ponys sowie einem Plattformwagen zum Transport von Mist und Astschnitt. Auch sei geplant, den Gespannführerschein für Kinder und Jugendliche zu fördern.

Für die Spender gibt es eine Gegenleistung auf dem Stettener Hof

Auf das Crowd-Konzept, sich den Traum vom Pferdegespann über die Spendenbereitschaft vieler zu ermöglichen, habe sie ein Bankmitarbeiter gebracht, der als Besucher eine Schafwanderung bei ihr gebucht hatte.

Es funktioniert simpel: Viele können sich mit kleinen Geldgaben an der Verwirklichung des Pony-Gespanns beteiligen. Als Gegenleistung erhält jeder eine kleine Prämie – Christine Brencher lockt mit Wolle, Sommerdecken aus eigener Wolle sowie mit Erlebnissen auf ihrem Hof.

So könnten naturverbundene Interessierte beim Schafmisten mithelfen und dabei wahrhaft reinschnuppern in die Arbeit mit Schafen. Ein Geschenk heißt „Schafe kuscheln“, ein anderes „Mitfahrt mit dem Gespann“.

Hof-Feeling für die ganze Familie bietet die Einladung zur Weihnachtsfeier im Stall von Brenchers, zusammen mit ihren Schafwanderhelfern und Mitarbeitern, bei der es Geschenke für alle gibt.

Sie muss nun nur noch klären, wie ein Gespann versicherungstechnisch eingestuft wird. „Wir wissen noch nicht, ob es über die Haftpflichtversicherung läuft“, sagt sie lachend.

Zwei Dülmener Wildpferde will Schäferin Christine Brencher künftig auf ihrem Stettener Schafwanderweg beim Verteilen ihrer Weidezäune einsetzen. Bisher haben sie und ihre Helfer die Strecke mit einem Caddy abgefahren. Die alte Dieselschleuder habe nun einige Zipperlein, der Motor meldet sich, die Elektronik spinnt, die Federung schlägt durch, erzählt die Schäferin.

Lohnt es sich, die alte „Möhre“ für mehrere Tausend Euro reparieren zu lassen? Bei dieser Frage sei sie ins Nachdenken

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