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Premiere in Rommelshausen: So hat die Kirchengemeinde Konfirmation im Freien gefeiert

Openairkonfirmation
In Familien-Sitzgruppen mit bis zu 20 Gästen ist die erste Freiluft-Konfirmation in Rommelshausen über die Bühne gegangen. © Gaby Schneider

Eine Premiere hat die evangelische Kirchengemeinde Rommelshausen am Sonntag gefeiert: Erstmals unter freiem Himmel und nicht in der Kirche sind 17 junge Menschen konfirmiert worden – natürlich eine Folge der Corona-Pandemie. Welche Regeln galten für die Gottesdienstbesucher? Und ist die Open-Air-Konfirmation ein Modell für die Zukunft?

Gelungen ist die Veranstaltung jedenfalls: „Am Schluss waren alle total begeistert“, sagt Pfarrer Matthias Wanzeck am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung. Eigentlich hätten insgesamt 26 Mädchen und Jungen aus Rommelshausen im Mai Konfirmation gefeiert, standesgemäß in der Mauritiuskirche. Doch daran war zu diesem Zeitpunkt wegen der Corona-Krise nicht zu denken. Also verlegten die Verantwortlichen die Konfirmation zunächst in den November. Wegen der strengen Regeln in den Gotteshäusern, die sich nur schlecht durchlüften lassen, hätten die Gottesdienste allerdings nur stark eingeschränkt stattfinden dürfen.

Tipp vom Virologen: Im Freien ist es sicherer

Kurz vor den Pfingstferien sei das Konfi-Team zusammengesessen, berichtet Pfarrer Wanzeck, und habe sich umentschieden: „Ich höre fleißig den Podcast von Drosten: Da ist klargeworden, alles, was draußen stattfindet, ist deutlich sicherer.“ Aus dem Scherz, eine Open-Air-Konfirmation zu veranstalten, sei schnell ein fester Plan geworden. Am vergangenen Sonntag hätte eigentlich das Kirchgartenfest stattfinden sollen, das aber schon vor längerer Zeit wegen Corona abgesagt worden war. „Wir haben den Familien dann freigestellt, ob sie im November feiern wollen oder lieber im Sommer“, sagt Wanzeck. Zwei Drittel waren begeistert vom Freiluft-Vorschlag.

Infektionsschutz: 20 Gäste pro Familie

Während neun Konfirmanden also noch bis zum Herbst warten müssen, haben sich am Sonntagmorgen 17 Jugendliche in Schale geworfen. Sie wurden noch einmal auf zwei Gottesdienste verteilt, damit der Besucherandrang nicht zu groß wurde. Jede Konfirmandenfamilie durfte 20 Gäste zu der Feier zwischen Kirche und Gemeindehaus einladen. Diese 20er-Grüppchen bekamen auf der Wiese ihre Sitzgruppen zugewiesen: ohne großen Abstand untereinander, aber mit Abstand zu den anderen Familien. Dieses Vorgehen hatte Pfarrer Wanzeck zuvor vom Ordnungsamt absegnen lassen und mit den Familien besprochen, die bei ihren privaten Feiern im Anschluss an den Gottesdienst ohnehin nahe beieinander waren.

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Pfarrer Matthias Wanzeck: „Ich höre fleißig den Podcast von Drosten.“ © Gaby Schneider

Auch weil es rechtzeitig zu regnen aufgehört hatte, waren es schöne Feiern, sagt Wanzeck, wenn auch inhaltlich etwas reduziert und nicht so lange wie sonst: „60 Minuten. Das hätten wir sonst gar nicht geschafft, wir mussten ja die gesamte Besucherschaft austauschen.“

Eine "echte Nervengeschichte"

Wenn die Feier allen Beteiligten so gut gefallen hat, ist die Open-Air-Konfirmation dann nicht ein Modell für die Zukunft? „Ich weiß nicht“, sagt Pfarrer Wanzeck, „es ist schon ein Mega-Aufwand. Viele fänden es cool, aber es ist auch eine Frage der Ressourcen.“ Viele Freiwillige hätten dieses Jahr beim Aufbau und der Organisation geholfen. „Außerdem war das eine echte Nervengeschichte. Ich habe eine Woche lang jeden Tag fünfmal auf die Wetter-App geschaut.“

Konfirmiert

Unter freiem Himmel Konfirmation gefeiert haben am vergangenen Sonntag Julian Bäzner, Linus Engels, Maike Eppler, Jannek Fitzner, Dario Hoß, Renée Amelie Kilgus, Lani Kleemann, Marvin Leicht, Kathinka Lerch, Florentine Müller, Hannes Rieth, Moris Schülein, Nico Schwer, Nick Traub, Katie Wöhrle und Richard Wolf.Noch bis November gedulden müssen sich Daniel Blask, Charlotte Bubeck, Tim Klein, Philipp Leininger, Clara Mehl, Noa Müller, Malea Müssle, Jonathan Roth und Daniel Wehrstein.