Kernen

Radschnellweg RS 5 von Schorndorf nach Fellbach: Überraschende Entscheidung in Kernen

Fahrradweg
Doch keine Fahrradstraße für Rommelshausen (Symbolfoto). © ALEXANDRA PALMIZI

In der Planung des Radschnellwegs 5 (RS 5), der von Schorndorf nach Fellbach führen soll, ist am Donnerstagabend im Kernener Gemeinderat eine wichtige Entscheidung gefallen. Hier wurde abschließend über die Trassenführung auf Höhe Rommelshausen entschieden.

Der Leiter des Dezernats für Bauen, Umwelt und Infrastruktur beim Landratsamt hatte ein leidenschaftliches Plädoyer für die Trassenführung durch die Max-Eyth- und die Willy-Rüsch-Straße abgegeben – das Gremium ließ sich davon aber offensichtlich nicht beeindrucken.

Beide Trassen haben ihre Schwächen

Zur Diskussion standen die sogenannte Nordtrasse, die ab Ortsausgang Endersbach grob entlang der B 29 verlaufen soll, und die Südtrasse, die entlang der Bahnlinie nach Rommelshausen durch die Max-Eyth- und die Willy-Rüsch-Straße geführt hätte.

Obwohl der Radschnellweg ein Kreisprojekt ist, musste bei dieser Frage die Gemeinde selbst entscheiden, wo die neue Strecke langgehen soll – keine einfache Entscheidung: „Beide Trassen haben ihre Vor- und Nachteile“, sagte Bürgermeister Benedikt Paulowitsch in der Diskussion vor der Abstimmung. „Oder, um es anders auszudrücken: Beide haben Schwächen“, ergänzte der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Wersch.

Landratsamt und Verwaltung bevorzugen Südtrasse

In den Augen von Landratsamt und Verwaltung überwiegen die Schwächen der Nordvariante. Deshalb schlug die Gemeinderatsvorlage dem Gremium auch vor, für die Südtrasse zu stimmen.

Stefan Hein, Dezernatsleiter beim Landratsamt im Bereich Bauen, Umwelt und Infrastruktur, legte am Donnerstagabend noch einmal dar, wieso das Landratsamt die Variante entlang der Bundesstraße so kritisch sieht. Er ist selbst in Kernen ansässig, hat nach eigener Aussage sogar mehrere Jahre in der Max-Eyth-Straße gewohnt – er kennt also beide Strecken ganz genau. Es gehe dem Kreis nicht hauptsächlich darum, dass die Nordvariante teurer sei, weil mehr neu gebaut werden muss, stellte er gleich zu Beginn klar.

Problem: Anschluss in Weinstadt

Hier den Radschnellweg zu bauen, würde bedeuten, dass insgesamt grob ein Hektar Fläche zusätzlich mit Asphalt versiegelt werden müsste. Seiner Meinung nach sei das eine wenig grüne Lösung, so Hein. Außerdem muss an einem Punkt die Bahnlinie gekreuzt werden: Das muss die Deutsche Bahn genehmigen.

Probleme macht auch der Anschluss in Weinstadt: Hier trifft die Nordtrasse auf den Knotenpunkt von B 29 und Zubringern. In der Vergangenheit habe es hier immer wieder Rückstau bis auf die Bundesstraße gegeben. Nur eine bis ins Detail ausgeklügelte Ampelschaltung habe dem ein Ende setzen können. Ein Radüberweg würde alles durcheinanderbringen und ist an dieser Stelle unmöglich, glaubt Hein: „Dieser Knotenpunkt verträgt keine weitere Kreuzung!“

Sorge: Lkw und Radfahrer könnten sich in die Quere kommen

Gegen die Südtrasse durchs Rommelshäuser Industriegebiet, wo eine Fahrradstraße entstehen sollte, hatten im Vorfeld besonders Gewerbetreibende in der Max-Eyth- und der Willy-Rüsch-Straße sowie Anlieger des Gewerbegebiets „Auf der Höhe“ argumentiert. Sie hatten deswegen ein Schreiben an die Gemeinde formuliert, in dem sie sich gegen diese Trassenvariante ausgesprochen haben.

Ihre Hauptargumente: Durch den oft auch rangierenden Lkw-Verkehr sei die Strecke für eine Fahrradstraße viel zu gefährlich. Die Max-Eyth-Straße sei durch die vielen Längsparker entlang der Bahnlinie jetzt schon so eng, dass es regelmäßig zu Rückstaus kommt.

In dieser Straße liegt auch die Bahnunterführung als einzige Zufahrt zum Gebiet „Auf der Höhe“: Die Einmündung ist schmal, abbiegende Sonderfahrzeuge wie Bagger und Kräne sowie Sattelzüge verursachen jetzt schon Probleme, so das Schreiben. Dazu kommen die an- und abfahrenden Busse des Unternehmens Schlienz in der Willy-Rüsch-Straße.

Landratsamt hat sich Lösungen für Max-Eyth-Straße überlegt

Bei einer Begehung haben sich Landratsamt und Gemeinderäte die Lage vor Ort noch einmal genau angesehen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung konnte Stefan Hein den Räten gleich mehrere Vorschläge präsentieren, wie potenzielle Gefahren im Bereich der Südtrasse behoben werden könnten:

Die Längsparker sollten zum Beispiel verschwinden, dafür sollte ein zusätzlicher Parkplatz gebaut werden. Die Einmündung der Zufahrt zum Gewerbegebiet „Auf der Höhe“ sollte verbreitert werden, das Parkverbot daneben ausgedehnt. So könnte der Mischverkehr für alle funktionieren. „Das würde die Aufenthaltsqualität dort verbessern“, so Stefan Hein.

Das Kernener Gremium konnte er aber nicht überzeugen: Sieben Räte stimmten für die Südtrasse, elf dagegen. Ein Ratsmitglied enthielt sich. Mit zwölf Jastimmen zu fünf Neinstimmen und zwei Enthaltungen wurde die Nordtrasse beschlossen.

In der Planung des Radschnellwegs 5 (RS 5), der von Schorndorf nach Fellbach führen soll, ist am Donnerstagabend im Kernener Gemeinderat eine wichtige Entscheidung gefallen. Hier wurde abschließend über die Trassenführung auf Höhe Rommelshausen entschieden.

Der Leiter des Dezernats für Bauen, Umwelt und Infrastruktur beim Landratsamt hatte ein leidenschaftliches Plädoyer für die Trassenführung durch die Max-Eyth- und die Willy-Rüsch-Straße abgegeben – das Gremium ließ sich davon aber

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