Kernen

Revierförster Baranek rät: Nach Sturm eine Woche nicht in den Wald

Sturmschäden Wald
Die Wucht des Sturms verrät, welche Bäume krank sind. © Alexandra Palmizi

Nein, versicherte Revierförster Stefan Baranek, die Stürme der vergangenen Tage und Wochen stellten keine Katastrophe dar. Der Wald von Fellbach und Kernen, für den er verantwortlich sei, wurde allenfalls „grob durchgebürstet“, so das von ihm gebrauchte anschauliche Bild. Dabei handle es sich um einen normalen, natürlichen Prozess. Zur Katastrophe wachse es sich dann aus, wenn wie bei „Wiebke“ 1990 der Sturm nach dem Ende der Holzeinschlagperiode in die zum Teil schon belaubten Kronen fahre und so großflächig Opfer finde.

Am Donnerstag in der Früh öffnete sich bei fast wolkenlos blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein vom Stettener Weintreff in den Sandäckern aus das Panorama einladend über Stetten und die Weinberge hinweg auf die gegenüberliegende grüne Mauer. Allerdings, fügte Baranek im Rahmen eines Pressegesprächs nachdenklich hinzu, während er den Blick über die Landschaft schweifen ließ, handle es sich beim Wald um einen lebendigen Lebensraum, den sich der Mensch – Spaziergänger, Wanderer und Mountainbiker – mit den Tieren und Pflanzen teile. Dies bedeute aber auch, dass man sich ihm demütig und mit Respekt nähern müsse. Es sei daher empfehlenswert, ihn nach derartigen Stürmen mindestens eine Woche lang nicht zu betreten. So viel Zeit sei nötig, die Hauptwege, Sitz-, Spielplätze und Bänke auf ihre Sicherheit hin zu kontrollieren.

Durch die Stürme würde Totholz von den Bäumen abgerissen, es würde noch so mancher Zweig im Geäst hängen und könne jederzeit herabstürzen. Außerdem könne man nicht ausschließen, dass der eine oder andere Baum durch die Kraft des Windes „angeschoben“ wurde, so der Fachbegriff dafür, dass er zwar noch stehen würde, aber nicht mehr fest im Erdreich verwurzelt sei. Von diesen Bäumen gehe eine latente Gefahr aus: Man sehe es ihnen nicht auf den ersten Blick an, aber sie könnten jederzeit umstürzen.

Kranke Bäume halten dem Sturm nicht Stand

Ein bereits kranker Baum, so Baranek, könne sich vor dem Sturm nicht verstecken. Der suche ihn geradezu, und nachdem er ihn gefunden habe, teste und entlarve er ihn, drücke ihn um oder knicke dessen Stamm an einer Stelle, an der er bei einem gesunden niemals breche, erläutert der Förster an einer rund einen Meter über dem Boden wie ein Streichholz abgeknickten Fichte. Gerade einmal hundert Meter vom Parkplatz beim Weintreff entfernt hat sie ihr Schicksal ereilt. Der Baum habe an der Rotfäule gelitten und sei ganz offensichtlich bereits angezählt gewesen, so Baraneks Erklärung. Dies habe man ihm nicht angesehen, der Sturm habe es nun ans Tageslicht gebracht. Der noch nicht befallene Teil des Stamms sei glücklicherweise wirtschaftlich verwertbar, er könne verkauft und verarbeitet werden. Ungefähr hundert Festmeter Holz seien in dem 600 Hektar großen Forstrevier zwischen Neckar, Lobenrot und Jägerhaus aufgrund der Stürme angefallen. Sie würden nun von einer örtlichen Firma, die von ihm beauftragt werde, aufgearbeitet und anschließend verkauft. Der Holzmarkt biete im Augenblick gute Aussichten und durchaus interessante Preise.

Wald in Kernen und Fellbach zeigt gesunde Strukturen auf

Mit erkennbarem Stolz verweist Baranek auf die gesunde Struktur seines Reviers. Es handle sich um einen Mischwald mit Artenvielfalt wie auch vertretbarem Alter. Dadurch sei die „Ernte“ der Bäume kostspieliger. Die Stämme müssten einzeln gefällt und aus dem Wald gerückt werden, der Einsatz schwerer Erntemaschinen sei nicht möglich. Andererseits aber seien die Bäume stabil, gut verwurzelt und widerstandsfähig. Der Bestand weise einen hohen Eichenanteil auf, selbst die bedrohten Buchen hätten hier sichere Rückzugsgebiete, die flachwurzelnde Fichte sei nicht bestimmend. Bei Neuanpflanzungen kämen als Reaktion auf den Klimawandel Douglasien, Eichen und Maronen zum Zuge, allerdings auch nur in begrenztem Umfang und keinesfalls großflächig.

Eine größere Bedeutung komme seiner Ansicht nach der sogenannten „epigenetischen Veränderungsprozesse“ zu, so der Fachterminus, unter den auch die wunderbare Fähigkeit des Waldes fällt, sich aus sich selbst heraus den verändernden Umweltbedingungen anzupassen, indem sich bei allen Zellteilungen genetische Informationen innerhalb der Zelle leicht verändern. Er baue diesbezüglich vor allem auch Eiche, Lerche und Kiefer. Was die Zukunft „seines“ Waldes anbelange, sei er zuversichtlich: „Ich sehe nicht schwarz“, so Baranek.

Nein, versicherte Revierförster Stefan Baranek, die Stürme der vergangenen Tage und Wochen stellten keine Katastrophe dar. Der Wald von Fellbach und Kernen, für den er verantwortlich sei, wurde allenfalls „grob durchgebürstet“, so das von ihm gebrauchte anschauliche Bild. Dabei handle es sich um einen normalen, natürlichen Prozess. Zur Katastrophe wachse es sich dann aus, wenn wie bei „Wiebke“ 1990 der Sturm nach dem Ende der Holzeinschlagperiode in die zum Teil schon belaubten Kronen fahre

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