Kernen

Schlosspark in Stetten bekommt weiteren Fluchtweg

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Die Sanierungsarbeiten im Schlosspark befinden sich laut Beigeordnetem Peter Mauch „auf der Zielgeraden“. Der Spielplatzbereich soll bei Großveranstaltungen abgesperrt werden. Im Südwesten wird die Gemeinde einen zusätzlichen Fluchtweg anlegen. © Palmizi / ZVW

Kernen-Stetten. Komiker, Konzerte, Kultur-Events: Der Schlosspark der Diakonie Stetten wird für die Remstal-Gartenschau zum Veranstaltungsort. Bei der Planung stellten die Verantwortlichen fest: Wir brauchen einen zusätzlichen Notausgang. Dieser soll im Südwesten geschaffen werden – und kostet satte 72 000 Euro.

Wie viele Besucher dürfte die Gemeinde maximal in den Schlosspark lassen? „Vier-, fünftausend“, sagt Gartenschau-Planer Wolf Grünenwald, ausgehend von der verfügbaren Fläche. Ganz schön kuschelig, diese Vorstellung – so lässt sich das belustigte Schnauben einiger Räte im Technischen Ausschuss deuten. 5000 Leute, mit so vielen Besuchern planen die Kernener nicht wirklich bei ihren Großveranstaltungen. Aber mehr als 1000 sollen es schon werden, wenn etwa Michael Mittermeier auftritt. Und wie zu hören ist, hat Eventplaner Grünenwald noch den ein oder anderen dicken Fisch an der Angel.

Was, wenn ein Feuer ausbricht und die Menschen gefangen sind?

Fakt ist: In seiner jetzigen Ausgestaltung wäre das Risiko zu groß, dass die Besucher des Schlossparks das Gelände nicht zügig verlassen könnten, käme es zu einem Notfall. Man stelle sich nur vor, am Technikhaus im Nordosten des Parks bräche ein Feuer aus und Hunderte wären gefangen. Die Lösung: ein zusätzlicher, mindestens 4,80 Meter breiter Notausgang im Südwesten des Schlossparks, zur Klosterstraße hin, vorbei an Hausnummer 20. Kostenpunkt: circa 72 000 Euro. Momentan wird der dortige Zugang von Baufahrzeugen genutzt. Dem Vorschlag der Verwaltung hat der Technische Ausschuss nun zugestimmt.

Schlosspark hat seither sieben Notausgänge

Zuvor hatte der Sachverständige Thomas Greiner, Geschäftsführer der Sicherheitsfirma 101Entertainment, das Sicherheitskonzept erörtert, an dem auch die Stettener Feuerwehr mitgewirkt hat. Sieben Notausgänge zähle der Schlosspark momentan. Einer davon, der aufs Diakonie-Gelände führt, sei allerdings wegen der Treppe nur bedingt geeignet und zähle „nur mit Augenzudrücken“. Zudem seien Szenarien möglich, in denen dieser und zwei weitere Ausgänge für das Publikum gar nicht nutzbar seien – weil sie im Bereich des Technikhauses liegen, dass im Zweifel das größte Gefahrenpotenzial birgt. Und auch ein vierter Ausgang, zur Seedammstraße hin, tauge nicht zum Fluchtweg. Über den muss die Feuerwehr ihren Schlauch legen, wenn’s drinnen brennt.

72 000 Euro für einen neuen Fluchtweg

Und warum kostet der neue Fluchtweg 72 000 Euro, die Öffnung ist doch bereits vorhanden? Grünenwald erklärte: „Da müssen wir ordentlich das Gelände verändern.“ Der gesamte Bereich beim Gebäude 20 werde neu gestaltet. Der an das Tor anschließende Weg müsse ebenfalls eine Breite von mindestens 4,80 Metern haben. Die Diakonie fordert zudem ein verschließbares Tor. An den Kosten wird sich die Einrichtung aber vermutlich nicht beteiligen – sie verweist auf den Gestattungsvertrag, nach dem die Gemeinde den Schlosspark für 20 Jahre nutzen darf, aber auch für dessen Gestaltung verantwortlich ist.

OGL-Gemeinderat Matthias Kramer stimmte dem Plan als Einziger nicht zu, sondern enthielt sich. Zuvor hatte er die Notwendigkeit der teuren Baumaßnahme angezweifelt: „Ich wundere mich, dass bisher das Jahresfest alle überlebt haben“, sagte er, lenkte aber ein: „Da will nachher keiner den Kopf hinhalten. Wir sind in Deutschland, da ist es halt so.“ Gartenschau-Planer Grünenwald legte den Räten die Zustimmung nahe: „Ich würde Sie nicht in die Bredouille bringen wollen. Sie müssen auch mit in die Bütt, wenn was ist.“


Noch mehr Kosten

86 000 Euro kosten die Gemeinde der Abtransport und die Einlagerung von überschüssigen Erdmassen aus dem Schlosspark auf einer Deponie. Zwar ist der Dreck nicht mit Arsen belastet, wie wegen eines vertauschten Gutachtens zwischenzeitlich angenommen wurde, allerdings sind zwei Kohlenwasserstoff-Werte leicht erhöht. Das ist ungefährlich, solange die Stoffe nicht ins Grundwasser gelangen.

Die erhöhten Werte resultieren vermutlich aus Schlacke, die bei der Verbrennung eines alten Holzschuppens entstanden ist. Die Schlacke war dann mit Bodenmaterial vermengt im Schlosspark eingebaut worden, so lautet eine Theorie.