Kernen

„Spaziergänger“ vor Haus von Bürgermeister Paulowitsch in Kernen

Paulowitsch
Kernens Bürgermeister Benedikt Paulowitsch (Archivfoto). © Gabriel Habermann

Kernens Bürgermeister Benedikt Paulowitsch hat sich öffentlich zu Berichten geäußert, wonach "Montagsspaziergänger" Ende Januar an seinem Privathaus in Stetten vorbeigezogen sind. "An ein zufälliges Vorbeigehen ist nicht zu denken angesichts des an diesem Abend sehr schlechten Wetters, der Lage unseres Hauses und des zeitlichen Zusammenhangs wenige Tage nach meinem offenen Brief im Mitteilungsblatt und der von mir unterstützten Kundgebung am Tag zuvor. Ich hatte angesichts meiner Äußerungen bereits die Befürchtung, dass es hierzu kommen könnte", so Paulowitsch am Donnerstagnachmittag (24.2.) auf Facebook.

Unserer Redaktion sagte Bürgermeister Paulowitsch, er habe von dem Vorfall am Montagabend (31.1.) nur wenig mitbekommen. Ein Nachbar informierte ihn etwas später darüber und sprach von 25 bis 30 Leuten vor der Haustür des Bürgermeisters. 

"Ich kann nicht beurteilen, wie viele Menschen aus Kernen stammten oder von außerhalb anreisten. Ich hatte mich ursprünglich dazu entschieden, den Vorfall nicht öffentlich zu machen. Aufgrund von Recherchen und der Berichterstattung sowie Gerüchten habe ich mich entschlossen, meine Entscheidung zu revidieren und mich zu erklären", so Paulowitsch auf Facebook weiter.

CDU Kernen empört

Der CDU-Gemeindeverband Kernen reagierte bereits auf einen früheren Medienbericht mit Empörung. „Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind ein hohes Gut in einem Rechtsstaat, aber unter diesem vermeintlich freiheitlichen Deckmantel werden Menschen in unserer Gemeinde in einer perfiden Weise angegangen, die völlig inakzeptabel ist“, so Lukas Edelmaier, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Kernen im Remstal.

Zunächst hatte die Stuttgarter Zeitung berichtet, dass sogenannte Spaziergänger das Haus des Kernener Bürgermeisters aufgesucht haben sollen, wobei die Frage im Raum stand, ob dies auf einem Zufall beruht oder bewusst gemacht wurde. Ebenso ungeklärt ist, welcher Gruppe oder Initiative die sogenannten Spaziergänger zuzuordnen sind.

Bürgerinitiative: Mitglied dementiert Beteiligung

Berthold Schreiber von der „Bürgerinitiative (BI) Freiheit und Gesundheit Kernen“ betont, dass die Initiative mit der Aktion nichts zu tun habe. Außerdem meinte er, dass die BI generell keine Spaziergänge organisiere – „weder in Rommelshausen noch in Stetten!“ Die Bürgerinitiative treffe sich lediglich zu Kundgebungen wie vergangenes Wochenende auf dem Schulhof der Realschule.

Brief an Bürgermeister und Gemeinderäte 

Anfang Februar schrieben vermeintliche Kernener Bürger, die sich namentlich nicht vollständig zu erkennen geben, einen Brief an die Mitglieder des Gemeinderats sowie Bürgermeister Benedikt Paulowitsch. In dem Brief sprechen sie persönlich in Kernen bekannte und engagierte Bürger an, wenngleich auch mit teils falscher Schreibung des Namens (aus Caren Lederer wurde Karin Lederer). Laut dem bereits erwähnten Medienbericht weiß zumindest eine der geduzten Rätinnen nicht, wer sie in dem Brief überhaupt anspricht. Das Schreiben erwecke zudem den Eindruck, als kennten die Verfasser Kernen nur rudimentär.

Sie betonen zwar, dass sie keine Impfgegner seien, zeigen sich aber skeptisch gegenüber anderen, welche die Corona-Maßnahmen nicht öffentlich infrage stellen oder gar kritisieren. In dem Brief wird Paulowitsch dafür angegangen, dass er sich bisher gegenüber Bürgern, die sich gegen die Corona-Verordnung des Landes stellen, nicht gesprächsbereit gezeigt habe.

Auf Nachfrage der Lokalredaktion Waiblingen hin erklärt Berthold Schreiber, dass er den Brief nicht kenne und er sich auch nicht vorstellen könne, dass der Brief von Anhängern der Bürgerinitiative stamme.

Hohe Toleranz seitens der Gemeinde

Die CDU Kernen betont in ihrer Pressemitteilung, dass die Corona-Pandemie für die Gemeinde Kernen wegen des hohen Anteils an Menschen in Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen in den vergangenen zwei Jahren eine große Herausforderung gewesen war. Das Miteinander vor allem während der Pandemie sei geprägt von gegenseitiger Rücksichtnahme, so die CDU.

Die Gemeinde sei ihrer Meinung nach im Rahmen der geltenden Gesetze und Verordnungen den Demonstrationen und „Spaziergängen“ gegen die Corona-Verordnungen mit hoher Toleranz begegnet. „Es war richtig und wichtig, dass der Bürgermeister Inhalte, die aus der Mitte der Veranstaltungen geäußert und verbreitet wurden, entschieden entgegengetreten ist“, betont Lukas Edelmaier. Und weiter: „Benedikt Paulowitsch hat anders als andere Bürgermeister in vergleichbarer Situation Courage bewiesen. Das verdient unsere und hoffentlich auch die Unterstützung der Breite der Gesellschaft.“

„Ich habe eine klare Haltung und zu der stehe ich auch. Ich habe meine Ablehnung klar begründet“, sagt Bürgermeister Benedikt Paulowitsch im Gespräch mit der Redaktion. Dass ihm eine große Solidarität entgegengebracht werde, darüber zeigt sich Benedikt Paulowitsch erfreut. „Es gibt eine sehr kleine Gruppe, die in ihrer Denke und Überzeugung radikaler wird.“  

Auf Facebook zeigte Paulowitsch sich besorgt über eine weitere Radikalisierung: "Die Grenzen des Sag- und Machbaren werden immer in kleinen Schritten verschoben. Vor einigen Monaten wäre eine Demonstration vor ein Privathaus als unmöglich angesehen worden. Nun sind es ja 'nur' Spaziergänge und es war ja in meinem Fall 'nur' einer. Als nächstes sind es dann 'nur' Bedrohungen. Dann 'nur Sachbeschädigungen', usw."

Hinweis: in einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Bürgermeister Paulowitsch sei zum Zeitpunkt des Vorfalls am 31.1. nicht zu Hause gewesen. Das war falsch. Paulowitsch war zu Hause, hat nach eigenen Angaben zunächst aber wenig von dem Vorfall mitbekommen.

Kernens Bürgermeister Benedikt Paulowitsch hat sich öffentlich zu Berichten geäußert, wonach "Montagsspaziergänger" Ende Januar an seinem Privathaus in Stetten vorbeigezogen sind. "An ein zufälliges Vorbeigehen ist nicht zu denken angesichts des an diesem Abend sehr schlechten Wetters, der Lage unseres Hauses und des zeitlichen Zusammenhangs wenige Tage nach meinem offenen Brief im Mitteilungsblatt und der von mir unterstützten Kundgebung am Tag zuvor. Ich hatte angesichts meiner Äußerungen

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