Kernen

Spielerisch Deutsch lernen: Roter Faden aus Kernen sucht Sprachpaten für Kinder

Projekt Roter Faden
Vorsitzende der Bürgerstiftung Kernen Bettina Daser (links) und Sprachpaten-Koordinatorin Melanie Schallenmüller. © Gabriel Habermann

Gemeinsam spielen und dabei die Deutschkenntnisse vertiefen: Das gehört zu den Aufgaben der Ehrenamtlichen des Projekts „Roter Faden“ der Bürgerstiftung Kernen. „Sprachpatin zu sein, bedeutet Zeit zu schenken“, sagt Melanie Schallenmüller. Die Erzieherin koordiniert ehrenamtlich die Patenschaften in Kernen.

Wenn Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren Unterstützung im Umgang mit der deutschen Sprache brauchen, dann sind die Ehrenamtlichen zur Stelle. Meist komme der Kontakt zu den Familien über Kindergärten zustande, sagt Melanie Schallenmüller. „Bevor Eltern mit ihren Kindern daheim gebrochenes Deutsch sprechen, wird sich in der Muttersprache verständigt“, berichtet sie aus Erfahrung. Das führt zu mangelnden Sprachkenntnissen oder Berührungsängsten, die sich dann im Alltag, zum Beispiel in der Kita bemerkbar machen. „Die Kinder sind zurückhaltender oder sprechen nicht so viel.“

Das Angebot wird genutzt, bevor die Kinder in die Schule kommen

Oftmals bestehe der Bedarf gerade „in Richtung Schuleintritt“. Hier können die Familien das Angebot der Sprachpaten nutzen: Jedem Kind wird eine feste ehrenamtliche Bezugsperson zugeteilt. Einmal in der Woche findet zu einem bestimmten Termin ein Treffen statt – meist zu Hause bei dem „Sprachpatenkind“. „Die Sprachpaten gehen in die Familien“, erklärt Melanie Schallenmüller, „denn dort findet Sprache wie im Leben statt.“

Das Ziel sei, spielerisch die Freude an der Sprache zu wecken. „Wenn man Einkaufen spielt, aktiviert man dadurch das Sprechen“, sagt Bettina Daser, erste Vorsitzende der Bürgerstiftung Kernen. Darüber hinaus sei wichtig, „die Kinder in Vereine oder die Kindersportschule zu integrieren.“ Knüpfen die Mädchen und Jungen Bekanntschaften zu anderen Kindern im Verein, auf den Spielplätzen oder in der Nachbarschaft, helfe das auch im Umgang mit der Sprache.

Eine Studie zeigt Bedarf bei der Förderung der Deutschkenntnisse von Kindern

Die Initiative „Roter Faden“ wurde im Jahr 2008 von Ehrenamtlichen der Gemeinde Kernen gegründet und wird von der Bürgerstiftung gefördert. Das Angebot der Sprachpaten geht wiederum auf eine Studie der Gemeinde in den Jahren 2011 bis 2013 zur Prüfung der Schulreife zurück. „Untersucht wurde die Schulfähigkeit der Kindergartenkinder auf Deutschkenntnisse hin“, sagt Bettina Daser. Die Studie ergab, dass Kinder aus Familien, in denen Deutsch nicht die Muttersprache ist, zusätzliche Unterstützung brauchen. Hierbei handelt es sich in Kernen häufig um Mädchen und Jungen aus Familien aus osteuropäischen Ländern, aber auch aus Syrien, Nigeria, Portugal, Italien und Indien.

Was braucht es, um Sprachpatin oder Sprachpate zu werden?

Aktuell gibt es in Kernen insgesamt 19 Sprachpatinnen und einen Sprachpaten. Allerdings sucht der Rote Faden immer Ehrenamtliche, die bereit sind, eine Patenschaft zu übernehmen. Was müssen die Ehrenamtlichen mitbringen? „Ein Gespür für Kinder, aber auch einen gewohnten Umgang mit Kindern“, sagt Melanie Schallenmüller. Die Erzieherin weiß: Gerade dies sei bei der ersten Begegnung enorm wichtig.

Außerdem müssen die Helfer regelmäßig Zeit für die Kinder haben, um eine Vertrauensbasis zueinander zu schaffen. „Der Termin sollte stehen“, sagt sie, denn „ein Kind braucht Verlässlichkeit.“ Bevor Melanie Schallenmüller die Sprachpaten auf die Familien und Kinder verteilt, achtet sie darauf, dass die Paten „zu dem Kind und der Familie passen“. Hilfreich sei beispielsweise auch ein Bezug zu der Kultur des Kindes, ergänzt Bettina Daser. „Wenn man mit der Kultur verbunden ist, bringt das eine Leichtigkeit in den Umgang miteinander.“

Ein weiteres Kriterium für das Ehrenamt ist, dass der Sprachpate ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen muss – als zusätzliche Sicherheit, sowohl für die Familie als auch für den Roten Faden.

Ist die Bindung zu dem Kind gefestigt, wird gemeinsam etwas unternommen: Etwa „Auf den Spielplatz gehen oder gemeinsam backen“, zählt Melanie Schallenmüller auf. Sprachpatin Andrea Buchar-Kern aus Rommelshausen geht beispielsweise gemeinsam mit Tarek, der aus einer syrischen Familie stammt, Eis essen. Die Patenschaft besteht seit Juli 2020.

Zu Beginn der Pandemie waren keine Treffen mehr möglich

Wie wirkte sich die Pandemie auf das Engagement der Ehrenamtlichen aus? „Corona ist uns reingegrätscht“, sagt Melanie Schallenmüller. Vor der Pandemie haben sich die Ehrenamtlichen zu einem Spielenachmittag getroffen, um Erfahrungen auszutauschen und Spiele für die Kinder zu erproben.

In Zeiten der Lockdowns seien aufgrund der Kontaktbeschränkungen und der Infektionsgefahr viele Patenschaften zu Ende gegangen. „Die Kinder wurden dann eingeschult, der Kontakt ist aber auch immer weniger geworden.“ Die Sprachpatenschaften dauern im Normalfall so lange, bis die Mädchen und Jungen eingeschult werden. Wenn dann noch Unterstützungsbedarf bestehe, kommen die Lernbegleiter des Roten Fadens zum Einsatz.

Nun hat sich die Situation seit dem Impfangebot einigermaßen entspannt – es seien wieder Kontakte und Patenschaften möglich. Die Frage nach dem Impfstatus müsse aber im Fall einer Patenschaft zwischen Familie und Ehrenamtlichen geklärt werden, so Schallenmüller. Nun hoffen alle Beteiligten, dass die Patenschaften in gewohnter Form weitergehen können. „Alle Paten machen einen tollen Job“, findet Melanie Schallenmüller. Jeder noch so kleine Fortschritt bei den Kindern sei wichtig und wertvoll – und Teil eines Erfolgserlebnisses.

Ein Erlebnis ist Bettina Daser besonders in Erinnerung geblieben

Bettina Daser, die ebenfalls Sprachpatin war, ist ein Erlebnis besonders in Erinnerung geblieben. Sie betreute einen Jungen aus einer ungarischen Familie. „Er war zuerst sehr zurückhaltend im Kindergarten“, erinnert sie sich. Zu Hause, im gewohnten Umfeld des kleinen Jungen, spielte und beschäftigte sie sich mit ihm – und ermutigte ihn, Deutsch zu sprechen.

Mit der Zeit baute sich eine Bindung zwischen Bettina Daser und dem Jungen auf. So weit, dass die Sprachförderung in den Hintergrund rückte. Als wieder ein Besuch anstand, erinnert sich Bettina Daser, sagte der Junge: „Sie kommt, weil sie mich mag.“

Kontakt 

Weitere Infos gibt es bei Ansprechpartnerin Melanie Schallenmüller unter Tel. 01 57/87 99 43 62 oder per E-Mail an sprachpaten@gmx.net.

Gemeinsam spielen und dabei die Deutschkenntnisse vertiefen: Das gehört zu den Aufgaben der Ehrenamtlichen des Projekts „Roter Faden“ der Bürgerstiftung Kernen. „Sprachpatin zu sein, bedeutet Zeit zu schenken“, sagt Melanie Schallenmüller. Die Erzieherin koordiniert ehrenamtlich die Patenschaften in Kernen.

Wenn Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren Unterstützung im Umgang mit der deutschen Sprache brauchen, dann sind die Ehrenamtlichen zur Stelle. Meist komme der Kontakt zu den

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