Kernen

Spritpreise belasten Fahrschulen: Führerschein könnte teurer werden

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Fahrschulinhaber Stefan Ade beim Tanken: Am Donnerstag kostete der Liter Diesel 2,15 Euro. © Gaby Schneider

Seit Wochen und verstärkt durch den Angriffskrieg in der Ukraine klettern die Zahlen auf der Zapfsäulen-Anzeige rasant in die Höhe: Der Besuch an der Tankstelle ist aktuell für Autofahrer ein teures Vergnügen. Von den hohen Spritpreisen sind aber nicht nur Privathaushalte betroffen. Den Fahrschulen bereiten die gestiegenen Benzin- und Dieselpreise ebenfalls Sorgen. Denn: Das Auto stehenzulassen, ist schließlich keine Option – das Autofahren ist das Hauptgeschäft der Fahrschulen.

„Wenn es noch teurer wird, wird uns nichts anderes übrigbleiben, als die Preise zu erhöhen“, sagt Stefan Ade. Der Inhaber der Fahrschule AB Company, welche er gemeinsam mit Gerd Baumholzer führt, gibt aber vorläufig Entwarnung: „Die jetzigen Fahrschüler haben Verträge mit Preisgarantie.“ Das bedeutet, dass der Preis für die Fahrstunden nach Vertragsabschluss sechs Monate lang gleichbleiben muss.

Das Problem: „An der Tankstelle können die steigenden Kosten sofort weitergegeben werden“, so Stefan Ade. In der Fahrschule gilt ein anderes Tempo. „Die Kalkulation haut nicht mehr hin.“ Eine vergleichbare Situation habe es in seiner dreißigjährigen Berufslaufbahn noch nicht gegeben. „Vielleicht die Ölkrise in den 70ern, als es autofreie Sonntage gab“, erinnert sich Ade. Damals sei er aber selbst noch ein Kind gewesen.

Für die Tankfüllung gibt die Fahrschule aktuell 40 bis 50 Prozent mehr aus

Wenn die Preise für künftige Fahrschüler angepasst werden müssen, geschehe das auf keinen Fall, „weil wir mehr verdienen wollen, sondern weil die Kosten für den Fahrunterricht steigen“, sagt der Inhaber.

Vormals habe man für eine 50-Liter-Tankfüllung um die 70 Euro gezahlt, zurzeit seien es bis zu 40 bis 50 Prozent mehr. „Ich habe letztens Diesel für 2,50 Euro pro Liter getankt“, sagt Stefan Ade. Immerhin bestehe der Fuhrpark aus neun Fahrschulautos – ein hoher Kostenfaktor.

Ob und wie teuer der Führerschein künftig wird, lasse sich pauschal nicht sagen. „Manche Schüler brauchen mehr Fahrstunden, manche weniger.“ Neben den Spritpreisen kommen noch höhere Energiekosten hinzu. So steigen auch die Nebenkosten für die sechs Schulungsräume der Fahrschule in Waiblingen, Kernen und Korb. Dort findet regulär der Theorieunterricht statt.

Nicht überzeugt von Fahrsimulatoren zum Üben

Angesichts der aktuellen Lage mache sich in der Fahrschulbranche ein Umdenken bemerkbar – allerdings nicht erst seit gestern. Im Gespräch sind Alternativen zum herkömmlichen Diesel-Auto. „Manche Fahrschulen schwören auf den Fahrsimulator“, berichtet Stefan Ade.

Er sei allerdings nicht allzu überzeugt von dieser Lösung mit Anschaffungskosten von mehr als 20.000 Euro. „Für den Anfang, um den Gang einzulegen oder die Kupplung kommenzulassen, ist der Simulator gut. Aber das echte Fahrfeeling bekommt man nur im Straßenverkehr.“

Ein E-Auto hat die Fahrschule schon

Zunehmend interessanter werde auch das Thema Elektromobilität. Auch in der Fahrschule AB Company gibt es ein E-Auto, auf dem Fahrschüler ihren Führerschein machen können. „Es ist ganz schön in Betrieb und fährt den ganzen Tag“, sagt Ade. Aber: Die Anschaffung eines E-Autos sei zurzeit eher schwierig. Lieferengpässe und geringe Subventionen machen den Kauf eines weiteren elektrisch angetriebenen Fahrzeugs momentan für Stefan Ade eher uninteressant.

Wenn die Preise weiter anhalten, werde Stefan Ade auch die Löhne der Mitarbeiter erhöhen müssen. „Schließlich müssen die auch tanken und Nebenkosten bezahlen.“ Neben den hohen Spritpreisen ist auch Corona weiterhin ein Thema in den Fahrschulen. Gemäß der aktuellen Verordnung gilt in Fahrschulen die 3G-Regelung. „Beim Autofahren muss eine FFP2-Maske getragen werden“, sagt Stefan Ade.

Etwas Gutes hat das Zusammenspiel der Pandemie und der hohen Spritpreise dann doch: Da der Theorieunterricht zu 80 Prozent online stattfindet, „sparen sich die Probanden den Anfahrtsweg mit den Eltern, Bus oder Bahn“, sagt Stefan Ade. Lediglich die Theorie für Lkw-Führerscheinanwärter werde vor Ort gelehrt. Seit Ende 2020 hat die Fahrschule die Ausnahmegenehmigung, den Theorieunterricht online durchzuführen. „Mittlerweile funktioniert das gut“, so Ade. Angesichts der Spritpreise wünscht sich der Inhaber eines: „Gezielte Hilfe für Unternehmen, die davon stark betroffen sind.“

Seit Wochen und verstärkt durch den Angriffskrieg in der Ukraine klettern die Zahlen auf der Zapfsäulen-Anzeige rasant in die Höhe: Der Besuch an der Tankstelle ist aktuell für Autofahrer ein teures Vergnügen. Von den hohen Spritpreisen sind aber nicht nur Privathaushalte betroffen. Den Fahrschulen bereiten die gestiegenen Benzin- und Dieselpreise ebenfalls Sorgen. Denn: Das Auto stehenzulassen, ist schließlich keine Option – das Autofahren ist das Hauptgeschäft der Fahrschulen.

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