Kernen

Steinbruch wird zur Konzertbühne

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Musiker des Daimlerorchesters haben zusammen mit Rockmusikern das Publikum unterhalten. © Gabriel Habermann

Kernen-Stetten. Das Steinbruchgelände des Sandsteinwerkes Bayer in Kernen ist als Konzertkulisse eine gigantische Entdeckung. Der Gitarrist Siggi Schwarz präsentierte dort am Samstag und Sonntag – inmitten der kantigen Abbruchumgebung – sein erfolgreiches Crossover-Projekt „Meilensteine der Rockmusik – Rock meets Classic“.

Die Idee, dieses Ambiente musikalisch zu bespielen, hatte Bürgermeister Stefan Altenberger schon vor Jahren – und er konnte die Brüder Bayer, Inhaber des Sandsteinwerkes, für das Vorhaben sofort gewinnen. Der Behördenapparat tat sich da schwerer. Doch alle Hürden wurden pünktlich zum Gartenschaujahr genommen.

Für tausend Zuhörer ist die Kiesfläche bestuhlt

Kurz vor Konzertbeginn werden nun Kontrabässe, Celli und Geigen durch den Steinbruch getragen. Die Musiker des Daimlerorchesters bahnen sich ihren Weg vorbei an haushoch gestapelten Mauersteinpaketen. Keine übliche Umgebung wie bei ihren sonstigen musikalischen Einsätzen. Gemeinsam mit Siggi Schwarz und Band stehen dann zu Konzertbeginn 100 Instrumentalisten auf der Bühne inmitten einer Naturkulisse, die glaubwürdig „Stairway to Heaven“ und mehr verspricht. Für tausend Zuhörer ist die Kiesfläche bestuhlt – frisch aus recyceltem Beton für den Anlass vom Firmeneigentümer präpariert – und kaum ein Platz bleibt frei. Die umliegenden Geröll- und Erdhänge sind geglättet, der Besucherblick schweift vorbei an einem glänzend gewaschenen Bagger über die Sandsteinwände ringsum – ob sie dem angekündigten Großereignis mit vibrierenden Sound standhalten werden?

Das Wetter bietet jedenfalls ideale Bedingungen. Warm, aber nicht heiß legt sich freundliche Abendstimmung übers Gelände. Der Shuttleservice aus den umgebenden Ortschaften funktioniert wie am Schnürchen. Das Publikum kann die angebotenen Weine der vertretenen Wengerter sorglos genießen. Mit Van Halens „Jump“ startet der Trip in die Rockvergangenheit. Das Orchester ist gleich mit vollem Einsatz dabei, breite Streicherpassagen, sorgfältig gesetzte Bläserbeiträge und elegante Percussionverwendung (vier Schlagwerker haben die Klassiker im Einsatz) puschen die Band bereits im ersten Song zu Höhenflügen. Der Sound ist gigantisch, Siggi Schwarz und seine Musiker werden vom orchestralen Druck brillant ergänzt.

Rockklassiker wie „Here I go again“ von Bernie Madsen und David Coverdale ( Whitesnake), „Africa“ von Toto und „While my Guitar“ von den Beatles folgen dem fulminanten Opener und lassen schnell wissen: Hier ist ein sentimentaler Glücksblick in vergangene Zeiten gewollt. Und das Publikum genießt es sichtlich, den wahrhaft unsterblichen Hits zu lauschen. Nicht zuletzt getragen von der enorm wandelbaren und ausdrucksstarken Stimme des Heidenheimer Sängers Markus Engelstädter. Das Publikum ist begeistert, Siggi Schwarz an der Sologitarre erhält nach der Pause bei seinen exzellenten Soli etwas mehr Druck vom Mischpult, Danny O’Steen am Bass und Backvocalist, Max Hunt an den Keyboards sowie Bernd Elsenhans am Schlagzeug sind in Bestform.

Freddy Mercurys „Bohemian Rhapsody“ reißt das Publikum schließlich von den Sitzen. Nicht nur die Tanzfreudigen haben sich jetzt von den Sitzen erhoben. Mit Standing Ovations bedankt sich das Publikum bei Dirigent Matthias Baur, seinem Orchester und Siggi Schwarz mit Band und fordert erfolgreich Zugaben, bevor der Shuttleservice wieder einsetzt und Ruhe in den Wald zurückkehrt. Die Mondsichel leuchtet überm Sandstein wie ein Hoffnungsschimmer dafür, dass die musikalische Nutzung dieses Ortes eine Wiederholung findet.