Kernen

Stetten: Warum die Pferde Vienna und Lord trotz Krankheit nicht in ihrer jetzigen Scheune neben dem Alten Friedhof bleiben dürfen

Scheune
Tim Boss, Vienna, Lord und Sarah Keller fühlten sich in ihrer eigenen Scheune in Stetten bisher sehr wohl. © ALEXANDRA PALMIZI

„Die Kleine heißt Vienna und der Große heißt Lord“, sagt Sarah Keller. Ein braunes Pony und ein weißer Schimmel – seit 2011 sind sie in der Obhut von Sarah Keller und ihrem Freund Tim Boss. In Stetten haben die beiden Pferde vor drei Jahren eine neue Bleibe gefunden, in einer Scheune hinter dem Alten Friedhof.

Doch das wird sich bald ändern. In der Scheune ist die private Haltung von Pferden nicht erlaubt, wie das Paar vom Baurechtsamt des Landratsamtes mitgeteilt bekommen hat. Boss und Keller suchen nach einer Lösung – gegebenenfalls nach einer neuen Bleibe.

Umnutzung der Scheune in einen Pferdestall ist genehmigungspflichtig

Weshalb die Pferde dort nicht mehr bleiben dürfen, erklärt das Landratsamt auf Nachfrage so: „Im April 2019 teilte uns die Gemeinde Kernen mit, dass in der bestehenden Scheuer Pferde gehalten werden.“ Nach einer Prüfung wurde der Fall bestätigt. Darauf wurde laut Landratsamt der Eigentümer des Grundstücks, der Vater von Sarah Keller, im November vergangenen Jahres darüber unterrichtet, „dass die Umnutzung der Scheune in einen Pferdestall genehmigungspflichtig ist und eine Baugenehmigung nicht vorliegt“.

Auch wenn die Pferdehalter diesbezüglich etwas ändern wollten, wäre das nicht möglich. Denn: „Das Grundstück liegt bauplanungsrechtlich im Außenbereich: Dieser ist streng geschützt und soll privilegierten Nutzungen wie der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft vorbehalten bleiben“, teilt das Landratsamt mit. Doch Keller und Boss halten die Pferde privat, als Hobby, nicht beruflich.

Baurechtsamt hatte Frist bis Ende Oktober verlängert

„Dem Eigentümer wurde daher mitgeteilt, dass die Pferdehaltung bis zum 31.07.2020 aufzugeben ist“, heißt es weiter. Nach einem persönlichen Gespräch mit der Familie habe das Baurechtsamt die Frist bis 31. Oktober 2020 verlängert, „damit zur Suche für eine anderweitige Unterbringung der Pferde etwas mehr Zeit bleibt“. Insgesamt hatte die Familie also ein Jahr Zeit, eine neue Unterbringung für die Pferde zu finden.

„Da wir keine Mitteilung/keinen Nachweis einer Nutzungsaufgabe von Herrn Keller erhalten haben, wird nun eine förmliche Nutzungsuntersagung erlassen“, heißt es aus dem Landratsamt. Kurzum: Es gebe keine Möglichkeit – auch nicht durch Änderungen – formal eine Baugenehmigung für die Nutzung zu erhalten.

Pferdehalter starteten eine Unterschriftenaktion

Das finden Tim Boss und seine Freundin natürlich sehr schade. Sie hatten die Hoffnung, mit einer Unterschriftenaktion etwas zu bewirken. „In etwa vier Wochen hatten wir 450 Unterschriften zusammen“, sagt der 30-Jährige. Doch dass die Unterschriften in diesem Fall nichts bewirken können, habe ihnen auch der Kernener Bürgermeister Benedikt Paulowitsch in einem persönlichen Gespräch erklärt. Schließlich entscheidet das Baurechtsamt.

Viel Zeit und Arbeit investiert

Auch wenn sie Verständnis für die Vorgehensweise haben, finden die beiden es dennoch schade. Schließlich haben sie einiges an Arbeit und Zeit in die Scheune gesteckt, um sie auf Vordermann zu bringen. „Das Gestrüpp war bis nach vorne gewachsen“, sagt Tim Boss. „Hier konnte man nur eine Tür öffnen und drüben konnte man keine Tür öffnen.“

Etwa zehn Wochen habe es gedauert, das Dornengestrüpp rund um den Stall zu entfernen, und insgesamt zwei Jahre, um alles so zu haben, wie es jetzt ist. Auch Licht scheint in die Scheune, die sie Mitte 2017 gekauft haben. „Wir haben zwei Fenster eingebaut“, sagt er, und nachträglich Strom legen lassen.

"Das Problem ist, dass die Pferde krank sind"

Seine Freundin fasst zusammen: „Wir haben uns hier etwas aufgebaut. Davor waren wir schon in vier bis fünf Ställen.“ Und nirgends haben sie sich wohler gefühlt als in ihrem derzeitigen Stall. „Das Problem ist, dass die Pferde krank sind“, sagt sie. „Vienna hat so etwas wie Diabetes, sie darf kein Gras fressen.“ Und wenn das braune Pony mal ausbricht und doch Gras frisst, „dann wird’s kritisch für sie“. „Lord lässt sich von Außenreizen sehr schnell stressen und kriegt Magengeschwüre“, erklärt die 28-Jährige.

Die Pferde fühlen sich hier sehr wohl

Deshalb sei es fast nie einfach gewesen, für die beiden kranken Tiere eine passende Unterkunft zu finden. Bis sie die Scheune in Stetten entdeckten und kauften. „Denen geht es gut, seitdem wir hier sind“, sagt Keller. „Beide fühlen sich wohl und können sich sogar gleichzeitig hinlegen, das war bisher nie der Fall.“

Nicht nur Vienna und Lord, auch die beiden Esslinger fühlen sich in Stetten sehr wohl. „Die Leute hier sind so cool“, sagt Sarah Keller. „Die helfen einem immer.“ Mal schaue jemand vorbei, der ihnen Äpfel vorbeibringt, mal gebe es ein frischgebackenes Brot. „Wenn ich die Pferde von der Koppel abholen gehe, steht manchmal der halbe Kindergarten um die Pferde herum“, sagt sie und freut sich dabei. Eine Kita habe sogar schon angefragt und wollte eine Exkursion in den Stall veranstalten.

Optimaler Standort

„Vom Standort her ist es natürlich optimal“, sagt Boss. Die Scheune liegt an der Straße, die von Wanderern, Spaziergängern und Familien sehr oft genutzt wird. Die Route führt an den Schafen vorbei zum „Spielplatz im Tal“. „Seit der Remstal-Gartenschau ist es zu einer sehr beliebten Wanderroute geworden“, sagt Boss.

Auch aus einer anderen Sicht spielt der Standort für sie eine Rolle, den Pferdemist nehmen ihnen Landwirte aus Stetten ab und das Heu und Stroh wird ihnen ebenfalls aus Stetten geliefert.

Daher wünscht sich Boss: „Es wäre der Jackpot, wenn wir irgendwie hierbleiben könnten.“

Wer eine passende Scheune hat, kann sich bei den beiden melden

Da das Landratsamt ihnen aber klargemacht hat, dass das nicht möglich ist, begeben sie sich auf die Suche: „Das Optimale wäre ein Haus mit einem Stall dran“, sagt Sarah Keller. Falls jemand eine passende Scheune für Vienna und Lord kennt, kann er sich per E-Mail an pferdestall-stetten@web.de wenden.

„Die Kleine heißt Vienna und der Große heißt Lord“, sagt Sarah Keller. Ein braunes Pony und ein weißer Schimmel – seit 2011 sind sie in der Obhut von Sarah Keller und ihrem Freund Tim Boss. In Stetten haben die beiden Pferde vor drei Jahren eine neue Bleibe gefunden, in einer Scheune hinter dem Alten Friedhof.

Doch das wird sich bald ändern. In der Scheune ist die private Haltung von Pferden nicht erlaubt, wie das Paar vom Baurechtsamt des Landratsamtes mitgeteilt bekommen hat. Boss

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper