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Termine mit Ungeimpften platzen: Friseur aus Stetten klagt über PCR-Testpflicht

CapillusCoronaFriseur
Seit 40 Jahren ist Peter Böhringer (57) als Friseur tätig. Den Salon „Capillus“ eröffnete er vor 19 Jahren in Stetten. © Gaby Schneider

Wer seine Haare schneiden, föhnen oder färben lassen möchte und nicht vollständig geimpft ist, muss seit Mittwoch, 17. November, einen negativen PCR-Test nachweisen. Diese verschärfte Regelung gilt seit Eintritt der Alarmstufe und der 3G-Regelung dort, wo sogenannte körpernahe Dienstleistungen angeboten werden, etwa im Friseursalon, Kosmetik- und Nagelstudio.

Ungeimpfte Kundin musste weggeschickt werden

Friseurmeister Peter Böhringer musste einen Tag nachdem die Corona-Alarmstufe ausgerufen wurde, eine Kundin wegschicken, erzählt er. Die Frau habe nicht gewusst, dass die verschärfte 3G-Regelung mit PCR-Test-Pflicht bereits galt, sagt der 57-Jährige.

Auch zwei Termine, die für die kommende Woche vorgesehen waren, wurden wegen des erforderlichen Testnachweises abgesagt. Die Reaktionen seiner Kunden wundern Böhringer nicht. „Das macht kein Kunde mit“, sagt der gebürtige Esslinger, der seit 19 Jahren seinen Salon „Capillus-Haarschnitt“ in der Mühlstraße in Stetten betreibt. Für viele Menschen seien der kostenpflichtige PCR-Test plus der Friseurbesuch schlichtweg zu teuer.

Salon-Inhaber findet es schade

„Wir haben auch viele geimpfte Kunden“, sagt Peter Böhringer. Wie viele es insgesamt sind, das wisse er allerdings nicht. Am liebsten würde der Inhaber seine Kunden gar nicht in „geimpft“ und „ungeimpft“ kategorisieren. „Es tut mir leid“, sagt der 57-Jährige, die ungeimpften Kunden wegschicken zu müssen. „Ich kenne die vielen Kunden auch persönlich“, sagt Böhringer, der seit insgesamt 40 Jahren als Friseur arbeitet, „es sind zu 90 Prozent Stammkunden, und ich weiß, dass die sich ordentlich verhalten und sich auch regelmäßig testen lassen.“

Aus seiner Sicht seien diejenigen, die sich regelmäßig testen lassen, sicherer als beispielsweise „ein Geimpfter, der sich nicht testen lassen muss“. Doch die Lage in den Rems-Murr-Kliniken zeigt: Ungeimpfte haben ein höheres Risiko, sich mit Covid-19 anzustecken, als Geimpfte und landen nach einem positiven Befund ungleich häufiger auf der Intensivstation.

Unter Einhaltung der vorgeschriebenen Corona-Auflagen zaubert der langjährige Friseur gemeinsam mit seinem Team, das aus drei Vollzeit- und zwei Teilzeitkräften besteht, seinen Kunden die gewünschte Frisur.

Im Frühjahr blieben Kunden wegen Schnelltest weg

Die pandemische Situation spiegele sich im „Capillus“ wider. Als im Frühjahr für den Friseurbesuch ein negativer Antigen-Schnelltest erforderlich war, blieben ebenfalls viele Kunden weg. Das habe sich wieder normalisiert, als das geschulte „Capillus-Team“ eine Corona-Testung für fünf Euro vor Ort im Salon angeboten habe. „Das ist teilweise auch angenommen worden“, berichtet Böhringer.

Wie lief das Geschäft in den vergangenen Wochen? „Die Ferien waren relativ ruhig, aber in der letzten Woche waren wir relativ gut besucht“, sagt Böhringer. Nach einem Blick in seinen Terminkalender ergänzt er: „Nächste Woche wird es im Verhältnis zu anderen Wochen ruhiger.“ Möglicherweise könnten noch einige Absagen hinzukommen.

Ob sich diese Phase hält oder ändert, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. „Ich weiß nicht, ob die Leute, wie letztes Jahr, teilweise durch die hohen Zahlen vorsichtiger geworden sind“, sagt er, und deshalb möglicherweise auf einen Friseurbesuch verzichten. Im Lockdown griffen schließlich viele Menschen selber zum Kamm und zur Schere, weil sie nicht wussten, wann die Salons wieder öffneten.

Zwei Tageskräfte kündigten im Dezember 2019

Auch Peter Böhringer erlebte das erste Jahr der Pandemie mit viel Unsicherheit, sagt er. „Im Dezember 2019 haben zwei Tageskräfte gekündigt“, erinnert sich der Chef, „im Januar 2020 habe ich dann eine Vollzeitkraft eingestellt.“ Zu seiner Freude brachte die neue Mitarbeiterin „sehr viele Kunden“ mit. „Dadurch haben wir im Jahr 2020 ein umsatzmäßig besseres Jahr als 2019 gehabt“, berichtet er und rechnet damit, dass er deshalb „wahrscheinlich von der Überbrückungshilfe einen Teil zurückzahlen“ muss. Auch wenn die pandemiebedingten Schließungen viele neue Herausforderungen mit sich brachten und die Corona-Hilfen „relativ spät“ ankamen, habe „Capillus“ alles einigermaßen gut verkraftet, sagt Böhringer.

Dankbar ist Böhringer dafür, dass es in Deutschland die „Kurzarbeiter-Gelder“ gibt. Das hat uns sehr geholfen, sagt der Friseurmeister. „Wenn ich alle Löhne hätte normal weiterzahlen müssen, dann wäre ich nach zwei bis drei Monaten kaputt gewesen.“ Mit Blick in die Zukunft sagt er: „Ich wünsche mir, dass die Spaltung der Gesellschaft aufhört, die bis in Familien hineingeht.“

Wer seine Haare schneiden, föhnen oder färben lassen möchte und nicht vollständig geimpft ist, muss seit Mittwoch, 17. November, einen negativen PCR-Test nachweisen. Diese verschärfte Regelung gilt seit Eintritt der Alarmstufe und der 3G-Regelung dort, wo sogenannte körpernahe Dienstleistungen angeboten werden, etwa im Friseursalon, Kosmetik- und Nagelstudio.

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Ungeimpfte Kundin musste weggeschickt werden

Friseurmeister Peter Böhringer musste einen Tag nachdem die

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