Kernen

Ukraine-Krieg und hohe Energiekosten erschweren das Blumengeschäft in Kernen

Blumenladen Maile
Maike Ehlert in ihrem Blumenladen Maile in Rommelshausen. © Alexandra Palmizi

Ranunkeln, Tulpen und Anemonen: Für diese Schnittblumen müssen Kunden tiefer in den Geldbeutel greifen. „Seit Januar gibt es Probleme mit den Preisen“, sagt Maike Ehlert. Die 29-jährige Inhaberin des Blumengeschäfts Maile in Rommelshausen schildert, dass die Blumen-Produzenten in Holland ihre Produktion aufgrund der hohen Energiekosten massiv heruntergefahren hätten. „Um die 50 Prozent“, schätzt sie. Das wirke sich auf die Preise des Blumenladens in der Waiblinger Straße aus. „Einen Strauß für 15 Euro zusammenzustellen wird schwierig“, so die Floristin.

Aktuell entspanne sich die Lage ein wenig. Die Preise seien zwar immer noch erhöht, aber zumindest könne der Blumenladen auf regionale Ware zurückgreifen. „Im Sommer bekommen wir unsere Rosen aus Waiblingen und Schnittblumen aus dem Raum Stuttgart und Ludwigsburg.“

Maike Ehlert: „Die Leute wollen es sich zu Hause schöner machen“

Im Januar 2020 hat Ehlert den Blumenladen von Irmgard Maile übernommen. Rund acht Wochen vor dem ersten Lockdown. Trotz aller Herausforderungen macht die 29-Jährige die Beobachtung, dass seit Beginn der Corona-Pandemie das Interesse für Blumen und Pflanzen steigt. „Die Leute wollen es sich zu Hause schöner machen“, sagt die 29-Jährige. Mit Corona hätten die Floristen einen kleinen Aufschwung erlebt.

Gleichzeitig handle es sich bei Blumen um ein Luxusgut. „Man muss definitiv das nötige Kleingeld haben, um sich so was leisten zu können.“ Neben den Schnittblumen gibt es im Blumengeschäft aber auch Freilandpflanzen zu kaufen – wie etwa „Narzissen und Vergissmeinnicht“, zählt Maike Ehlert auf.

Bestellung bereits im Januar aufgegeben

Lieferprobleme gebe es aber auch bei der Osterdekoration. Ihre Bestellung hat die Floristin bereits im Januar aufgegeben. Jetzt, Ende März und zwei Wochen vor Ostern, seien lediglich 40 Prozent der bestellten Waren in Rommelshausen angekommen. Der Rest werde vermutlich nach Ostern eintreffen, so Ehlert. „Dann lagern wir die Dekoartikel für das nächste Jahr im Keller ein“, so die Inhaberin.

Sie vermutet, dass es aufgrund von Materialmangel, Transportproblemen und Corona zu den Lieferschwierigkeiten komme. Sie ist davon überzeugt: „Es würde aber niemandem helfen, wenn ich die Bestellung stornieren würde.“ Eine positive Entwicklung gibt es dann aber doch noch: „Die Hochzeitssaison ist früher gestartet als in den vergangenen zwei Jahren“, sagt Mitarbeiterin Marlene Mosch. So kümmert sich das Team des Blumenladens Mailes um Entwürfe für Tischdekorationen und Brautsträuße. „Wir haben zwei Besprechungen in der Woche“, erzählt Ehlert.

Während des Lockdowns ist die Nachfrage nach Balkonblumen eingebrochen

Zu Beginn der Corona-Pandemie ist auch die Gärtnerei Pfeil in Stetten von Umsatzeinbußen aufgrund der Lockdowns betroffen gewesen. Im Hofladen der Gärtnerei gibt es momentan neben Gemüse und Obst die ersten Frühblüher aus eigener Anzucht zu kaufen, „Primeln, Stiefmütterchen und Osterglocken“, sagt Siegfried Pfeil.

Der 62-Jährige betreibt die Gärtnerei gemeinsam mit seinem Bruder Bernhard Pfeil. Von dem, was in den Folienhäusern und auf dem Hof in Stetten wächst, werden 80 Prozent auf den Großmarkt nach Stuttgart geliefert, der Rest wird ab Hof verkauft. Zu den weiteren Abnehmern gehören aber auch Wirtschaften und Restaurants. Mit den coronabedingten Schließungen sei die Nachfrage etwa für Balkonpflanzen wie Geranien gesunken, so Siegfried Pfeil.

"Normalerweise heizen wir mit Öl"

Zurzeit merkt der gelernte Gärtner, dass sich das Interesse an den Frühjahrsblühern in Grenzen hält. „Blumen sind eben doch Luxus“, sagt er. Die Leute würden ihre Einkäufe momentan eher auf Lebensmittel reduzieren. „Wir blicken vorsichtig optimistisch auf das Frühjahr“, sagt Pfeil. Trotzdem befürchtet er, dass ein Teil der Ware keinen Abnehmer finden wird. Zu schaffen machen dem seit 1920 bestehenden Betrieb auch die gestiegenen Energiekosten seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine. „Normalerweise heizen wir mit Öl“, sagt Pfeil. In diesem Jahr aber hat der Gärtner die Pflanzen mit einer drei- beziehungsweise vierfachen Schicht Vlies zudecken müssen, um Kosten zu sparen. Ebenfalls angestiegen seien „die Preise für Saatgut und Dünger“.

Siegfried Pfeil: Seit der Pandemie sind regionale Produkte gefragt

Zurzeit gebe es außerdem noch Ackersalat, berichtet der Gärtner auf einem Rundgang über den Hof. Stolz ist er auf seine „Kinderstube“: Dort zieht Siegfried Pfeil aktuell unter anderem Tomaten- und Gurkensetzlinge auf. Für den Sommer gibt es im Hofladen Balkonblumen und Gemüse wie Tomaten, Gurken und Bohnen zu kaufen. Außerdem bestellt der Familienbetrieb noch eine Ackerfläche, auf der verschiedene Krautsorten sowie Rote Bete angebaut werden.

Mit Beginn der Pandemie habe er ein Phänomen beobachtet: „Viele Menschen legen jetzt wieder mehr Wert auf regionale und saisonale Produkte.“ Weg vom Supermarkt, hin zum regionalen Erzeuger, heißt die Devise.

Außerdem gehe der Trend hin zum Selbstgärtnern. Pfeil berät auch gerne Kunden, die Probleme mit dem Anbau von Tomatenstöcken haben. „Die vergangenen Sommer waren verregnet, weshalb viele Probleme mit Fäulnis hatten“, berichtet Pfeil.

Ranunkeln, Tulpen und Anemonen: Für diese Schnittblumen müssen Kunden tiefer in den Geldbeutel greifen. „Seit Januar gibt es Probleme mit den Preisen“, sagt Maike Ehlert. Die 29-jährige Inhaberin des Blumengeschäfts Maile in Rommelshausen schildert, dass die Blumen-Produzenten in Holland ihre Produktion aufgrund der hohen Energiekosten massiv heruntergefahren hätten. „Um die 50 Prozent“, schätzt sie. Das wirke sich auf die Preise des Blumenladens in der Waiblinger Straße aus. „Einen Strauß

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