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Wegen Corona: Liebespaar mit Down-Syndrom aus Stetten muss Abstand halten

Diakonie Stetten
Andi Sojka (29) vermisst seine Freundin Jessi sehr. © Diakonie Stetten

Im Juli ist der aktuelle Jahresbericht 2019/2020 der Diakonie Stetten erschienen. Neben den allgemeinen Entwicklungen beinhaltet er auch eine Reportage über Jessi Fischer (Nachname geändert) und Andi Sojka, die seit fast zwei Jahren ein Paar sind und sich aufgrund der Corona-Pandemie viele Wochen lang nicht sehen und keine Zeit miteinander verbringen konnten. Erst seit den Lockerungen dürfen sie sich mit Abstand und im Freien wieder treffen.

Andi Sojka sitzt an einem schönen Sommerabend im Garten des F.C.-Bauer-Hauses der Diakonie Stetten in Fellbach und schaut sich lächelnd das Foto seiner Freundin an. „Wegen des blöden Virus konnten wir uns so lange nicht sehen“, sagt der 29-Jährige, der in den Remstal-Werkstätten in Stetten arbeitet. „Ich habe Jessi sehr vermisst und auch mal geweint. Dann habe ich mir immer ihr Foto angeschaut“, erzählt er.

Selbstständig auch mit Down-Syndrom

Jessi Fischer wohnt im selben Ort in einer Wohngruppe des Ambulant Betreuten Wohnens und auf Nachfrage hört sie gar nicht mehr auf, von den vielen gemeinsamen Erlebnissen mit Andi zu erzählen. Ob zusammen feiern, tanzen, Spaziergänge machen oder in die Stadt nach Stuttgart gehen: Das Paar mit Down-Syndrom verbrachte vor der Coronazeit viel Zeit miteinander und die beiden leben ihre Beziehung weitestgehend selbstständig. Sie fahren zusammen nach Stuttgart oder gehen gemeinsam zu Konzerten, ins Fußballstadion oder zu Veranstaltungen.

Zudem ergänzen sie sich laut Diakonie gegenseitig bestens im Alltag: Jessi Fischer könne sich sprachlich sehr gut ausdrücken und Andi Sojka gebe seiner Partnerin viel Liebe und Geborgenheit. „Wir gehen immer zusammen zum Fasching, auf das Volksfest oder in die Stadt nach Stuttgart. Außerdem schauen wir gerne zusammen fern oder spielen Spiele. Ich bin so verliebt in Andi“, sagt Jessi Fischer und strahlt dabei über beide Ohren. „Wir haben uns auch gegenseitig Briefe geschickt und ich habe mal was für Andi gebastelt“, sagt Jessi Fischer, die in der Handweberei der Remstal-Werkstätten arbeitet. Vor der Coronazeit hätten die beiden immer zusammen getanzt und ihr Freund könne sehr gut tanzen. Man merkt ihr an, wie glücklich sie in ihrer Beziehung mit ihrem Partner ist.

Der Alltag der beiden wurde während der Hochphase der Coronazeit völlig auf den Kopf gestellt: Die Remstal-Werkstätten wurden im März aufgrund der Pandemie geschlossen. Beide verbrachten jetzt die meiste Zeit in der Wohngruppe. Andi gehört zur Corona-Risikogruppe

„Andi hat sich von Anfang an sehr gut an die Abstandsregeln gehalten und auch immer selbstständig gleich die Maske aufgesetzt“, sagt Heilerziehungsassistentin Tanja Merkle. Für sie und ihre Kollegen war es in der Wohngruppe stets ein Thema, das Andi Sojka zur Risikogruppe gehört. „Ich habe einen Herzfehler und einen Herzschrittmacher“, erzählt er. Auch deshalb halten Jessi Fischer und Andi Sojka bei ihren Treffen im Freien immer noch Abstand. Sie unternehmen gemeinsame Spaziergänge, essen zusammen ein Eis im Garten der Wohnhäuser oder spielen Spiele. „Es ist immer ein Mitarbeiter dabei, denn es ist wichtig, dass die Abstandsregeln eingehalten werden. Die beiden machen das sehr gut und wir Mitarbeiter halten uns dezent im Hintergrund“, erklärt Tanja Merkle.

Jessi Fischer und Andi Sojka freuen sich sehr darauf, wenn sie sich auch wieder in den Arm nehmen dürfen. „Das fehlt mir sehr und ich freue mich schon darauf, Jessi einen Kuss geben zu können“, sagt Andi Sojka und sie betont: „Ich freue mich, wenn Andi wieder seine Massage macht und wir wieder zusammen tanzen können“.

Außerdem denkt die junge Frau auch immer mal ans Heiraten. „Andi macht mir immer einen Heiratsantrag. Eine meiner Freundinnen hat auch einen Freund und sie wollen auch mal heiraten. Vielleicht könnten wir ja dann eine Doppelhochzeit feiern“. Einer möglichen Hochzeit steht die Corona-Pandemie zumindest erst mal nicht mehr im Weg.